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Ausgabe 03/2017

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Vorsorge
12.06.2017

Was nun, Herr Walthes? I

Dr. Frank Walthes

Ein bizarrer Markenstreit in Bayern beschäftigt die Assekuranz. Die relativ große Versicherungskammer Bayern, kurz: VKB (6.800 Beschäftigte; 7,8 Milliarden Euro Beitragseinnahme), fürchtet, mit der relativ kleinen „die Bayerische“ (460 Beschäftigte; 460 Millionen Euro Beitragseinnahme) verwechselt zu werden. Eine bajuwarische Provinzposse eines großen, primär in Bayern tätigen Sparkassenversicherers gegen einen bundesweit tätigen und eher kleinen, mittelständischen Maklerversicherer? Teil I

Rückblende: 2012 gibt sich die Bayerische Beamten Versicherung (BBV) einen neuen Namen. Fortan heißt der 1858 als „Pensions- und Leichenverein der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen“ gegründete Versicherer „die Bayerische“. Man wollte sich zu seinen bayerischen Wurzeln bekennen, auch wenn das Unternehmen längst bundesweit tätig ist. Der Slogan wurde geändert von „offen für alle“ in „versichert nach dem Reinheitsgebot“. Soll heißen: „Wir konzentrieren uns auf das, was wir wirklich gut können“, sagt Martin Gräfer, Vorstand für Vertrieb und Service.

Vielleicht wollte man auch von den negativen Schlagzeilen weg, denn in den 90er Jahren hatte der damalige Vorstandschef bei Immobiliengeschäften im Zusammenhang mit dem Verkauf der BBV-Immobilientochter BBVI illegal mehrere Millionen Euro kassiert und so die BBV geschädigt. Nach Verhaftung und Verurteilung beruhigte sich die Lage. Im Bestand sind inzwischen bundesweit mehr als eine halbe Million Privatkunden. Man setzt für Kunden und Vertriebspartner – vorwiegend Makler – auf anerkannt guten Service mit kurzen Reaktionszeiten. Die Namen der Risikoträger Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G. (Konzernmutter), Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG (Leben) und Bayerische Beamten Versicherung AG (Sach) blieben nach der Namensänderung 2012 dieselben wie zuvor.

Doch vier Jahre später, im Sommer 2016, droht plötzlich Ärger. „Die Versicherungskammer Bayern stellt zunehmend Verwechslung bei ihren Kunden mit der Marke `die Bayerische` fest. Deshalb haben wir eine markenrechtliche Prüfung angestoßen“, so VKB-Vorstandschef Dr. Frank Walthes. Gesteckt hatte man das einer Münchener Tageszeitung und damit den drohenden juristischen Marken-Streit öffentlich gemacht. Die Bayerische wunderte sich öffentlich zurück. „Als wir vor vier Jahren unseren Namen zu dem jetzigen änderten, haben wir noch bei der Versicherungskammer nachgefragt, ob das in Ordnung geht“, gibt Vertriebsvorstand Gräfer im Sommer 2016 zu Protokoll. Seither mahlen die juristischen Mühlen, um zu prüfen, welcher Versicherer mit Recht auf die bayerischen Wurzeln im Namen verweisen darf.

 
Detlef Pohl

Kommentare

Provinzposse her oder hin: Man muss wissen, dass die Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G. schon sehr bewusst die neue Markenbezeichnung gewählt hat. Jedenfalls haben Verantwortliche mehrmals verlauten lassen, dass die Namenswahl gerade mit Blick auf die Versicherungskammer Bayern gefallen ist, um von dem positiven Image dieser Marke als "DIE BAYERISCHE VERSICHERUNG" zu profitieren. Die Verwechslungsgefahr ist daher nicht nur gegeben, sondern offensichtlich gewollt. Dass dies erst jetzt bemerkt wurde, sollte nun nicht als Beleg für die Behauptung herhalten, hier prozessiere nun "Goliath gegen David". Solcherart Markenpolitik in eine moderne Robin-Hood-Geschichte umzuwidmen geht dann doch etwas zu weit. Wenn die neue "die Bayerische", welche die alte BBV ist, zu Unrecht die Marke beansprucht oder andere rechtliche Gründe entgegenstehen, muss es auch der zehnmal größeren VKB erlaubt sein, dagegen vorzugehen. Entscheiden muss jetzt das Gericht.

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