Bisher ist der Markt für kapitalbildende Lebensversicherungen auf der Produktseite überschaubar. 80 Prozent der Verträge bieten dem Kunden eine fest zugesagte Mindestverzinsung über klassische Deckungsstockgarantien. Die restlichen 20 Prozent sind Fondspolicen, die entweder komplett auf Garantien verzichten oder eine Garantie über den Kapitalmarkt bieten. Alle Garantien sind üblicherweise für die gesamte Vertragslaufzeit wirksam. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern.
Längst werden abgekürzte oder nur endfällige Garantien diskutiert. Einige Vorstände wagten sich jüngst aus der Deckung und kündigten für 2013 Innovationen an. Dabei wissen alle, dass solche Novitäten vom Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) nicht gedeckt sind, weil eine durchgängige Garantie vorgeschrieben ist. Im VAG heißt es unmissverständlich: „Die Bestände des Sicherungsvermögens sind so anzulegen, dass möglichst große Sicherheit und Rentabilität bei jederzeitiger Liquidität des Versicherungsunternehmens unter Wahrung angemessener Mischung und Streuung erreicht wird“ (Paragraf 54).
Auch die Anlageformen sind vorgeschrieben (Paragraf 2 Anlageverordnung). Ursprünglich sollte schon 2008 eine Änderung des VAG erfolgen, um deutschen Versicherern die Einführung von Variable Annuities (VA) zu ermöglichen. Dies hätte eine risikoadäquate marktnahe Bewertung von Garantien bei fondsgebundenen Versicherungen in Abhängigkeit von der jeweiligen Kapitalanlage und den gewählten Absicherungsinstrumenten erlaubt. Der Kunde hätte die Wahl gehabt zwischen garantierter Auszahlung im Todesfall, garantierter einmaliger Kapitalzahlung oder garantierter Rente, Kapitalerhalt, Mindestverzinsung oder Höchststandgarantien.
In den Schubladen liegen konkrete Pläne
Bei Variable Annuities entnimmt das Unternehmen dem Fondsvermögen jährlich einen vorher festgelegten Anteil. Mit diesem sichert es sich gegen Risiken wie einen Aktiencrash mit Hilfe von Derivaten ab. Axa hat mit diesem Produkt in der Finanzkrise teure Erfahrungen gemacht. Das Hedging wurde in bestimmten Kapitalmarktsituationen so teuer, dass Verluste aus dem Eigenkapital ausgeglichen werden mussten. Kein Wunder also, dass der Änderungsantrag des Versicherungsaufsichtsgesetzes wegen der Finanzkrise nicht die parlamentarischen Hürden schaffte. Somit dürfen rein deutsche Lebensversicherer solch flexible Kapitalmarktgarantien derzeit nicht anbieten, anders als international aufgestellte Unternehmen, die ihr VA-Produkt außerhalb Deutschlands aufgelegt haben, so auch Allianz, Ergo, R + V und Swiss Life. Der Vertrieb in Deutschland ist ausdrücklich erlaubt.
Die einheimischen Anbieter haben inzwischen bei Fondspolicen einen Mix unterschiedlicher Garantien über den Deckungsstock hinaus aufgebaut. Modern sind dynamische Hybride: Bei denen wird das Kapital auf drei Töpfe verteilt, den klassischen Deckungsstock, einen Wertsicherungsfonds und freie Fonds. Somit wird trotz Garantie noch Geld in freie Fonds investiert. Verliert der Fonds an Wert, wird zur Sicherung Geld in die konservativen Töpfe umgeschichtet. Im unglücklichsten Fall entwickelt sich der Markt so schlecht, dass wegen der Bruttobeitragsgarantie gar kein Geld in freie Fonds gesteckt werden kann.
Vermittler müssen also auch heute schon genau hinsehen, welche Garantien tatsächlich bei Fondspolicen geboten werden. Die gelten nämlich bei VA-Produkten oft nur bei Ablauf des Vertrages und nicht bei vorzeitigem Ausstieg – im Gegensatz zu Hybriden und dem ICPPI-Modell der Fondsgesellschaft DWS. Letzteres bildet die Garantie nur durch dynamisches Umschichten zwischen Fonds unterschiedlichen Risikos ab und verzichtet komplett auf Deckungsstock und gesonderte Garantiefonds. Durch tägliche Überprüfung der Vermögensaufteilung wird über einen finanzmathematischen Algorithmus die Garantie auf Basis des aktuellen Kapitalmarktzinses bestimmt.
Noch dominieren Deckungstockgarantien. Die Leistungen von 2012 auslaufenden Kapitallebensversicherungen (KLV) brachten bei 30 Jahren Laufzeit im Branchenschnitt 5,01 Prozent Rendite auf den eingezahlten Beitrag. Und das bei enormen Leistungsunterschieden, wie der Marktbeobachter „Map-Report“ in der Ausgabe „Zeit für Lebensversicherungen – Ablaufanalyse 2001 bis 2012“ zeigt (siehe Tabelle "Leistungsnorm der Besten"). Bei der Analyse stand folgender Musterfall Pate: Ein 30-jähriger Mann, der 1.200 Euro jährlich eingezahlt hat. Nach 30 Jahren bekommt er 2012 im Marktdurchschnitt 83.935 Euro ausgezahlt, rund 2.000 Euro weniger als noch 2011.
Bei den beiden besten Anbietern Debeka und Huk-Coburg waren es jeweils rund 100.000 Euro. Letzteres schaffte vor zwölf Jahren die ganze Branche. Seitdem geht es kontinuierlich bergab. Aber im Vergleich zum Jahr 1988 ist die Ablaufleistung nur um 9.500 Euro und die Beitragsrendite nur um 1,2 Prozentpunkte gesunken, wie Map-Report errechnet hat. „Für eine langfristige Versorgung ist das, auch angesichts langer Jahre niedriger Inflation, ein sehr vorzeigbares Ergebnis“, sagt dessen Chefredakteur Manfred Poweleit. Schuld am Renditerückgang der vergangenen zehn Jahre ist vor allem die rückläufige Entwicklung am Zinsmarkt, da rund 85 Prozent des Kapitals in vergleichsweise sichere Anlageformen fließen muss. Etwa seit 1995 spielen die Finanzmärkte verrückt.




Deutsche Bank / Realtime Indikation



