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Ausgabe 03/2017

Der Brexit und seine Folgen für Vermittler

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Beratung
28.04.2014

Verbraucherschützer auf dünnem Eis

Norman Wirth

Die Finanzberatung stand jahrelang zu recht in der Kritik, weil praktisch jeder ohne ausreichende Qualifizierung tätig werden konnte. Mit strengerer Regulierung hat sich dies gründlich geändert. Nun geht es darum, die letzten Lücken zu schließen, auch und gerade bei Verbraucherschützern, findet Gastautor Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung.

„Das Imperium schlägt zurück“, titelte vor einigen Jahren die „Süddeutsche Zeitung“ in einem Bericht über Tests in Verbraucherzentralen. Der Verband unabhängiger Finanzdienstleister AfW testete mit Journalisten die Qualität der kostenpflichtigen telefonischen Versicherungs- und Finanzberatung diverser Verbraucherzentralen. Das Ergebnis war teilweise gravierend schlecht. Kein Wunder: Einige Verbraucherzentralen glauben noch heute, keine Sachkunde für die Beratung in Versicherungs- und Finanzanlageprodukten haben zu müssen, wie es die Paragrafen 34d, 34e und 34f der Gewerbeordnung (GewO) verlangen. Das „Imperium“, also die Bösen, waren laut Zeitung die qualifizierten und beaufsichtigten Finanzdienstleister, welche die Verbraucherzentralen, also die Guten, angreifen. Doppelt verkehrte Welt.

Erstaunlich ist, dass es nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 18. September 2013 (Az.: I ZR 183/12) gegen die AOK Nordost nicht auch zu einer ähnlich selt­samen­ Reaktion kam. Der AfW wollte in dem Prozess durchsetzen, dass die AOK Nordost ohne Registrierung nicht mehr private Krankenzusatzversicherungen anbietet, vermittelt oder bewirbt. Auch der BGH sah im AOK-Vorgehen einen Verstoß gegen Paragraf 34d GewO. Nach dieser 2007 eingeführten Vorschrift bedarf es zur Vermittlung privater Versicherungen einer gewerberechtlichen Erlaubnis und Registrierung bei der zuständigen IHK. Weder die AOK Nordost noch einzelne Mitarbeiter hatten jedoch eine solche Erlaubnis.

Die AOK argumentierte, außerhalb der Gewerbeordnung zu stehen. Dies ergäbe sich aus einer vorrangigen Regelung im Sozialgesetzbuch V. Der BGH sah das anders: Mit der im SGB V erlaubten Kooperation mit einem privaten Versicherer erfüllt eine gesetzliche Krankenkasse nicht ihren öffentlich-rechtlichen Versorgungsauftrag. Bei einer solchen Zusammenarbeit sind wettbewerbsrechtlich relevante Bestimmungen anzuwenden, insbesondere die gewerberechtlichen Vorschriften.

Das Argument der AOK, einen öffentlich-rechtlichen Versorgungsauftrag zu haben und nicht gewerbsmäßig zu handeln, bringen auch regelmäßig Verbraucherzentralen an, um zu begründen, warum auch sie nicht der GewO unterstehen. Die Aufsichtsbehörden sollten die angeblich fehlende Gewerbsmäßigkeit der Verbraucherzentralen nochmals prüfen. Nach dem AOK-Urteil ist die Argumentation nicht mehr überzeugend.

Derzeit gleichfalls sehr spannend ist in diesem Zusammenhang ein neues „Beratungsangebot“ der Zeitschrift „Finanztest“. Seit dem 6. Januar 2014 ist im Internet ein Versicherungscheck eingestellt, mit dem Leser aufgefordert werden, „einfach und bequem ihren Versicherungsbestand“ zu prüfen. „Erfahren Sie in wenigen Schritten, wie gut Ihr aktueller Versicherungsschutz ist und wie Sie Geld sparen können – mit dem kostenlosen interaktiven Versicherungscheck auf test.de.“ Wofür taugt eigentlich die Ausbildungs- und Weiterbildungsoffensive in unserer Branche, wenn unser Job durch ein Tool gemacht werden kann, fragte eine Maklerin dazu  in einem Onlineforum. Diverse Tests von Experten mit diesem Tool ergaben unglaubliche Defizite bereits in der Datenerhebung, von den Ratschlägen ganz zu schweigen, für die die Stiftung nicht mal haften muss.

Erstaunlich: Eigentlich sprechen sich alle – private  Versicherer, Verbraucherschützer, gesetzliche Krankenkassen, Aufsichtsbehörden und Politiker – für eine unabhängige und qualitativ hochwertige Verbraucherberatung aus. Aber laufend werden diese Aussagen konterkariert: durch Aufsichtsversagen der Bafin bei Versicherern, die illegale Vertriebswege nutzen, und Aufsichtsversagen der Industrie- und Handelskammern bei illegal agierenden Vermittlern wie AOK Nordost, Tchibo, Rewe oder Fressnapf. Die auf Kosten der Steuerzahler agierenden Verbraucherschützer demontieren sich mit Aktionen wie die der Stiftung Warentest selbst und dürften absehbar dafür auch gerichtlich angezählt werden. Ein Umdenken aller Beteiligten ist dringend erforderlich!

portfolio international 28.04.2014

 
Norman Wirth

Kommentare

Die Beratung und Tipps der VZ sind überwiegend haarsträubend und unseriös. Solche Leute haben nichts am Markt verloren. Vielen Dank Herr Wirth. Wenn ein Studierter (siehe Kommentar Herr Falken) nicht mehr kann, hat er auch nichts zu suchen am Markt.

C. Michelfelder

Ich denke, Herr Wirth sollte die Kirche mal im Dorf lassen. Während bei den Vertrieblern häufig ungelernte Mitarbeiter beschäftigt werden, und allenfalls die Magerausbildung zum Vers-Fachmann durchlaufen, sind bei den VZ zumeist studierte Leute beschäftigt. Ohne qualifizierte Aus- und Weiterbildung läuft auch dort nichts. Würden die Vermittler nur annähernd so qualifiziert sein, würden nicht die vielfältigen Missstände zu Tage treten.

Für mich, Herr Wirth, agieren Sie genau richtig. Und Chapeau für das Engagement gegen die Front, die nach dem Motto arbeitet: "Wir können das, ohne nachweisen zu müssen, ob wir es auch wirklich gelernt haben". In keinem anderen Berufsfeld gibt es so viele Menschen, die meinen, ohne Abschluss, Fachwissen, Beratung mal beispielsweise jemandem schnell einen KV-Zusatz zu erklären.

Ich stelle mich auch nicht bei einem Feuer neben den Brandmeister und lösche mit oder koordiniere den Löschzug. Jeder der eben nicht einen Sachkundenachweis. Trotzdem wird da offiziell noch immer beraten, insbesondere durch die selbsternannten Vorsorgespezialisten der VZ. Ein Unding.

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