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Vorsorge
23.01.2012

Swiss Life hält klassische Lebensversicherung für überholt

Der Lebensversicherer will immer stärker Garantien aus den Deckungsstöcken an die Kapitalmärkte verlagern.

BERLIN – Der deutsche Lebensversicherungsmarkt alter Machart ist ausgereizt. „Die Kapital-Lebensversicherung, wie wir sie aus den vergangenen 50 Jahren kennen, wird es künftig kaum noch geben“ sagt Klaus Leyh, Chief Executive Officer (CEO) der Niederlassung Deutschland der Swiss Life AG. Leyh beobachtet eine zunehmende Konzentration des Marktes, in dem die Zahl der Anbieter seit dem Jahr 2000 von 111 auf 94 geschrumpft ist. Zeitgleich wuchs seither der Marktanteil der besten Zehn laut Leyh von 46 auf 52 Prozent.

Die Branche stehe vor gewaltigen Herausforderungen. Leyh nannte in diesem Zusammenhang neben dem abgesenkten Garantiezins auch die demnächst höheren Eigenkapitalanforderungen. Hinzu kämen demografische Aspekte, wie eine steigende Lebenserwartung, die sich in der Kalkulation niederschlagen müsse, und ein hoher Anstieg auslaufender Policen.

Das Eigenkapital der Swiss Life Deutschland sei seit dem Jahr 2000 um nahezu das Vierfache auf rund 300 Millionen Euro angewachsen. Endgültige Zahlen zeige die Bilanz 2011, die die Muttergesellschaft Ende Februar in Zürich vorlege. Klar ist: Die Münchener Niederlassung muss vorsichtiger agieren als manch deutscher Wettbewerber. „Wir werden schon seit Anfang 2011 dem Swiss Solvency-Test unterzogen“, sagt der CEO. Das heißt, das Unternehmen praktiziert bereits entscheidende Elemente des Regelwerkes, das ab den Jahren 2013/2014 als „Solvency II“  in Kraft treten soll. Dies betrifft etwa die Bewertung der Kapitalanlagen, das Durchspielen unterschiedlicher Kapitalmarktszenarien, Eigenkapitaldeckungen und Immobilienbewertungen.

Bei Swiss Life haftet das Schweizer Stammhaus für die deutsche Niederlassung mit. „Daher ist die Gruppensolvabilitäts-Quote Solva I für uns maßgeblich“, erläutert Leyh im Interview mit portfolio international. „Mitte 2011 betrug diese Quote 177 Prozent.“ Wettbewerber wie Generali mit 141 Prozent oder die französische CNP mit 113 Prozent schnitten deutlich schlechter ab, während Allianz und Axa vergleichbar mit Swiss Life dastünden.

Um einen zukunftsfähigen Altersvorsorgeanbieter für sich und die Kunden zu qualifizieren, müssten Vertriebe, bei denen Swiss Life zu 73 Prozent auf Makler und Mehrfachagenten baut, auf mehr als eine einzige Kennziffer schauen. „Die Lebensversicherung hat nur Zukunft, wenn sie sich auf Fondsprodukte fokussiert und Garantien aus den Deckungsstöcken an die Kapitalmärkte verlagert“, sagt Leyh. Andere Anbieter, die traditionell sehr kostengünstig arbeiten, wie Huk-Coburg, Cosmos, Hannoversche oder Debeka, setzen weiter auf Deckungsstock-Garantien.

Swiss Life sieht für sich in sogenannten Variable Annuities (VA) einen Ausweg, um Garantien über den Kapitalmarkt zu finanzieren. Diese speziellen Fondspolicen mit Garantie sind deutschen Anbietern noch nicht erlaubt, werden aber hierzulande von Auslandstöchtern internationaler Anbieter, wie Allianz, Axa, Canada Life, Ergo, Friends Provident, Zurich, Swiss Life und R + V, vertrieben. „Neben dem Know-how muss man bei VA auch das Kreuz haben, die Preise für die Garantien anzupassen, wenn sich die Märkte ändern“, sagt Leyh. Das wird nicht allen Kunden und Maklern gefallen, „aber die Entwicklung der Kapitalmärkte muss hier einfach berücksichtigt werden“.

Den Umbruch werden nach Ansicht des Swiss-Life-Deutschland-Chefs nicht alle Versicherungen ohne Probleme hinbekommen. „Da sind auch gesetzliche Änderungen denkbar, wie die Einführung zeitlich begrenzter Garantien“, meint Leyh. Da in der Lebensversicherung das größte Risiko die Langlebigkeit sei, „ist die größte Belastung umso mehr die Länge und die Höhe der Garantie“. Damit werden „auch andere Garantieformen, zum Beispiel ein Staffelzins, relevant“. Denn auf der Kapitalanlageseite „kann das Risiko nicht adäquat abgebildet werden“. Durationssteuerung sei eine Kunst, die wegen des Niedrigzinses kaum noch dauerhaft beherrschbar sei.

Fazit: „Dieses und nächstes Jahr besteht die größte Herausforderung für die Branche darin, die Kombination der Faktoren Euro-Krise, Niedrigzins und regulatorische Änderungen zu beherrschen“, sagt Leyh. Dabei seien kundenorientierte Makler gut beraten, „bei der Auswahl ihrer Versicherungspartner mehrere Kriterien anzulegen, um eine Risikodiversifizierung zu erreichen“. Die Anbieter sollten nicht nur auf ihr Produkt-Know-how geprüft werden, sondern auch auf Finanzstärke, Service-Orientierung und Solidität der Kapitalanlage.

portfolio international update 23.01.2012/dpo/gor

 
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