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Vorsorge
08.06.2017

Übungen an der gesetzlichen Rente

Professor Bernd Raffelhüschen

Am 1. Juni beschloss der Bundestag die letzten drei großen Rentengesetze dieser Legislaturperiode. Neben der Verbreitung der Betriebsrenten geht es auch um höhere Erwerbsminderungsrenten und die Ost-West-Angleichung im Bereich der Rente. Und schon wird über weitere Geschenke und Haltelinien nachgedacht. Warum kein Grund zum Feiern besteht, rechnete Professor Bernd Raffelhüschen auf dem HDI-bAV-Expertenforum 2017 nach, das ebenfalls am 1. Juni in Köln stattfand.

Die dritte Regierung Merkel in gewisser Weise auch eine Rentenreform-Regierung. Ältere Mütter, langjährige Beitragszahler und Frührentner konnten sich bereits zu Beginn der laufenden Wahlperiode freuen. Das erste Rentenpaket der Koalition bestand aus einer verbesserten Mütterrente, der abschlagsfreien Rente ab 63, Verbesserungen für Bezieher von Erwerbsminderungsrenten und aufgestockte Reha-Leistungen.

Am 1. Juni ist nun das zweite Rentenpaket der Koalition verabschiedet worden, bestehend aus Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG), einheitlichem Rentenrecht bis 2015 und neuen Rahmenbedingungen für Erwerbsminderungsrenten, die für Neuanträge eine schrittweise Anhebung der Zurechnungszeit bei der Erwerbsminderungsrente von 62 auf 65 Jahre bis zum Jahr 2024 vorsehen.

Schon das erste Rentenpaket dürfte kaum den Praxistest überstehen, und bei den nächsten Paketen sei ähnliches zu erwarten. Darauf machte Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen vom Institut für Finanzwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg auf einer bAV-Fachveranstaltung aufmerksam, für die portfolio international Medienpartner ist. Der bAV-Markt sei im Wandel und müsse im Zusammenhang mit der Alterssicherung vor allem der ersten Schicht betrachtet werden. Die SPD will bekanntlich nach der Bundestagswahl beim Sicherungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung eine Haltelinie bei 48 Prozent einziehen.

Gegenwärtig kann ein Durchschnittsverdiener im Alter knapp 48 Prozent seines letzten Durchschnittslohns erwarten, nach 2030 könnten es nur noch mindestens 43 Prozent sein. Eine Haltelinie bei 50 Prozent, wie von den Gewerkschaften gefordert, „würde eine Beitragsexplosion auf rund 24 Prozent im Jahr 2040 bewirken (derzeit 18,7 Prozent)“, betonte Raffelhüschen und nannte dies „eine Milchmädchenrechnung“.

In seinem Eröffnungsvortrag beim „HDI bAV-Expertenforum 2017“ trat Raffelhüschen angesichts einer weiter alternden Bevölkerung allen Gesetzgebungsideen zur Frühverrentung entgegen. „Wir müssen im Gegenteil länger arbeiten, aber das sagt natürlich kurz vor der Wahl kaum ein Politiker dem Wähler“, ärgerte sich der Finanzprofessor, der an der Universität zugleich als Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge agiert. Die Rente mit 63 sei an Weltfremdheit kaum zu überbieten. Tatsächlich gehe es eher um eine Rente ab 67 und noch später. Die SPD will keinesfalls eine spätere Regelaltersrente.

„Wir müssen auch mehr sparen, gerade wegen der Niedrigzinsphase“, führte Raffelhüschen weiter aus. „Um ein Nettorentenniveau von 70 Prozent zu halten, muss man etwa 5,0 bis 7,0 Prozent des Bruttoeinkommens sparen.“ Dabei könnten kostengünstige kollektive Systeme zu konkurrenzlos guten Effekten führen, zumal „der Staat der bAV die Rolle eines Ausputzers übertragen hat, weil er die Leistung der gesetzlichen Rente nicht für nachhaltig ausreichend hält“, so der Professor.

Detlef Pohl

(Bild: HDI)

Weiterführende Links:

portfolio international update 08.06.2017

 

Kommentare

24 % Beitragssatz in 2040? Da bin ich sofort dabei!

Beispiel:

Gehalt = 3.000 EUR. Das entspricht 2040 bei einer Inflation von 2% (man kann hier auch jede andere Inflationsrate annehmen) 4.730 EUR. Davon ziehe ich nun 9,35% AN-Rentenbeitrag ab. Bleiben 4.288 EUR. Aber jetzt rechne ich das Ganze mit einer Produktivitätssteigerung von 1% p.a., die an den AN voll weitergegeben wird:

Aus 3.000 EUR werden dann im Jahr 2040: 5.920 EUR. Abzüglich des erhöhten Beitragssatzes (AN-Anteil) von 12% macht: 5.209 EUR.

Ein höherer Rentenbeitragssatz ist also so lange kein Problem, so lange die jährliche durchschnittliche Produktivitätssteigerung der Gesamtwirtschaft(!) zuzügl. Zielinflationsrate an die Arbeitnehmer durch Lohnsteigerungen weitergereicht wird (goldene Lohnregel). Bleibt die Steigerung des Beitragssatzes im Schnitt unter der Rate des Produktivitätsfortschrittes, werden alle wohlhabender - auch wenn der Beitragssatz steigt.

Wichtig ist also weniger die Höhe des Beitragssatzes, sondern die Relation zur Lohnentwicklung und die Einsicht, dass eine Marktwirtschaft nur dann richtig funktionieren kann, wenn die goldene Lohnregel eingehalten wird

Abgesehen von der demographischen Bevölkerungsentwicklung muss man noch beachten das viele der zukünftigen Beitragszahler keinen durchgängingen Job haben und mittlerweile schon 30% der Neueinstellungen im Mindestlohnbereich liegen. Das bedeutet extrem schlechtere Bedingungen, die auch im o.a. Bericht noch nicht berücksichtigt sind. Resümee: Eine Rentenversicherung nach den heutigen Kriterien wird es 2050 ganz sicher nicht geben. Eine Politik, die sich darum nicht kümmert, verliert wertvolle Jahre des Gegensteuerns. Der Bürger ist sehr gut beraten, falls kein Beamter oder Politiker, sich alternativ privat oder betrieblich abzusichern. Am besten Makler, weil nur die den Markt ständig beobachten und für den Rat haften!

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