portfolio international MAGAZIN

Portfolio International

portfolio international

Ausgabe 03/2017

Der Brexit und seine Folgen für Vermittler

...mehr

Meistgelesene Artikel


Alles zum Thema
BÖRSE & FINANZEN
finden Sie hier

DAX
Chart
DAX 12.663,00 +0,06%
TecDAX 2.782,00 -0,68%
EUR/USD 1,1171 +0,40%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Wertpapiersuche

Aktien Tops & Flops

ALLIANZ 217,60 +1,33%
VOLKSWAGEN VZ 169,24 +1,04%
BMW ST 67,49 +0,87%
WIRECARD 113,50 -4,46%
FRESENIUS... 43,40 -2,13%
INFINEON 16,22 -1,29%

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Oaktree (Lux.) Fun RF 1.036,92%
Oaktree (Lux.) Fun RF 1.028,22%
Oaktree (Lux.) Fun SF 932,70%
ETFS Metal Securit SF 205,91%
Source Markets plc SF 171,40%

mehr

Anlage

24.07.2017

Der Brexit und seine Folgen für Vermittler I

Tim Stevenson
Theresa May

Bei einem solchen Szenario Drittstaatenstatus mit Übergangsregelungen wäre in einem Austrittsabkommen dann zwar keine Einigung über die vier EU-Grundfreiheiten erzielt – bei einer Kompromisslösung aber darüber, dass das dann als Drittstaat geltende Land bestimmte Regeln hat, die denen der EU „äquivalent“, gleichbedeutend, sind. Hierfür müssten EU-Rechtsakte, die bislang kein sogenanntes Äquivalenz-Regime enthalten, mit einem solchen ausgestattet werden oder eine gesetzesübergreifende Drittstaatenlösung beschlossen werden. Alternativ könnten beide Seiten ein eigenes bilaterales Abkommen zwischen der EU und Großbritannien aufgreifen und ergänzen, wobei die vereinbarten Punkte beiderseitig gelten sollten.

Szenario weicher Brexit
Eine weitere, nach jetzigem Stand weit unwahrscheinlichere Lösung wäre ein weicher Brexit. Das Austrittsabkommen könnte dann zum Beispiel eine beiderseitige Gleichstellung von britischen mit EU- Unternehmen, Produkten und Dienstleistungen vorsehen, wie zahlreiche Beobachter erläutern. Das Land wäre dann weiter am EU-Binnenmarkt beziehungsweise im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) beteiligt. (Der EWR ist eine Freihandelszone zwischen der EU und der Europäischen Freihandelsassoziation „EFTA“ und erweitert den europäischen Binnenmarkt um Island, Liechtenstein und Norwegen. EWR-weit gelten die vier Freiheiten Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr.)

Alternativ könnte Großbritannien eine Bestandsgarantie für bestehende Erlaubnisse und/oder EU-Pässe gewähren. Allem frommen Wunschdenken und gegenteiligen Beteuerungen von Premierministerin May zum Trotz erscheint die Möglichkeit, dass Großbritannien im Brexit-Prozess den Status eines Drittstaates erhält, derzeit allerdings als sehr realistisch. Für die britische Fondsbranche hätte dieses Szenario erhebliche, negative Auswirkungen, heben zum Beispiel Beobachter der hiesigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly hervor. Die Gesellschaft ist Teil des weltweiten Firmennetzwerks Baker Tilly International, in dem Wirtschaftsprüfer, Anwälte, Steuerberater und Unternehmensberater Dienstleistungen anbieten.

Britische Finanzinstitute, -dienstleister und Fondsanbieter kämen demnach weder in den Genuss der Dienstleistungsfreiheit durch einen EU-Pass, noch könnten sie von der europaweit freien Niederlassungswahl profitieren. Dies schränke ihre Vertriebsaktivitäten deutlich ein. Betroffen seien dadurch nicht allein britische Fondsanbieter, sondern auch britische Tochtergesellschaften von amerikanischen Fondsunternehmen, die aktuell noch von London aus den europäischen Markt bedienen. „Wollen britische Fondsanbieter dennoch in der EU aktiv werden, müssen sie einen ganz erheblichen Aufwand auf sich nehmen“, sagt Aykut Bußian, Leiter Fund Solutions bei Baker Tilly. Eine britische Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) müsste beim beabsichtigten Vertrieb von Fonds an deutsche Privatanleger der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) weitgehende Informationen zu ihrer Organisation­ zur Verfügung stellen.

„Unter dem Strich ist der Aufwand so groß, als würde die KVG einen eigenen Erlaubnisantrag nach dem deutschen Kapitalanlagegesetzbuch stellen. Dies – und die bekanntermaßen langen Prüffristen der Bafin – werden zusammen ein inakzeptables Vertriebshemmnis darstellen“, meint Bußian. Die Einschränkungen würden nicht nur beim Absatz an Privatanleger gelten, sondern auch bei institutionellen Investoren. „Beim Vertrieb von Spezialfonds an deutsche Investoren wirkt sich das Fehlen des EU-Passes für die britische KVG ebenfalls dramatisch aus: In diesen Fällen würde die EU einen Referenzmitgliedstaat bestimmen, dessen Regulierungsniveau die britische KVG erfüllen muss“, erläutert Berater Bußian.

„Zum Vergleich: Handelt es sich um eine KVG aus der EU, genügt die Einholung einer Bescheinigung der jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörde“, ergänzt er. Neben diesen Hürden in den Bereichen Zulassung und Vertrieb gebe es auch steuerliche Effekte auf die Strukturierung der Fonds: „Dies betrifft vor allem mehrstöckige Holding-Strukturen mit britischen Gesellschaften und Gesellschaften in der EU. Bei solchen Konstellationen ist die Quellensteuerfreiheit bedroht“, hält Bußian fest. Für die EU ist es aus seiner Sicht nicht erstrebenswert, Großbritannien den Status eines EWR-Mitglieds einzuräumen, was die vier Grundfreiheiten einräumen würde. Schlimmstenfalls komme es mit Großbritannien zu einem Präzedenzfall, dem andere EU-Mitglieder folgen könnten.

portfolio international 24.07.2017

Heike Gorres
Einen Kommentar schreiben
Wir freuen uns über Ihre Kommentare. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

CAPTCHA Bild zum Spamschutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
* Pflichtfelder
 
 
Anzeige
Anzeige