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Vorsorge
04.03.2015

Schrottpapiere für die Altersvorsorge?

Carsten Zielke

Die Niedrigzinsphase fordert ihren Tribut bei den Lebensversicherern: Die laufende Gesamtverzinsung beträgt im Schnitt nur noch 3,2 Prozent. Händeringend wird nach lukrativen Anlageklassen gesucht. Die europäische Versicherungsaufsicht hat sogar Anreize geschaffen, damit Versicherer mehr von den umstrittenen Kreditverbriefungen kaufen – ein Skandal.

Die Meldung Ende November mutete wie ein verfrühter Aprilscherz an: Die Versicherungsaufsicht erleichtert den Versicherern Investitionen in die umstrittenen Kreditverbriefungen. Solche Asset Backed Securities (ABS) waren ein Auslöser der Finanzkrise. „Schrottpapiere für die Altersvorsorge“, titelte daraufhin die Frankfurter Allgemeine. Klar ist: Mit ihren Regeln können die Aufsichtsbehörden Geldströme in eine politisch gewünschte Richtung steuern. Dabei kam es zuletzt zu skurrilen Entscheidungen. Zunächst signalisierte die Europäische Zentralbank (EZB), dass sie bereit ist, ABS-Papiere vom Markt zu nehmen, genauer: aufzukaufen.

Dahinter steckt wohl der Wille, Banken von ihren Lasten zu befreien, die Wertverluste bei Kreditverbriefungen nun einmal bedeuten. „Aber nicht nur die EZB soll diese Papiere kaufen, sondern auch die Versicherer“, kritisiert der Investmentfachmann und Versicherungsökonom Dr. Carsten Zielke, Gründer der Zielke Research Consult GmbH in Aachen, der früher als Analyst für die West-LB gearbeitet hat und die Anlagepolitik der Versicherer beobachtete.
Für diese These spricht eine bislang kaum beachtete Entscheidung der europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa. Sie hat in ihren Leitlinien („delegated acts“) zu den neuen Solvenzregelungen für Versicherer – Solvency II genannt – die für jede Kapitalanlage von Versicherern erforderliche Unterlegung mit Eigenmitteln gerade für ABS-Papiere reduziert.

Damit ist für die Versicherer ein Anreiz gesetzt worden, solche als toxisch verschrienen Kreditverbriefungen für die Altersvorsorge zu kaufen (siehe auch Tabelle). Das ist ein handfester Skandal, denn die Behörde soll eigentlich darüber wachen, dass die Lebensversicherer die Leistungen für ihre Kunden jederzeit sicher bezahlen können. Nun ermuntert die Eiopa die Versicherer praktisch zum Gegenteil. Zielke kritisiert, dass „für verbriefte Kredite von schlechterer Bonität als ‚A‘ maximal 3,0 Prozent Risikokapital pro Laufzeitjahr hinterlegt werden muss – also auch für Schrottpapiere“. Zum Vergleich: Für BBB-Anteile waren laut Zielke im letzten Frühjahr noch 8,5 Prozent Risikounterlegung nötig. Während bei Aktien und Infrastrukturinvestments nach wie vor 49 Prozent Risikokapital vorgehalten werden müssen, um Verluste ausgleichen zu können, werden Kredit- und Zinsrisiken inzwischen untertrieben dargestellt.

Bankrisiken auf Langfristsparer abgewälzt
Da die Bankenregulierung („Basel III“) schon festgezurrt ist, Solvency II aber noch nicht ganz, „möchte man jetzt die größte Kapitalsammelstelle Europas – oder auch das Ersparte­ – mobilisieren, um die Kreditvergabe gerade in Südeuropa wiederzubeleben“, mutmaßt Zielke. Solvency II sollte eigentlich ein Rechenwerk werden, das die Risiken jedes Versicherers realistisch abbildet. Aber je weiter die Zinsen nach unten gingen, desto mehr wurden künstliche Annahmen in die Modellrechnung eingebaut, um noch akzeptable Solvenzquoten zu erreichen, weiß Zielke. So wird noch immer ein langfristiger risikoloser Zins von 4,2 Prozent unterstellt, obwohl es für zehnjährige Bundesanleihen derzeit nur 0,3 Prozent Zins gibt (Stand: 5. Februar 2015). „Ich sehe die Gefahr, dass hier Bankrisiken auf die Versicherer und damit auf die langfristigen Sparer abgewälzt werden“, warnt Zielke und schlussfolgert: „Damit wird die deutsche Altersvorsorge – begleitet vom Niedrigzinsniveau – zunehmend zum Unsicherheitsfaktor.“

 
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