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06.10.2006

Tolle Tools auf Konversionskurs

Börsennotierte Indexfonds haben sich seit dem Jahr 2000 mit Zuwachsraten von 60 Prozent pro anno prächtig entwickelt. Die jüngste Generation der Exchange Traded Funds (ETF) hat sogar das Potenzial, den Zertifikaten am Zeug zu flicken. Allerdings haben diese Asset Allocation Tools ein Vertriebsproblem, denn hohe Provisionen sind nicht drin. Finanzdienstleistern nach Paragraf 32 KWG bieten sie jedoch eine prächtige Spielwiese.

Wenn Markus Kaiser die Entwicklung der börsennotierten Indexfonds in den vergangenen Jahren Revue passieren lässt, gerät er ins Schwärmen. Durch die immer stärkere Diversifikation des Angebots haben sich die ETF zu idealen Tools für das Asset Management gemausert. Wer als Investor unabhängig denkt, nutzt sie in zunehmendem Maß. Und dabei sehe ich uns als Vorreiter, sagt der Dachfondsmanager von der Société-Générale-Tochter Veritas.
Was den Portfoliolenker zu seinem Loblied veranlasst, zeigt der Blick auf die nebenstehende Grafik. So haben Barclays Global Investors, Indexchange Investment, Lyxor Asset Management und Konsorten allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres 61 Indexfonds an das XTF-Segment der Deutschen Börse gebracht. Dies sind mehr als in den vorangegangenen vier Jahren zusammen. Doch nicht nur dieses quantitative Wachstum ist bemerkenswert. Vielmehr haben sich die neu gelisteten ETF auch qualitativ verändert. Waren die Produktneuheiten in den Pionierjahren noch großteils Basisinstrumente, die eher biedere Indizes wie den Dax-30 oder den Euro-Stoxx-50 nachbildeten, debütieren heute vorwiegend Zusatzinstrumente mit weitaus exotischeren Underlyings an der Börse.

Börsennotierte Indexfonds haben sich seit dem Jahr 2000 mit Zuwachsraten von 60 Prozent pro anno prächtig entwickelt. Die jüngste Generation der Exchange Traded Funds (ETF) hat sogar das Potenzial, den Zertifikaten am Zeug zu flicken. Allerdings haben diese Asset Allocation Tools ein Vertriebsproblem, denn hohe Provisionen sind nicht drin. Finanzdienstleistern nach Paragraf 32 KWG bieten sie jedoch eine prächtige Spielwiese.



Wenn Markus Kaiser die Entwicklung der börsennotierten Indexfonds in den vergangenen Jahren Revue passieren lässt, gerät er ins Schwärmen. Durch die immer stärkere Diversifikation des Angebots haben sich die ETF zu idealen Tools für das Asset Management gemausert. Wer als Investor unabhängig denkt, nutzt sie in zunehmendem Maß. Und dabei sehe ich uns als Vorreiter, sagt der Dachfondsmanager von der Société-Générale-Tochter Veritas.


Was den Portfoliolenker zu seinem Loblied veranlasst, zeigt der Blick auf die nebenstehende Grafik. So haben Barclays Global Investors, Indexchange Investment, Lyxor Asset Management und Konsorten allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres 61 Indexfonds an das XTF-Segment der Deutschen Börse gebracht. Dies sind mehr als in den vorangegangenen vier Jahren zusammen. Doch nicht nur dieses quantitative Wachstum ist bemerkenswert. Vielmehr haben sich die neu gelisteten ETF auch qualitativ verändert. Waren die Produktneuheiten in den Pionierjahren noch großteils Basisinstrumente, die eher biedere Indizes wie den Dax-30 oder den Euro-Stoxx-50 nachbildeten, debütieren heute vorwiegend Zusatzinstrumente mit weitaus exotischeren Underlyings an der Börse.Da finden sich Fonds, die auf den MSCI-Aktienindizes von Schwellenländern wie Brasilien, Korea und Taiwan basieren sowie ETF auf Immobilien-, Rohstoff- oder Branchenindizes. Und auch Renteninvestoren können sich mit Produkten, denen Indizes für Corporate Bonds, Pfandbriefe oder Staatsanleihen zu Grunde liegen, mittlerweile hemmungslos aus den immer volleren Regalen der Anbieter bedienen. Allerdings taugen beileibe nicht alle Anlageklassen als Grundlage für börsennotierte Indexfonds. Wir hören von institutionellen Investoren zwar immer wieder den Wunsch nach Private-Equity- oder Hedgefonds-ETF. Je ineffizienter aber das Underlying zu handeln ist, desto schwieriger lässt es sich mit einem passiven Investmentansatz abbilden, erläutert Jan Altmann vom Strategieberater Funds@Work. Ähnliches gilt seiner Einschätzung nach für den russischen Aktienmarkt, der vergleichsweise unreguliert und außerdem über mehrere Börsen verteilt sei. Da stoßen die börsennotierten Indexfonds also an die Grenze ihres Produktuniversums.


Aber auch ohne ETF für Alternative Investments oder an den beiden größten Moskauer Handelsplätzen RTS und Micex gelistete Unternehmensbeteiligungen spielt das üppige Angebot börsennotierter Indexfonds gerade Dachfondsmanagern vom Schlage eines Markus Kaiser in die Hände. Denn im Gegensatz zu Konkurrenten wie Eckhard Sauren - selbstgewähltes Motto: Wir investieren nicht in Fonds - wir investieren in Fondsmanager! - spielt für den Veritas-Mann die Qualität des Managements bei der Auswahl seiner Zielfonds bestenfalls die zweite Geige.


Vielmehr basiert seine Investmentstrategie auf einem quantitativen Trendphasenmodell, das weltweit die jeweils attraktivsten Märkte selektieren soll. Damit haben wir ganz bewusst die Asset Allocation in den Vordergrund gerückt. Deshalb liegt auch nichts näher, als ETF einzusetzen. Denn bei passiven Indexprodukten weiß ich jeweils sehr genau, was ich bekomme. Und ver­glichen mit aktiven Fonds muss ich auch kaum Ressourcen aufwenden, um zu kontrollieren, ob der Manager mit seinen Anlageentscheidungen nicht meine Asset Allocation konterkariert, sagt Kaiser. Kein Wunder also, dass die immer breitere ETF-Palette den Dachfondsmanager begeistert. Bedeutet doch jeder neu an der Börse notierte Indexfonds vor dem Hintergrund seiner Investmentstrategie eine vergrößerte Spielwiese und erweiterte Handlungsoptionen. Je praller also das Sortiment, desto besser.


Aber nicht nur ihr ver­glichen mit aktiven Fonds und Zertifikaten hohes Maß an Transparenz macht die Produkte für den Veritas-Portfoliolenker so interessant. Daneben weiß er es als eher Trading-orientierter Investor zu schätzen, schnell auch vergleichsweise große Stückzahlen von ETF-Anteilen an der Börse erwerben und veräußern zu können. Denn in der Regel sorgen gleich mehrere so genannte Market Maker während der Handelszeiten für Liquidität und stellen damit sicher, dass Käufe und Verkäufe auch tatsächlich ausgeführt werden können.


In den insgesamt acht Dachfonds, die Kaiser für die Société-Générale-Tochter verwaltet, hält er in der Regel einen ETF-Anteil von mindestens zehn Prozent. In der Spitze bestehen die Produkte sogar aus bis zu 40 Prozent börsennotierter Indexfonds. Wie hoch die Quote jeweils ist, darüber bestimmt die Schwankungsbreite an den Finanzmärkten. Mit zunehmender Volatilität habe ich ein steigendes Bedürfnis nach Flexibilität, so der Dachfondsmanager.


  • Risikobudgets spielen eine immer wichtigere Rolle

Doch im Lager der Großanleger setzen nicht nur Dachfondsmanager mit der Investmentstrategie eines Markus Kaiser verstärkt auf ETF. Auch im Asset Management anderer institutioneller Investoren, wie Pensionskassen, Versicherungen und Versorgungswerken, finden die börsennotierten Indexfonds zunehmend Verwendung. Ganz weit oben auf den Einkaufslisten der Großanleger haben in jüngster Zeit dabei die Zusatzinstrumente gestanden.


Damit hat es den Anschein, als hätten die ersten institutionellen Investoren einen Paradigmenwechsel in ihrer Asset Allocation vollzogen. Denn bis vor kurzem galt zumindest für die sophistizierteren unter den Großanlegern noch der Grundsatz, um einen Kern aus passiven Produkten mit Anlageschwerpunkt in effizienten Märkten - wo eh kaum eine nachhaltige Outperformance zu erzielen ist - Satelliten aus aktiven Fonds mit Anlageschwerpunkt in ineffizienten Märkten wie etwa den Schwellanländern oder einzelnen Branchen zu gruppieren. Dort sollten ausgewiesene Stock Picker eine Überschussrendite erzielen und damit die Wertentwicklung des gesamten Portfolios aufpeppen. Mittlerweile allerdings setzen mehr und mehr institutionelle Investoren börsennotierte Indexfonds nicht mehr nur als Kerne, sondern auch als Satelliten ein. Die Großanleger, mit denen wir reden, sind auf der Suche nach Tool Sets. Sie wollen einen möglichst breiten Baukasten, bestehend aus aktiven und passiven Strategien, die sie zu interessanten Portfolios verknüpfen können. Und diese Vielfalt hinsichtlich Anlageklassen, Marktkapitalisierungen und Regionen entwickelt sich derzeit am Markt, sagt Murat Ünal von Funds@Work.


Einen Grund für diese Tendenz kennt Thomas Meyer zu Drewer, Leiter des deutschen ETF-Geschäfts der zum Société-Générale-Konzern gehörenden Lyxor Asset Management: Risikobudgets spielen eine immer wichtigere Rolle. Und wenn ich als institutioneller Investor schon 20 oder 30 Prozent meiner Assets dafür bereitstelle, will ich auch dort ein regelbasiertes, nachvollziehbares Produkt haben, das meine Expertise, nämlich die Asset Allocation, nicht auf den Kopf stellt. Daneben habe es womöglich auch eine Rolle gespielt, dass seit März 2000 das Cost Cutting stark in den Vordergrund getreten sei: Da wurden ganze Research-Abteilungen einfach eingestampft, und man hatte plötzlich nicht mehr die Mitarbeiter, um einzelne Aktien oder einzelne Fonds fundamental zu analysieren.


  • Großanleger knausern bei passiven Mandaten

Das immer breitere Angebot an Zusatzinstrumenten ist dabei nur ein Aspekt der Entwicklung der börsennotierten Indexfonds in der jüngsten Vergangenheit. In mehrerlei Hinsicht vielleicht noch etwas spannender ist der Trend unter den Anbietern, verstärkt so genannte Strategie-ETF auf den Markt zu bringen. Die­se Produkte basieren auf Indizes, die einen Markt nicht nach Kapitalisierungskriterien und Freefloat, sondern auf Grund von Merkmalen wie Dividendenrendite oder anhand von Stilklassifizierungen wie Growth und Value abbilden. Die Produkte, die Dividendenindizes abbilden, haben den Anfang gemacht. Das ist ein ganz klar regelbasierter Ansatz ohne jegliches aktives Management, den der Investor gut nachvollziehen kann. Solch ein Konzept lässt sich also vergleichsweise unproblematisch in einen Index transformieren. Und ich kann mir dies auch gut für ganz andere Strategien, wie beispielsweise eine Konzentration auf Unternehmen mit großen Programmen zum Aktienrückkauf vorstellen. Und das alles, ohne dass man dafür überhaupt nur ein Derivat bemühen müsste, sondern vollständig bei der einfachen Nachbildung eines Index bleibt, sagt Jan Altmann von Funds@Work.


Und die Anbieter haben gute Argumente, mit denen sie den Anlegern ihre Strategieprodukte ans Herz legen. Ein Vergleich über die vergangenen drei Jahre hinweg zeigt, dass sich die aus dem Stoxx-600 und Euro-Stoxx ausgewählten Titel für die Dividendenindizes Stoxx Select Dividend 30 und Euro Stoxx Select Dividend 30 deutlich besser entwickelt haben als die breiteren Indizes. Und das bei einer deutlich reduzierten Volatilität. Der Grund dafür liegt in der Klarheit der Kriterien, nach denen die Dividendenindizes zusammengestellt werden, nämlich fünf Jahre Kontinuität in der Dividendenzahlung und eine Ausschüttungsquote, die gleichzeitig 60 Prozent der jährlichen Erträge nicht übersteigt. Investoren können also mit ganz einfachen Mitteln ihre Portfolios risikoärmer gestalten, aber mit Blick auf die Performance weit nach vorne bringen, hebt Götz Kirchhoff, Vorstand der Hypovereinsbank-Tochter Indexchange Investment, hervor.


Ganz so altruistisch, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, ist seine Empfehlung dann aber doch nicht. Wir wissen, dass Großanleger bei passiven Produkten besonders genau auf den Preis achten. Das führt dazu, dass ein institutionelles Mandat - je nachdem, worauf es sich bezieht - zwischen vier und acht Basispunkten weggeht. Und vor dem Hintergrund dieses Preiskampfs haben sich die Anbieter börsennotierter Indexfonds auf die Suche nach margenstärkeren Produkten gemacht und dabei die Strategie-ETF entdeckt, so Murat Ünal von Funds@Work.


  • Passive wildern in den Revieren der Aktiven

Mit dem Auftreten dieser neuen Gattung haben sich einerseits die Möglichkeiten für Investoren deutlich ausgeweitet, verschiedene börsennotierte Indexfonds smart und mit Mehrwert zu kombinieren. Wie so etwas gehen kann, rechnet Indexchange-Investment-Vorstand Götz Kirchhoff vor: Banken müssen Anlagen in Unternehmensanleihen noch vollständig mit Eigenkapital unterlegen. Das wird sich zwar mit Basel II ändern. Bis dahin allerdings können Kreditinstitute das Rendite-Risiko-Profil eines Corporate Bond durch eine Kombination von Investments in einen Jumbopfandbrief- und einen Dividenden-ETF substitutieren. Zwar muss auch der Dividenden-ETF zu 100 Prozent mit Eigenkapital unterlegt werden, der Jumbopfandbrief-ETF allerdings nur zu zehn Prozent. Banken können so verglichen mit der Unternehmensanleihe ein immenses Eigenkapital freisetzen. Und das muss man noch zur Performance hinzurechnen. So funktioniert aktives Management mit passiven Produkten.


Andererseits haben sich die ETF-Anbieter mit ihren passiven Strategieprodukten in fremdes Territorium vorgewagt. Denn beispielsweise Dividenden- oder Nachhaltigkeitsfonds waren bislang ein Monopol der aktiven Vermögensverwalter gewesen. Aktive und passive Investment­ansätze scheinen zu konvergieren. Für die aktiven Asset Manager bedeutet dies eine große Herausforderung. Denn wenn ein ETF-Anbieter eine Aktienrückkauf- oder Dividendenstrategie transparent und zu einem Drittel der Kosten eines aktiven Managers darstellen kann und damit auch noch eine nachweislich bessere Wertentwicklung erzielt, werden die aktiven Vermögensverwalter möglicherweise in Erklärungsnot geraten, sagt Murat Ünal von Funds@Work.


  • Manchen ist die neue ETF-Vielfalt schon zu bunt

Doch gänzlich frei von Misstönen ist das Loblied von Anbietern, Consultants und Investoren auf die neue ETF-Vielfalt freilich nicht. So moniert etwa Strategieberater Jan Altmann den Wildwuchs, der mit dem stürmischen Wachstum der Branche in den vergangenen Jahren einhergegangen ist: Grundsätzlich wäre ein geringerer Grad an Komplexität für den ETF-Markt in Europa wünschenswert. In den USA war es ein absoluter Glücksfall, dass die Index-Provider so lange an Exklusivlizenzen festgehalten haben. Da konnte sich tatsächlich Volumen in einem Fondsprodukt ansammeln. In Europa wurde hingegen der Weg beschritten, bereits sehr früh eine Vielzahl von Lizenzen beispielsweise für den Euro-Stoxx-50 auszugeben. Der Vorteil für die Index-Anbieter lag auf der Hand: Sie konnten ihr Geschäftsrisiko aufteilen. Aber dies hat letztlich zu einer wahren Produktflut geführt, die das Geschäft nicht einfacher macht. Daher muss und wird es eine Konsolidierung geben.


Auch für Veritas-Dachfondsmanager Markus Kaiser sind etwa gleich drei auf dem Dax-30 basierende Produkte eher kontraproduktiv: Mit nur einem einzigen ETF würden die Anbieter viel eher bei mir punkten. Denn stabile Spreads und Liquidität auch in schwierigen Marktphasen wie im Mai dieses Jahres würden mein Risikomanagement doch sehr beruhigen. Ein Statement mit Bedeutung, ist doch gerade erst die ebenfalls zum Société-Générale-Konzern gehörende Lyxor Asset Management mit dem dritten ETF auf den Dax-30 an das XTF-Segment der Deutschen Börse gegangen.


Deren Deutschland-Chef Thomas Meyer zu Drewer spricht sich gleichfalls gegen eine zu starke Segmentierung der Produktlandschaft aus: Manche der Häuser hier in Europa sind sicher schon an einer Grenze angekommen, wo das Sortiment nicht mehr nachvollziehbar ist. Wo der Kunde nicht mehr den Eindruck hat, hier verstehe ich, was gemacht wird. Es ist ein Bauchladen, der vollkommen unübersichtlich ist. Allerdings besäßen kräftig wachsende Branchen eine unwiederstehliche Anziehungskraft für neue Anbieter: Da der Expansion der Branche meiner Überzeugung nach aber natürliche Grenzen gesetzt sind, werden wir in den kommenden Jahren sicherlich nicht ein kontinuierliches Wachstum von 60 Prozent pro anno sehen. Dies wird dazu führen, dass man sich von den Wettbewerbern abgrenzen will und vielleicht Ideen spielt, die meinem Verständnis nach dem ETF an sich nicht innewohnen.


  • Die Anbieter könnten an einem Scheideweg stehen

Kurioserweise hält die Branche derzeit gerade Meyer zu Drewer vor, mit seinen Ende Juni am XTF-Segment gelisteten Lyxor ETF Lev Dax und Lyxor ETF Dax plus Covered Call den althergebrachten ETF auf den Kopf gestellt zu haben. Denn bei beiden Produkten ist eine aktive Komponente direkt in den jeweils zu Grunde liegenden Index eingebaut: Beim Lev Dax ein zweifacher Hebel, beim Dax plus Covered Call eine Downside Protection. Meiner Ansicht nach müssen Strategieindizes aber rein sein. Und unsere institutionellen Investoren wollen auch Herr des Verfahrens bleiben und nicht von irgendwelchen etwa durch Derivate in den Strategieindizes ausgelösten Aktivitäten getrieben werden. Kaufe ich einen Index, der zusätzlich beispielsweise noch einen Call oder einen Put enthält, sind wir sehr nahe am Zertifikatemarkt, kritisiert Indexchange-Investment-Vorstand Götz Kirchhoff.


Wer dabei mutmaßt, dass diese aufgemotzten Indizes wohl nicht auschließlich auf eine stürmische Nachfrage am Markt zurückgehen, dürfte vermutlich nicht völlig falsch liegen. Denn natürlich hat der Index-Provider Deutsche Börse gerade angesichts der heraufziehenden Konsolidierung unter den Betreibern von Wertpapier-Handelsplätzen weltweit ein gesteigertes Interesse daran, seine Einnahmen aus der Vergabe von Lizenzen zu erhöhen. Mit ihren etablierten Indizes sind die Anbieter auf Grund der Vielzahl der bereits vergebenen Lizenzen jedoch bereits an eine Wachstumsgrenze gestoßen. Denn wenn man beispielsweise auch noch die fünfte Euro-Stoxx-50-Lizenz vergibt, dann macht das keinen Spaß mehr, da die Lizenzgebühren im ETF-Geschäft üblicherweise an die Höhe der Assets gekoppelt sind, sagt Murat Ünal von Funds@Work. Noch dazu sind in Frankfurt unglücklicherweise nur bestenfalls 200 Titel notiert, die sich als Rohmaterial für neue Indizes der Deutschen Börse eignen. Der eine Weg aus diesem Dilemma sind Produkte für Märkte außerhalb Deutschlands, wie etwa die unlängst lancierten Indizes Deutsche Börse India Index - dessen Korrelation zum indischen Gesamtmarkt allerdings gerade einmal bei 0,7 liegt und der sich böse formuliert damit vielleicht doch eher zur Diversifikation eignet - und Dax global Bric Index. Und der zweite Weg führt eben darüber, aktive Komponenten in bereits etablierte Indizes wie den Dax-30 einzubauen.


Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob sich die ETF-Anbieter in Deutschland künftig in zwei Lager teilen werden: Auf der einen Seite stünden dann Gesellschaften, die lediglich Commodities für institutionelle Investoren bereitstellen und die aktive Komponente der Asset Allocation des jeweiligen Großinvestors überlassen würden. Auf der anderen Seite befänden sich jene Anbieter, bei denen die aktive Komponente bereits in die Indizes integriert ist, die damit stärker auf den Privatanleger ausgerichtet wären und zu einem veritablen Gegner für die Zertifikatebranche heranwachsen könnten. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich künftig die Welt ungefähr nach dieser Systematik aufteilen wird, blickt Jan Altmann von Funds@Work nach vorn.


  • ABN Amro sucht das Heil in einer Doppelstrategie

Zu jenen Zertifikateanbietern, für die diese Differenzierung schon jetzt eine ausgemachte Sache ist, gehört ABN Amro. Und die Niederländer haben die ETF auch bereits als ernst zu nehmende Gegner für ihre Inhaberschuldverschreibungen wahrgenommen. Wir haben uns vor eineinhalb Jahren dazu entschlossen, die Konvergenz zwischen beiden Instrumenten nicht nur zu beobachten, sondern aktiv mitzugestalten, sagt Önder Ciftci, der für die Großbank das deutsche und österreichische Derivategeschäft leitet.


Kein Wunder also, dass ABN Amro Ende Mai den von der Investorenlegende Jim Rogers gestrickten Rohstoffindex Rogers International Commodity Index (Rici) in Form des Market Access Jim Rogers Commodity Index Fund an das XTF-Segment der Deutschen Börse gebracht hat - wohlgemerkt nachdem der Index in Zertifikate verpackt bereits seit rund zwei Jahren am Markt ist. Und wir werden dies auch mit anderen Indizes so machen, kündigt Ciftci an. Als Hauptgrund für diese Doppelstrategie nennt er das bei vielen Investoren latent vorhandene Akzeptanzproblem von Zertifikaten als Inhaberschuldverschreibungen gegenüber ETF als Sondervermögen.


  • Den ETF fehlen wichtige Vermittlungsanreize

Gemessen an den investierten Mitteln spielen Zertifikate und ETF hier zu Land allerdings noch in zwei ganz unterschiedlichen Ligen: Während sich das am heimischen Markt ausstehende Volumen in Zertifikaten Schätzungen zufolge auf 100 Milliarden bis 150 Milliarden Euro belaufen dürfte, verwalten die börsennotierten Indexfonds mit rund 13,5 Milliarden Euro deutscher Provenienz nur etwa ein Zehntel dieser Mittel. Allerdings rechnet Önder Ciftci von ABN Amro damit, dass sich dieser Abstand in den kommenden Jahren verringern wird: Wir gehen zwar davon aus, dass auch der Zertifikatemarkt künftig weiter wachsen wird. Daran gemessen werden die ETF unserer Ansicht nach jedoch überproportional zulegen. Denn gesetzt den Fall, es passiert tatsächlich einmal ein Unfall im Derivatemarkt und ein Anbieter geht in die Insolvenz, dann wird vielen Privatanlegern schlagartig bewusst werden, dass sie bei Inhaberschuldverschreibungen lediglich Gläubiger sind.


Doch bislang haben die ETF bei den Retail-Investoren noch nicht einmal ansatzweise einen Fuß in die Tür gebracht. Bisher sind börsennotierte Indexfonds auf dem europäischen Kontinent und auch in Groß­britannien überwiegend institutionell genutzt worden, während in den USA unter anderem durch die Aufnahme von ETF in die 401k-Pläne mittlerweile ein regelrechter Hype entbrannt ist, erklärt Jan Altmann von Funds@Work.


Von den rund 55 Milliarden Euro, die europaweit in börsennotierte Indexfonds investiert sind, stammen bestenfalls zehn Prozent von Privatanlegern. Die nebenstehende Grafik zeigt, wie sich diese Gelder auf die Produkte von Barclays Global Investors, Indexchange Investment, Lyxor Asset Management und Konsorten verteilen. Und ich halte es auch für relativ unwahrscheinlich, dass ETF künftig eine so breite Vermarktung im Retail-Geschäft erfahren werden - obwohl die Produkte sehr gut geeignet sind. Es sei denn, die europäi­sche Mifid-Richtlinie führt letztlich zu einer erhöhten Transparenz bei den Vertriebsgebühren für Zertifikate. Dann nähern sich die Instrumente von der Handhabung im Vertrieb sicher an. Und wenn 2008 die Abgeltungssteuer kommt, kann es durchaus sein, dass der ETF auch in dieser Hinsicht günstiger sein wird, sagt Jan Altmann von Funds@Work.


Doch auch gegenüber aktiv verwalteten Publikumsfonds haben die börsennotierten Indexprodukte derzeit noch einen veritablen Vertriebsnachteil. Den ETF fehlen die entscheidenden Vermittlungsanreize, um im breiten Geschäft mit Publikumsfonds und Zertifikaten mitmischen zu können. Selbst Produkte, die eine Derivatekomponente enthalten, sind in der Regel so gepreist, dass im Vergleich zu aktiven Fonds und Zertifikaten deutlich weniger Retrozession gezahlt werden kann. Und letztlich ist wahrscheinlich auch die Ausgestaltung des Produkts weniger attraktiv zu verkaufen als jene eines aktiv verwalteten Fonds, sagt Jan Altmann von Funds@Work. Selbst bei sophistizierteren 34c-Vermittlern, die den Löwenanteil ihrer Einnahmen nicht mit Abschlussprovisionen, sondern durch Gebühren für verwaltete Portfolios erwirtschaften, ist das Asset Management mittels ETF noch vielfach Terra incognita.


Für unabhängige Finanzdienstleister nach Paragraf 32 KWG kann die Fondsvermögensverwaltung mit börsennotierten Indexfonds aber ein wirklich interessantes Spielfeld sein, auf dem sie sich hervortun können, sagt Martin Ottmann, Leiter der Vermögensverwaltung der Weberbank. Schließlich seien die Anforderungen, die die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht etwa mit Blick auf Informationstechnologie oder Dokumentationspflichten an Vermögensverwalter stelle, enorm. Die verglichen mit aktiven Fonds einfacheren und somit rechtssichereren ETF sind vor diesem Hintergrund eine interessante Möglichkeit, sagt Ottmann.


Dabei müssten sich Finanzdienstleister ihren Kunden allerdings mit einem Beratungsansatz nähern und gemeinsam mit ihnen eine etwa an Risiken orientierte strategische Asset Allocation definieren, die anschließend mittels börsennotierter Indexfonds umgesetzt werde. Diese Finanzdienstleister müssten dann zwar in den sauren Apfel nur geringer oder gar keiner Bestandsprovisionen beißen und sich allein mit den Beratungsgebühren abfinden. Allerdings können sie mit dem Verkauf von Wissen, Strategie und Betreuung auch Kunden langfristig an sich binden, betont Ottmann.


Jörg E. Jäger

 
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