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Vorsorge

15.07.2013

Selbstmedikation gescheitert – Geschäftsmodell der PKV auf der Kippe I

Teure Aufwertung der PKV
Die private Krankenversicherung kämpft mit dem Schwund der Vollversicherten, einkommensschwachen Kunden, Querschüssen aus den eigenen Reihen, schlechtem Image und Angriffen der Politik auf ihr Geschäftsmodell. Lichtblicke bieten Zusatzversicherungen – die Zukunft der Branche, Teil I.

Herbst 2014: Bundesgesundheitsministerin Andrea Nahles (SPD) bringt den Entwurf des Bürgerversicherungsgesetzes und die Verordnung zur Überführung der Altersrückstellungen der privaten Krankenversicherung (PKV) in den Gesundheitsfonds der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab 2015 auf den Weg. Der Koalitionspartner CDU stimmt zu, wenn auch lustlos. So albträumen derzeit PKV-Vorstände.

Gut zwei Monate vor der Bundestagswahl ist die Zukunft für die PKV so unklar wie selten zuvor. Das einst überbordende Selbstbewusstsein der Branche hat sich verflüchtigt. Es ist erst wenige Jahre her, da ließ die PKV keine Gelegenheit aus, um auf der GKV herumzuhacken. Die Kassen waren in der PKV-Argumentation immer diejenigen, die nicht wirtschaften können, die ihren Patienten immer weniger Leistungen bieten, die die Beiträge erhöhen, die die freiwillig Versicherten hinter der Hürde der Pflichtversicherungsgrenze einsperren, die auf Kosten künftiger Generationen heute das Geld zum Fenster rauswerfen, die Ärzte und Kliniken an der kurzen Leine halten.

Im Gegensatz dazu pflegte die PKV das Selbstbild als bessere Art der Krankenversicherung – mit höheren Leistungen, mit niedrigeren Beiträgen, als Finanzierer von Spitzenmedizin, als Krösus des ganzen Gesundheitssystems, ohne den die Leistungserbringer finanziell auf dem Trockenen sitzen würden, und – dank der Alterungsrückstellungen – gefeit gegen die Tücken der Demografie. Das Kapitaldeckungsprinzip galt als deutlich überlegen, das Umlageverfahren der GKV als Auslaufmodell.

PKV-Propaganda als Bumerang

Ihre Propaganda fiel der PKV bald auf die Füße. Drei Börseneinbrüche und eine Finanzkrise später ist der Lack ab vom Kapi­tal­deckungsverfahren. Manche Versicherer schafften den Rechnungszins von 3,5 Prozent nicht mehr. Die PKV-Propaganda roch zunehmend nach „Zweiklassen-Medizin“,  und dieses Image kann sich die PKV im Neidland Deutschland nicht leisten.

Als die gesetzlichen Kassen mit dem verfemten Gesundheitsfonds nicht wie erwartet reihenweise pleitegingen, mit dem Rückenwind der zunehmenden Beschäftigung plötzlich Überschüsse erwirtschafteten und mit dem Segen der letzten Gesundheits­reformen durch Erstattungs- und Wahltarife auch noch in PKV-Revieren wilderten, war die Welt der Privaten in Unordnung geraten.  Und als in Medien auch noch Berichte erschienen, dass viele PKV-Tarife nicht an die Kassenleistungen heranreichen, war es vorbei mit dem Seelenheil der PKV.

Das Dilemma hatte sich die PKV selbst eingebrockt. Sehr gelitten hat der Ruf infolge der Provisionsexzesse. Die Branche war nicht in der Lage, das Problem selber zu lösen, sondern musste beim Gesetzgeber einen Deckel erbitten. Seitdem steht sie für die hässlichen Seiten des Provisionsvertriebs.
Auch der Vertrieb von Billigtarifen mit Leistungen deutlich unter Kassenniveau hat den Nimbus von der Premium-Absicherung nachhaltig ruiniert. Zwangsläufig werden da Beitragssteigerungen fällig. Zwar haben einige große Versicherer den Vertrieb von Billigtarifen eingestellt. Die Hanse-Merkur reüssiert damit aber und ist mit dieser Masche gar der am schnellsten wachsende Krankenversicherer.

Die PKV bringt mit ihren neun Millionen Kunden, das sind elf Prozent aller Versicherten, 25 Prozent aller Arzthonorare auf. Doch das PKV-Prinzip nährt auch schäd­liche  Elemente im Gesundheitswesen. Denn die Überzahlungen von Leistungen für Privatversicherte fördert Korruption: Ärzte rechnen Standardfälle als Problemfälle ab oder stellen nicht erbrachte Leistungen in Rechnung. Chefärzte schreiben lediglich die Liquidationen, haben den Patienten aber nicht selbst behandelt. Pharmaunternehmen entwickeln „neue“ Medikamente, deren einzige Innovation im Marketing und im Spitzenpreis steckt, und Apotheker mixen Infusionen für Krebspatienten, die Privatversicherte nur zu Mondpreisen erhalten.

Besser, aber noch nicht gut genug
Die von der Europäischen Union verordnete Einführung von Unisextarifen hat der PKV den Start in eine völlig neue Produktwelt ermöglicht. Die Branche hatte sich auf Mindestleistungen verständigt, um dem Vorwurf zu entgehen, viele ihrer Tarife ereichten nicht einmal Kassenniveau. Die meisten Unternehmen senkten den Rechnungszins von 3,5 auf 2,75 Prozent, neue Sterbestatistiken wurden berücksichtigt, Beitragsanpassungen wurden nachgeholt und Risikoreserven eingebaut. Das erste Urteil der Vertriebe lautete: Mit den neuen Unisex­tarifen sind die Vollversicherungen zwar teurer, aber deutlich besser geworden.

Genauer untersucht hat das die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur mit der Studie „Unisextarife in der PKV – Erfüllt die PKV Mindestanforderungen?“. Gecheckt wurden Vollversicherungen von 25 Gesellschaften mit einem Marktanteil von knapp 95 Prozent in den drei gängigen Segmenten Einsteiger-, Komfort- und Luxusschutz. Im Mittelpunkt standen die problematischen Leistungspunkte „ambulante Psychotherapie“, „offener Hilfsmittelkatalog“ und „Entziehungsmaßnahmen“. Das Urteil von Assekurata: Auch bei den neuen Unisextarifen reicht die Mehrzahl immer noch nicht an das Leistungsniveau der GKV heran.

Hans Pfeifer
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