„Für den Retail-Markt, auf den sich der Berliner Standort bislang fokussiert hat, ist kein Neugeschäft geplant.“ Mit dieser Erklärung steigt die Skandia, einer der prominentesten Anbieter und bereits seit 1991 am deutschen Fondspolicenmarkt aktiv, „noch in diesem Jahr“ aus dem Breitengeschäft der fondsgebundenen Altersversorgung aus.
Begründet wird dies als Konzentration der Old Mutual Gruppe, zu der Skandia gehört, auf vermögende Privatkunden. Im Januar waren die zur Gruppe gehörenden Skandia-Gesellschaften in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien und Polen zur neuen Geschäftseinheit Old Mutual Wealth Management Europe zusammengeführt worden.
Die Zentrale wird künftig in Luxemburg sein. Ein neuer Standort in Stuttgart soll sich auf die Umsetzung des neuen Geschäftsmodells für den deutschen Markt konzentrieren. Dort stehen die Positionierung als Investmentspezialist und der Bereich der Einmalbeiträge im gehobenen Privatkundensegment im Vordergrund.
Für Berlin bleiben der Service und die Verwaltung für etwa 360.000 Bestandskunden übrig. Dem Standort droht wohl ohne Neugeschäft mittelfristig die Schließung, auch wenn Skandia betont: „Der Standort Berlin wird bestehen bleiben und weiterhin Service- und Verwaltungsleistungen in gewohnt hoher Qualität gewährleisten“.
Als Zielgruppe des gehobenen Privatkundensegments sieht Skandia in Deutschland rund elf Millionen Anleger mit mehr als 1,6 Billionen Euro an liquiden Mitteln. „Über Personalentscheidungen können wir noch keine Auskunft geben“, heißt es. Es dürften jedoch, wie häufig in den vergangenen Jahren, Entlassungen geben: „Die Aufgaben der Bestandsverwaltung in Berlin und der Umsetzung des neuen Geschäftsmodells am neuen Standort werden sowohl aktuelle als auch neue Verantwortliche übernehmen“, heißt es weiter.
Im Zuge der Neuausrichtung setzt Skandia auch „auf alternative Vergütungsmodelle“. Dabei sollen die Kosten für die Beratung gleichmäßiger über die Laufzeit verteilt werden. Ab 2013 werden nur noch Bestandspflegeprovisionen vergeben, heißt es auf Nachfrage von portfolio international update. Eine Zillmerung von Verträgen werde es nicht mehr geben. Konkrete Angaben zum neuen Vergütungsmodell könne man „zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht machen“.
Offenbar will das Unternehmen künftig ausschließlich auf Qualitätsvermittler und nachhaltige Beratung setzen. Ob dies ausgerechnet mit fondsgebundenen Lösungen gelingt, bleibt abzuwarten. Die Anbieter fondsgebundener Altersvorsorge leiden seit der Finanzkrise besonders unter dem Vertrauensverlust der Kunden.
portfolio international update 15.06.2012/dpo/gor





Deutsche Bank / Realtime Indikation
Kommentare
Unsere aktuelle Studie bei Privatkunden und Maklern bestätigt tatsächlich die hohe Sicherheitsorientierung der Deutschen, wenn sie Produkte für die private Altersvorsorge suchen und abschließen. Etwas mehr als die Hälfte der befragten Klein- und Mittelgroßen Maklerbüros vermittelt immerhin fondsgebundene pAV-Produkte (http://research.yougov.de/services/kunden-und-maklererwartungen-die-neue-generation-d/)