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Vorsorge

23.06.2014

Rollende Datenschleudern I

Seit Anfang des Jahres ist in Deutschland der erste Telematiktarif in der Kfz-Versicherung auf dem Markt. Doch die Branche zögert noch. Sie fürchtet, dass die Telemetriedaten zur alleinigen Beute der Kfz-Hersteller werden könnten. Fest steht, dass Telemetrie das Autofahren und die Kfz-Versicherung verändern wird. Teil I

Die Sparkassen Direktversicherung AG ist der Zeit etwas voraus. Sie hat zum 1. Januar 2014 als erster deutscher Versicherer einen Telematiktarif eingeführt. Neben der automatischen Benachrichtigung eines Rettungswagens im Fall eines schweren Unfalls bietet der Tarif eine Reihe weiter Leistungen. Der Fahrer bekommt ein Feedback zu seinem Fahrverhalten; fährt er vorschriftsmäßig, wirkt sich das mit einer Prämiensenkung aus. Außerdem beinhaltet die Technik eine Wiederfindefunktion – allenfalls wichtig bei Diebstahl oder für leicht „tütelige“ Rentner, die sich nicht mehr erinnern können, wo sie den Wagen abgestellt haben.

Voraus ist der Direktversicherer der Sparkassen deshalb, weil die Technik dazu heute in die meisten Autos erst noch eingebaut werden muss. Das wird sich ändern, denn in absehbarer Zeit wird sie in jedem Neuwagen schon drin sein. Ab Oktober 2015 – so will es die EU-Kommission – sollen alle neuen Pkw mit einem automatischen Notrufsystem – emergency call, kurz „eCall“ genannt – ausgerüstet werden. Bei der eCall-Technik handelt es sich im Wesentlichen um ein im Auto eingebautes Mobil-Telefon, das im Falle eines schweren Unfalls automatisch die Notrufnummer 112 anruft und eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale herstellt. Sie teilt auch Daten über den Unfallort, den Unfallzeitpunkt, den Fahrzeugtyp und die Fahrtrichtung mit. Nach Ansicht der EU-Kommission könnte es mit der neuen Technologie in Europa jährlich 2.500 Unfalltote  weniger geben, weil die Rettungskräfte schneller vor Ort sein werden. 

So weit, so edel die Motive. Doch der vermeintliche technische Fortschritt hat eine Kehrseite. Ist die Technik einmal eingebaut, ließe sich damit noch viel mehr anstellen, so das Kalkül von Kfz-Herstellern, Polizei, Versicherern, Abschleppdiensten, Reparaturbetrieben und Ersatzteilherstellern (siehe Kasten). Die neue Technik könnte Daten über die Zustand, die Funktionstüchtigkeit und den Verschleiß von Bauteilen liefern. Das interessiert die Kfz-Hersteller und die Werkstätten. Wenn eine Batterie schlapp zu machen droht, käme der Anruf von der Werkstatt mit dem Angebot zum Austausch schon bevor der Wagen nicht mehr anspringt. Die Werkstatt stünde beim Autofahrer prophylaktisch auf der Matte, ehe die Bremsen abgenutzt sind oder der Auspuff durchgerostet ist. Und bei einer Panne oder einem Unfall dürften sich Flotten von Abschleppwagen in Bewegung setzen, sobald bei den Unternehmen die Meldung über den Standort des Havaristen eingegangen ist. 

Damit nicht genug. Die Technik liefert auch Daten über die Fahrweise des Autofahrers. Versicherern fiele es künftig deutlich leichter, beispielsweise ein Mitverschulden des Autofahrers nach einem Unfall nachzuweisen, sobald er auch nur geringfügig zu schnell gefahren ist. Für die Polizei wäre die Technik eine Daten-Fundgrube, ließen sich doch damit echte oder vermeintliche Verdächtige aufspüren und deren Bewegungsprofile sammeln. Nachrichtendienste würden sie ohnehin abgreifen. 

Die neue Technik hat jetzt schon eine Schlacht um die künftigen Daten eröffnet. Wer sie besitzt, hat die Macht über die Autofahrer. An der Quelle sitzen naturgemäß die Kfz-Hersteller, die die Technik einbauen und die gewährleisten könnten, dass nur sie und ihre Werkstätten in den Besitz der Daten kommen. Profitieren würde der sogenannte „Automotive Aftermarket“, das sind die Anbieter von Reparaturen, Service, Ersatzteilen und Zubehör. Raus aus dem Geschäft wären alle freien Anbieter solcher Produkte und Dienstleistungen.

 

Hans Pfeifer
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