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Ausgabe 03/2017

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Analyse

28.06.2017

Lebensversicherung auf dem Weg zur Fondsrente II

Der Produktwechsel ist in vollem Gange: weg von klassischen Lebensversicherungen hin zu fondsgebundenen Rentenpolicen, die das Sicherungsvermögen der Versicherer wegen sinkendem Garantieumfang weniger oder gar nicht mehr nutzen. Das hat auch Auswirkungen auf die Asset-Klassen. Teil II
Axel-Rainer Hoffmann
Carsten Zielke

Zweifellos sinkt der Garantieanteil, teilweise kommen die ­Garantien auch nicht mehr aus dem Deckungsstock, sondern stammen von einer Bank, die diese mit Derivaten kreiert. Der Trend zur Fondsgebundenen könnte die Arbeitsplatzsicherheit gerade von jüngeren Spezialisten für Windparks, Buyouts oder Residentials gegen ­Ende ihrer Berufskarriere gefährden. Denn die etwa 35 Jahre einer ­Berufskarriere liegen über der Durchschnittsduration der Verbindlichkeiten.

Schon heute zeichnet sich ab, dass sich die Job-Profile ändern. Beispiel Aktien: Das Management von Aktien im Direktbestand fokussiert sich ressourcenbedingt auf deutsche Aktien sowie passive Strategien und wird insgesamt seltener. Stärker gefragt sind dagegen Kompetenzen in der Auswahl von Publikumsfonds, für deren Monitoring, für Research und für das Risikomanagement. „Dieses Know-how ist in der Abteilung Kapitalanlage meist vorhanden, da die Komplexität der Anlagen des klassischen Deckungsstocks nicht geringer ist als diejenige der Fonds. Man benötigt daher nicht tiefere Kenntnisse, aber eventuell eine höhere Anzahl an Mitarbeitern, die sich um eine gestiegene Anzahl von Fonds kümmern können“, erläutert Axel-Rainer Hoffmann vom Volkswohlbund.

Dazu passt, dass die Gothaer im Januar ankündigte, das Managementteam der Gothaer Fonds bei der Gothaer Asset Management „personell zu verstärken, insbesondere­ im Bereich Research und Risikomanagement“. Aktuell beschäftigt die man 62 Mitarbeiter in der Kapitalanlage. Zudem will die Gothaer die Fondsvertriebs­tochter des Konzerns in die Lebensversicherung überführen. Ziel sei eine „bessere Integration des Publikumsfondsgeschäfts in die Konzernstrukturen sowie die Realisierung von Synergien“, heißt es.

Exkurs: Aus den Aussagen Hoffmanns und den Plänen der Gothaer lässt sich ableiten, dass Aktien-Ressourcen nur bedingt skalierungsfähig sind. Dies rührt auch daher, dass mit steigendem Aktienvolumen eher in Small Caps oder Emerging Markets diversifiziert wird, als noch mehr in europäische Blue Chips zu gehen. Skalierungspotenzial haben Versicherer eher in Private Equity erschlossen. Marcus Severin, Versicherungsexperte bei Blackrock, hat beobachtet, dass die Investitionsgröße pro Private-Equity-Fonds deutlich zugenommen hat: „Wo früher fünf Millionen committed wurden, sind es heute oft eher 50 Millionen. Zudem ist die Entscheidungsgeschwindigkeit deutlich höher.“

Zurück zu Aktien: Hamed Mustafa von Blackrock bezweifelt, dass es künftig noch reine Aktienabteilungen geben wird: „Diese Mitarbeiter beschäftigen sich heute stark mit Dachfondskonstrukten oder Multi Asset.“ Sinnbildlich bedeutet dies: Aktienanleger sitzen immer seltener selbst im Orchestergraben, sondern stehen vielmehr dirigierend vor ­einem (externen) Ensemble.

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Die Fähigkeit, harmonisch zusammenzuspielen, wird dagegen viel stärker auf Unternehmensebene gesucht. „Bei hybriden Produkten benötigt man nicht nur in der Fondsauswahl, sondern speziell im Aktuariat besonderes Know-how der Produktentwicklung“, führt Hoffmann aus. Verstärktes abteilungsübergreifend arbeitet man auch ­bei Blackrock. „In Kundenmeetings zu Unit-Linked-­Produkten treffe ich nun auch den Leiter Kapitalanlage“, berichtet Hamed Mustafa. Der sei involviert, um die Qualität und insbesondere die Kosteneffizienz von ETF oder alternativen Ucits zu beurteilen.

Und wo werden die Spezialisten für illiquide Assets gefordert, die Mauern ihres Alternatives-Silo aufzubrechen? Womöglich in einem viel geringeren Maße als bei anderen Konzerneinheiten. Jeden in Aktien investierten Euro mit 39 Cent unterlegen zu müssen, ist teuer. Da könnte es effizienter erscheinen, weitere zehn Cent in Kauf zu nehmen, um die Überrenditen von Private Equity zu vereinnahmen. Ein weiterer Faktor ist die Entwicklung von Dachfonds hin zu Singlefonds und die Aufsplitterung des Private-Equity-Universums, was ein höheres Fachwissen erfordert. „Experten für illiquide Assets bleiben weiter auf illiquide Assets fokussiert“, ist sich Blackrock-Mann Severin sicher.

Die Alternatives-Quote: eine Frage der Solvenz
In den kommenden Jahren werden die Kompetenzen für Buyouts, erneuerbare Energien oder Value-add-Immobilienstrategien noch sehr gefragt sein. In welchem Maße und welche Kompetenzen genau, das hängt von den einzelnen Versicherern ab. „Die Quote für Alternatives beziehungsweise deren Aufbaumöglichkeit hängt von der Solvenz eines Versicherers ab“, erklärt Dr. Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender der Alten Leipziger. Nachgelagert dürften aber auch persönliche Erfahrungen und Vorlieben eine Rolle spielen oder ob der Leiter Kapitalanlage als Asset Manager oder Controller sozialisiert wurde.

Welche Alternatives sich ein Versicherer erschließen­ möchte, ist eine Frage der versicherungstechnischen Ausrichtung, also ob die Liquiditäts- und Ertragseigenschaften der Asset-Klasse zu den versicherungstechnischen Erfordernissen passen, so die Alte Leipziger. „Nach der Solvenz ist die Cashflow-Projektion entscheidend“, erklärt Carsten Zielke. Und weiter: „So verbietet sich zum Beispiel Infrastruktur wegen des extrem langen Anlagehorizonts, wenn sich der Bestand schnell abbaut.“ Private Equity wiederum hat einen schweren Stand, wenn sofort laufende Erträge benötigt werden oder Liquidität ein wichtiges Kriterium ist. 

„Da wir im Verhältnis zum Gesamtvolumen der Kapitalanlagen im Konzern nur in sehr überschaubarem Maße in alternative Assets investieren, stellt sich die Frage des Spezialisierungsgrades als Suchmuster für unser Personalanforderungsprofil derzeit nicht. Wir haben diese Investitionen mit den bestehenden Mitarbeitern getätigt“, so die Alte Leipziger. Auch dies zeigt, dass am Ende das Profil des einzelnen Versicherers entscheidet, welche Mitarbeiterprofile in der Kapitalanlage gesucht sind. Faktoren sind ­insbesondere die Solvenz, die Einbindung des Deckungsstocks und wie direkt investiert wird.

portfolio international 28.06.2017

Patrick Eisele/Detlef Pohl
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