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Vorsorge
12.02.2015

Was die Geldpolitik der EZB die Sparer kostet

Die Niedrigzinsen erhöhen die Kosten für die Altersvorsorge, seit 2008 sind sie um jährlich mehr als 13 Prozent gestiegen. Wer diese Inflation nicht durch höhere Sparraten kompensieren kann oder will, wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) in die Altersarmut getrieben.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) – wegen vermeintlicher Benachteiligung der Lebens- und Rentenversicherungssparer unter dem Vorwand der Niedrigzinskrise selbst unter Beschuss – hat jetzt vorgerechnet, was die die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Vorsorgesparer kostet. „Eine Senkung des durchschnittlichen Zinsniveaus um einen Prozentpunkt bedeutet, dass ein Bürger 15 Prozent mehr aufwenden muss, um seine Altersvorsorge stabil zu halten“, sagt GDV-Präsident Alexander Erdland. Grund dafür sei der sich abschwächende Zinseszinseffekt. In Zeiten niedriger Renditen verliere der für den langfristigen Vermögensaufbau so wichtige Hebel an Kraft.

Wer also in Niedrigzinszeiten das gleiche Vorsorgeergebnis erzielen will wie in Normalzinszeiten, muss mehr sparen. Wie sehr der Niedrigzins die Kosten der Altersvorsorge in den vergangenen Jahren in die Höhe getrieben hat, hat Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance, errechnet. Demnach musste 2007 ein 35-jähriger Durchschnittsdeutscher mit einer Lebenserwartung von 79 Jahren monatlich noch 168 Euro beiseite legen, um im Alter seinen Lebensstandard halten zu können. Im Vorjahr waren dafür schon 360 Euro im Monat nötig. Damit sind die Kosten seit 2008 jährlich um 13,5 Prozent gestiegen. „Das ist nichts anderes als Inflation“, sagt Stotz.

Höhere Sparraten aufzubringen, falle den Verbrauchern jedoch nicht leicht. Vielen fehle ohnehin der finanzielle Spielraum, gleichzeitig würden die Menschen zum Konsum geradezu verführt. Laut Stotz sorgen die niedrigen Zinsen für zwei gegenläufige Effekte. Zwar steigt einerseits die Versorgungslücke, zugleich werden aber auch Bankkredite günstiger, was die Verbraucher wiederum dazu verleitet, mehr auszugeben. Das schließlich bezwecke die EZB, die sich von den niedrigen Zinsen auch eine Ankurbelung des privaten Konsums erhofft. „Die Kurzsichtigkeit der Menschen siegt in der Regel“, sagt Stotz.

Dies zeigt sich schon jetzt: Der vom Marktforschungsinstitut GfK ermittelte Index zur Sparneigung der Bundesbürger sank im Januar mit minus 62,6 Punkten auf ein Allzeittief (siehe Grafik). „Das Geld, das jetzt ausgegeben wird, statt es anzusparen, ist Geld, das später für den Konsum fehlt“, sagt GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Er betrachtet die Entwicklung mit Sorge: „Es ist zu befürchten, dass wir die Rechnung für die derzeit extrem geringe Sparneigung in Zukunft serviert bekommen, etwa in Form von Altersarmut.“

Andere Umfragen, wie die von TNS Deutschland GmbH, die im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen seit über 14 Jahren regelmäßig die Bürger zur Sparbereitschaft befragt, stellen allerdings in jüngster Zeit ein verstärktes „Angst-Sparen“ fest, so der Bausparverband. Die wachsende Verunsicherung der Menschen spiegele sich auch in den Sparmotiven wieder: Die „Altersvorsorge“ stand im Herbst 2014 nach einem Anstieg um 13 Prozentpunkte  auf 64 Prozent wieder auf Platz eins. Das Sparmotiv „Konsum/Anschaffungen“ verlor gegenüber der letzten Umfrage sechs Prozentpunkte und liegt jetzt mit 59 Prozent auf Platz zwei. Der Wunsch nach mehr Sicherheit drücke sich auch im deutlichen Zuwachs des drittwichtigsten Sparmotivs „Erwerb/Renovierung von Wohneigentum“ aus. 54 Prozent der Deutschen nennen es – nach 46 Prozent im Sommer 2014. Das Sparmotiv „Kapitalanlage“ folgt mit 32 Prozent der Nennungen.

Nach ihrem zukünftigen Sparverhalten befragt, erklärten acht Prozent, demnächst mehr sparen zu wollen. Im Sommer 2014 gaben dies sechs Prozent an. Weniger sparen wollen 12,0 Prozent – nach zuvor 11,1 Prozent. Der Sparklima-Index des Bausparverbandes sei deshalb von -4,4 auf -3,5 angestiegen. Dieser wird als Saldo aus den Prozent-Anteilen derjenigen berechnet, die künftig mehr sparen wollen, und derjenigen, die künftig weniger sparen wollen.

Wie dem auch sei, die Entwertung des Sparkapitals durch die Niedrigzinspolitik hat dramatische Folgen – nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Wirtschaft. Denn das Geld, das heute nicht gespart wird, fehlt später beim Binnenkonsum. GDV-Präsident Erdland warnt vor der anwachsenden Versorgungslücke breiter Bevölkerungsschichten und fordert erneut den Gesetzgeber auf, das Fördervolumen für die Riester-Rente zu dynamisieren.

Hans Pfeifer

Weiterführende Links:

GDV-Position zu den Auswirkungen der Niedrigzinspolitik auf die Sparer

Herbstumfrage des Verbandes der Privaten Bausparkassen zum Sparklima

portfolio international update 12.02.2015/dpo

 
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