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Vorsorge
20.01.2012

Unisex-Tarife führen zu deutlich niedrigeren Garantierenten

Neu kalkulierte Betriebsrenten für den öffentlichen Dienst zeigen die Auswirkungen der Umstellung auf geschlechtsunabhängige Versicherungen für Männer.

WIERNSHEIM/ERKRATH – Der Kommunalversicherer Bayerische Versorgungskammer (BVK) und die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) preschten bei der Einführung von Unisex-Tarifen vor, obwohl mit den Leitlinien der EU-Kommission vom Dezember vergangenen Jahres zur Anwendung des EuGH-Urteils vom 1.3.2011 eine solche Umstellung gar keine Pflicht ist und zudem in der privaten Altersvorsorge eine Übergangsfrist bis zum 21.12.2012 besteht. Beide Versorgungseinrichtungen demonstrieren damit allerdings schon jetzt, zu welch erheblichen Absenkungen der Garantierenten es im Gefolge der Unisex-Tarife für Männer kommen kann.

Bereits zum 1.12.2011 stellte die BVK neue Angebote zur freiwilligen Versicherung für Angestellte in den Kommunen vor. Die neue „Plus-Punkt-Rente“ war der erste Unisex-Tarif im öffentlichen Dienst, ist aber noch mit einem Garantiezins von 2,25 Prozent ausgestattet. Anfang Januar zog die VBL mit Angeboten zur freiwilligen Versicherung („VBLextra“) für Angestellte in Bund und Ländern nach.

Besonders drastisch fällt die Senkung der Garantierenten bei der VBL aus. Gegenüber den früheren garantierten Altersrenten mit Vertragsabschluss bis Ende 2011 machen die Kürzungen je nach Jahrgang und Geschlecht zwischen 22 und 52 Prozent aus. Bei Männern mit Geburtsjahr 1975 und einem monatlichen Beitrag von 100 Euro über 30 Jahre fällt die garantierte Altersrente beispielsweise von 352 auf nur noch 192 Euro.

Ganz offensichtlich tragen gleich drei Effekte zu dieser drastisch gesenkten Garantierente insbesondere für Männer bei: Umstellung auf Unisex-Tarif, Absenkung des Garantiezinses und Verwendung einer neuen Sterbetafel mit einer deutlich längeren Lebenserwartung. Nach Auffassung der Mathematiker Friedmar Fischer und Werner Siepe, Autoren des Buches „Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst“, hat die VBL in vorauseilendem Gehorsam die Umstellung auf Unisex-Tarife genutzt, um auch die beiden anderen Verschlechterungen bei der Betriebsrente zeitgleich durchzusetzen.

portfolio international update 20.01.2012/kmo/gcu

 
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