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Vorsorge
03.03.2016

Schäden durch Demenzkranke: versichert oder nicht?

Gehirn gesund und krank

Mit steigender Lebenserwartung wächst auch die Zahl der Demenzkranken. Das ist nicht nur ein Problem für die Betroffenen und ihre Angehörigen, sondern auch für die Versicherungswirtschaft. Je nach Versicherungsart gelten unterschiedliche Regeln für die Leistungsregulierung.

Bei der Demenz handelt es sich um die Einschränkung der kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten eines Menschen. Die bekannteste und am häufigsten auftretende Form ist die Alzheimer-Erkrankung. Der Statistik zufolge werden gut ein Drittel aller Männer und gut die Hälfte der Frauen, die das 65. Lebensjahr erreichen, im Laufe ihres Lebens dement. Unter den 150 neuen Pflegefällen, die in Deutschland täglich registriert werden, sind rund 110 Demenzkranke. Das Problem wächst, je älter die Menschen werden, denn mit zunehmendem Alter steigt das Demenzrisiko. Nach Schätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft wird die Anzahl der Demenzkranken von heute rund 1,5 Millionen auf 3,02 Millionen im Jahr 2050 steigen. Damit wächst die Anzahl der Dementen ungefähr doppelt so schnell wie die Anzahl der Pflegebedürftigen allgemein, und sie stellen drei Viertel der im Jahr 2050 voraussichtlich vier Millionen Pflegebedürftigen.

Damit stellt sich auch immer öfter die Frage, wie Schäden, die durch Demenzkranke verursacht werden, von den Versicherern behandelt werden. Am bedeutendsten ist das Haftpflichtrisiko. Demenzkranke können, ähnlich wie Kinder unter sieben Jahren, als nicht deliktfähig gelten. Dann würde die gesetzliche Schadenersatzpflicht und damit auch die Leistungsverpflichtung der privaten Haftpflichtversicherung entfallen.

In der Praxis wird es meistens Streit darüber gehen, ob der Schadenverursacher tatsächlich deliktunfähig war oder nicht. Das hängt von der Schwere der Demenz ab. „Eine Demenz führt nicht automatisch zur Deliktsunfähigkeit“, sagt Peter Graß, Experte für Haftpflichtversicherungen beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Wichtig ist deshalb, dass überhaupt eine Haftpflichtversicherung besteht. Sie prüft im Schadenfall, ob der demente Verursacher deliktunfähig ist oder nicht. Sie wird unberechtigte Ansprüche abwehren oder berechtigte bezahlen.

Immer mehr Versicherer nehmen neuerdings die Mitversicherung von Schäden durch deliktunfähige Kinder in den Versicherungsschutz auf, bei deliktunfähigen Dementen ist das noch selten. Jetzt hat die Gothaer den Versicherungsschutz generell auf deliktunfähige Personen ausgedehnt. Damit sind Betroffene und Angehörige auf der sicheren Seite.

Demenzkranke sollten sich zwar nicht ans Steuer eines Kraftfahrzeugs setzen, tun sie es trotzdem, ist der Schaden nicht mehr weit. „Eine Demenzerkrankung des Schadenverursachers hat auf eine Entschädigung des Unfallopfers durch den Kfz-Versicherer keinen Einfluss. Ob der Versicherer seine Leistung vom Schadenverursacher zurückfordern kann, hängt dann von den Umständen des Einzelfalls ab“, erklärt Armin Eckert, Experte für Kfz-Versicherungen bei der Gothaer.

Das Unfallrisiko von Demenzkranken steigt. Zunächst leistet die private Unfallversicherung, wenn sie sich dabei so sehr verletzen, dass Spätfolgen entstehen.  Anders sieht es aus, wenn man sich bereits in einer der offiziellen Pflegestufen befindet, so die Gothaer.  Ab Pflegestufe II zähle man bei fast allen Unfallversicherern zum Kreis der sogenannten nichtversicherbaren Personen. Die Unfallversicherung greife in solchen Fällen nicht mehr.

Auch am Hausrat können Demenzkranke Schäden anrichten. „Wenn Demenzkranke vergessen, bei Regen das Fenster zu schließen oder beim Verlassen des Hauses abzusperren, ist der Hausrat gefährdet. Rechtlich gesehen wird eine Demenzerkrankung aber nicht als sogenannte Gefahrenerhöhung gesehen und hat deshalb grundsätzlich keinen Einfluss auf die Hausratversicherung“, erklärt Petra Schindler, Expertin für Hausratversicherungen bei der Gothaer. Dennoch würden natürlich dieselben Bedingungen wie für jeden anderen auch gelten: Stand beispielsweise bei einem Einbruch mit Diebstahl die Haustür offen, gebe es oft nicht den vollen Ersatz für die gestohlenen Gegenstände. Daher sollten Angehörige sich überlegen, zu welchem Zeitpunkt es für den Erkrankten zu unsicher wird, allein zu wohnen und professionelle Betreuung nötig ist.

Melden müssen Betroffene und deren Angehörige eine Demenzerkrankung bei den Versicherungsunternehmen nicht. Es besteht kein Einfluss auf den Versicherungsschutz oder den Beitrag, sagt die Gothaer. Auch gekündigt werden könne der Vertrag nicht. Anders verhalte es sich, wenn  eine Versicherung neu abgeschlossen werden soll. Eine Frage nach einer Demenzerkankung müsse wahrheitsgemäß beantwortet werden, sonst sei der Versicherungsschutz gefährdet. Da die meisten Versicherungen in der Regel aber schon in jungen Jahren abgeschlossen werden, stelle sich das Problem normalerweise nicht.

Hans Pfeifer

(Bild: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, © Prof. Konrad Maurer)

Weiterführende Links:

Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Rechtliche Fragen bei Demenzerkrankungen

Ratgeber der Bundesgesundheitministeriums zur Demenz

Versicherungswirtschaft zum Haftpflichtschutz für Demenzkranke
 
portfolio international update 03.03.2016

 
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