KÖLN – Im Marktdurchschnitt fällt die laufende Verzinsung von Lebens- und Rentenversicherungen erstmals unter die 4-Prozent-Marke und damit auf den historisch niedrigsten Stand. Der Durchschnitt über alle untersuchten Tarifgenerationen und Produktarten geht um 15 Prozentpunkte auf 3,94 Prozent zurück, ergab die „Überschussstudie 2012“ der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur, deren Ergebnisse gestern am Donnerstag vorgestellt wurden.
Die Ergebnisse decken sich nahezu mit denen des Branchendienstes Map-Report, der für die kapitalbildende gemischte Lebensversicherung (KLV) 3,91 Prozent und damit 16 Basispunkte weniger als 2011 ermittelt hatte (siehe frühere Meldung unten). Assekurata hat 67 Anbieter in die Studie einbezogen, bei Map-Report waren es 60.
„Die Kapitalmarktverwerfungen, das heißt Niedrigzinsen und Bonitätsverschlechterungen bei Rentenpapieren, machen sich auch in der Überschussbeteiligung der Kunden bemerkbar“, stellt Geschäftsführer Reiner Will fest. Die Verzinsung für Privatrenten – wichtigste Tarifart im Neugeschäft – fällt auf 3,91 Prozent (2011: 4,07 Prozent). Der Abwärtstrend hat sich beschleunigt: Bei der Privatrente fällt er um 0,16 Prozentpunkte, gegenüber 0,11 Prozentpunkten im Vorjahr. Insgesamt haben 50 Unternehmen und damit sieben mehr als 2011 ihre Deklaration bei der Privatrente gesenkt. Nur die Deutsche Ärzteversicherung erhöhte ihre Deklaration leicht auf 4,05 Prozent im Neugeschäft. Bei insgesamt 13 Gesellschaften bleibt der Zins 2012 unverändert.
Unter Berücksichtigung aller deklarierten Komponenten entwickelt sich die Überschussbeteiligung generell rückläufig. Die arithmetischen Mittelwerte sinken zwischen 0,07 (Riester-Rente) und 0,20 Prozentpunkte (KLV). Im Schnitt bekommen die Versicherten 2012 in der KLV 4,73 Prozent Gesamtzins und bei der Privatrente 4,66 Prozent. Die Riester-Rente bringt 4,49 Prozent Gesamtzins, die Basisrente 4,66 Prozent. Falls die Prognosen aus der unverbindlichen Beispielrechnung vollständig aufgehen, können Kunden eine so genannte illustrierte Beitragsrendite von durchschnittlich 3,66 Prozent erwarten – unter Berücksichtigung aller deklarierten Überschussanteile 2012. Im Vorjahr lag das arithmetische Mittel noch bei 3,80 Prozent.
Spannender ist jedoch, dass den Anbietern aus der Zeit der Tarifgeneration mit 4,0 Prozent Garantiezins der anhaltende Niedrigzins am Kapitalmarkt schwer zu schaffen macht. So liegt der für die Ermittlung der Deckungsrückstellung zu berücksichtigende Referenzzinssatz 2011 laut Assekurata bei 3,92 Prozent und damit unter dem Garantiezins von seinerzeit 4,0 Prozent. Somit mussten die Gesellschaften für diese Verträge 2012 erstmals Zins-Zusatzreserven bilden.
Im arithmetischen Mittel von 54 Anbietern liegt das Verhältnis der gebildeten Zins-Zusatzreserve zur gesamten Deckungsrückstellung bei 0,24 Prozent. „Für den Gesamtmarkt entspricht dies auf Basis der Geschäftsdaten 2010 einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro – das sind etwa 10 Prozent des erwirtschafteten Rohüberschusses“, berichtet Will. Kritisch in dieser Situation sei, dass die Talsohle ebenso wenig erkennbar ist wie ein Wechsel bei der Politik des billigen Geldes.
(Die Assekurata-Studie kann im Internet bestellt werden und kostet je nach gewünschtem Datenumfang zwischen 199 und 429 Euro.)
portfolio international update 27.01.2012/dpo/gcu




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