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Vorsorge
09.02.2017

Zinszusatzreserve bringt Lebensversicherer in die Bredouille

Die Zinszusatzreserve wächst in raschem Tempo. Sie sichert zwar die Erfüllung der Garantieversprechen im Bestand, geht aber zu Lasten jüngerer Verträge und setzt die Lebensversicherer ertragsseitig unter Druck.

Die Zinszusatzreserve (ZZR) müssen Lebensversicherer seit dem Jahr 2011 bilden, um Vorsorge für die Erfüllung ihrer Garantieversprechen zu treffen. Sie hat branchenweit ein Volumen von rund 45 Milliarden Euro erreicht. Nach Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) könnte sie, in Abhängigkeit von der Zinsentwicklung, 2017 auf bis zu 65 Milliarden Euro steigen.

Inzwischen müssen die Versicherer für fünf Tarifgenerationen – 4,0 Prozent, 3,50 Prozent, 3,25 Prozent, 3,0 Prozent und 2,75 Prozent Garantiezins – die ZZR bilden, da der Referenzzins 2016 auf 2,54 Prozent gesunken ist. Nach Angaben der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur beträgt der Anteil dieser Tarife im Bestand rund zwei Drittel.

Die ZZR hat nach Berechnungen von Assekurata zu einer Entlastung der Garantienanforderungen um durchschnittlich 0,6 Prozentpunkte geführt. Die ZZR hilft den Versicherern zwar, die eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, drückt jedoch auf die laufenden Garantien. Sie liegen laut Assekurata 2016 bei durchschnittlich 2,32 Prozent, ohne ZZR wären es 2,89 Prozent. „Dies zeigt, dass die Zinszusatzreserve ökonomisch wirkt und die bilanzielle Widerstandsfähigkeit der Anbieter messbar stärkt“, erläutert Lars Heeremann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung von Assekurata.

Allerdings würden die Zuführungen zur ZZR die Ertragslage der Versicherer und damit deren finanziellen Spielraum für höhere Überschussbeteiligungen in beträchtlichem Maße belasten. Deshalb fordert auch die Branche Änderungen am bisherigen System der ZZR. „Wir müssen verhindern, dass die bisherige Berechnungsformel für die Bildung der Zinszusatzreserve unsere Unternehmen überfordern“, sagte GDV-Präsident Alexander Erdland. Diese Formel sei in einem anderen Zinsumfeld konzipiert worden. Es mache keinen Sinn, Anleihen mit hohen Zinscoupons verkaufen zu müssen, um die ZZR im Eiltempo hochzutreiben. Vernünftig sei ein maßvoller Aufbau aus dem laufenden Überschuss, so Erdland. Dies ginge mit einem langsameren Aufbau der ZZR einher.

Auch der Bund der Versicherten (BdV) kritisierte die Regeln für die Reservepufferbildung. „Durch die Zinszusatzreserve werden dem Überschusssystem Milliarden entzogen, den Verbrauchern vorenthalten und verhindern so eine rentable Altersvorsorge“, erklärte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV. Der BdV fordert deshalb von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) dringend, für eine Lockerung der gesetzlich vorgeschriebenen überzogenen Reservebildung zu sorgen. Denn durch die ZZR würden die gut verzinsten Altverträge auf Kosten der jüngeren Verträge subventioniert. Bei der ZZR handele es sich um nichts anderes als um eine Zwangsumlage, die den kapitalgedeckten Charakter der Lebensversicherung ad absurdum führe.

Nach Berechnungen von Assekurata sinkt der Referenzzins unter der Annahme gleichbleibender Zinskonditionen 2017 auf 2,17 Prozent. Dann wäre erstmals auch für Verträge der Tarifgeneration mit 2,25 Prozent Rechnungszins eine Dotierung der ZZR nötig. Erholt sich das Zinsniveau nicht, wären ab 2019 auch für Verträge mit einem Rechnungszins von 1,75 Prozent reservepflichtig. Das würde die Lebensversicherer langfristig belasten, weil es sich damit auch um noch sehr junge Verträge handelt. Auch Assekurata sieht deshalb die Notwenigkeit, die ZZR-Regeln zu modifizieren, damit einzelne Lebensversicherer nicht überfordert werden.  

Hans Pfeifer


(Grafik: Assekurata)
 
Weiterführende Links:

Zur Kurzpräsentation der Assekurata-Studie „Überschussbeteiligung und Garantien 2017“

Der Bund der Versicherten zur ZZR

portfolio international update 09.02.2018


 
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