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Vorsorge
24.01.2012

Lebensversicherer verbuchen hohe Risiko- und Kostengewinne

Die Gesellschaften haben zuletzt weniger Zinsgewinne machen können. Das wurde durch Risiko- und Kostengewinne wettgemacht, wie eine Studie offenbart.

Wenn der Vertrieb Akzente mit der Lebensversicherung setzen will, muss er die richtigen Gesellschaften vermitteln. Dabei hilft als Marketing-Vehikel eine hohe laufende Gesamtverzinsung der Kundenkonten aus Kapitalanlagen. Und die geht 2012 weiter zurück: In der kapitalbildenden gemischten Lebensversicherung (KLV) liegt der Mittelwert der Deklarationen bei 3,91 Prozent und damit 16 Basispunkte unter dem Wert des Vorjahres, zeigt der Branchendienst Map-Report in seiner Untersuchung „LV-Deklarationen 2012”.

Laut Map-Report ist das der schlechteste Wert der vergangenen Jahrzehnte, mindestens aber seit 1995. Auch die Deklarationen der aufgeschobenen Leibrentenversicherungen sähen kaum besser aus, während die Aktuare bei sofortbeginnenden Renten gegen Einmalbeitrag kaum gekürzt haben. Mit der laufenden Gesamtverzinsung werden die Kunden verbindlich an den Gewinnen der Assekuranzen beteiligt. Die Spanne reicht 2012 in der KLV von 3,39 Prozent (HDI-Gerling) bis 4,6 Prozent (Targo). Dabei nähern sich die Versicherer immer mehr an, wobei einige Anbieter keine Angaben gemacht haben.

In der Analyse der Überschussbeteiligung 2012 erfolgt aber nur eine Betrachtung der Zinsüberschüsse. Kosten- und Risikoüberschüsse bleiben dabei außen vor. Gerade darin unterscheiden sich die Unternehmen jedoch sehr stark. Kunden müssen zu mindestens 90 Prozent an den Überschüssen aus den gesamten Kapitalerträgen, zu denen auch der Garantiezins zählt, beteiligt werden. Hinzu kommen mindestens 75 Prozent der Risikoüberschüsse und 50 Prozent der sonstigen Überschüsse, insbesondere Kostenüberschüsse.

Nimmt man die Auswirkungen aller Überschussquellen und bezieht insbesondere Risiko- und Kostengewinne ein, so zeigt sich ein erstaunlich erfreuliches Bild: Je nach Laufzeit zeigen 2012 bis zu zehn KLV-Anbieter höhere Gesamtleistungen in den Beispielrechnungen als 2011. Grund: „Durch den eingeschlossenen Todesfallschutz werden beim gegenwärtigen Trend steigender Lebenserwartungen technische Gewinne erwirtschaftet, die stabilisierend für die Überschussbeteiligung wirken“, erklärt Chef-Analyst und Chefredakteur Manfred Poweleit.

Ähnliches hat Map-Report bei der aufgeschobenen Leibrente und sogar der Risiko-Lebensversicherung beobachtet. Das sei kein Zufall: Der Überschuss in der Lebensversicherung ist von 11,8 Milliarden Euro 2009 auf 12,2 Milliarden 2010 gestiegen. Lediglich die Jahre 2005 bis 2007 waren laut der Bafin-Statistik besser. Zwar sind die Zinsgewinne mit 5,2 Milliarden Euro noch weiter zurückgegangen, doch die technischen Ergebnisse bieten mehr als nur einen Ausgleich. So waren davon mit 6,46 Milliarden Euro mehr als die Hälfte Risikogewinne – insbesondere wegen geringerer Sterblichkeit und höherem Storno als kalkuliert. Hinzu kamen 1,14 Milliarden Euro Kostengewinne, vor allem wegen weiter verringerter Verwaltungskosten.

Die Bafin-Zahlen der Gewinnzerlegung für 2011 liegen naturgemäß noch nicht vor. Doch selbst die Zahlen für 2010 zeigen, warum die Versicherungsaufsicht und Marktkenner trotz der Staatsschulden-Niedrigzinskrise noch weit weg sind von Panikattacken. „Natürlich benötigen die Lebensversicherten im Alter ihre Zinserträge“, weiß Poweleit. Doch auskömmliche Zinsen würden erst wieder erwirtschaftet, wenn an den Finanzmärkten Vernunft und Sachkunde einkehren. Das kann angesichts fehlender Sparanstrengungen dauern.

(Die Studie „LV-Deklarationen 2012: Krise fällt aus” aus dem Map-Report 789 – 790 kostet 75 Euro und kann unter www.map-report.com)bestellt werden.)

portfolio international update 23.01.2012/dpo/gcu

 
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