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Ausgabe 03/2017

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Analyse
02.08.2017

Offene monetäre Finanzierung – Teufelszeug oder Geldpolitik der Zukunft?

Heinz-Werner Rapp

Ein Gastbeitrag von Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des Feri Cognitive Finance Institute und Vorstand und CIO der Feri AG

Der Beginn der großen Finanzkrise jährt sich gerade zum zehnten Mal. Im Anschluss an den Bankrott der US-Investmentbank Lehman Brothers haben die westlichen Zentralbanken ihre Geldpolitik in Dimensionen ausgedehnt, die früher als unvorstellbar galten. Durch den Ankauf von Wertpapieren und Forderungen aller Art haben speziell die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan und Bank of England und die Schweizer Nationalbank ihre Bilanzen massiv ausgeweitet. In Summe geht es um rund 15 Billionen US-Dollar, eine unvorstellbar große Zahl. Sie reflektiert neu gedrucktes Geld, dem keinerlei wirtschaftliche Mehrleistung gegenübersteht. Die Notenbanken haben damit also in knapp zehn Jahren „Vermögenswerte“ oder „Geld“ im Umfang von 15 Billionen US-Dollar aus dem Nichts geschaffen.

Das Prinzip der Fiat-Money-Geldschöpfung

Das Grundprinzip dieser substanzlosen Geldschöpfung, auch „Fiat Money“ genannt, ist zentrales Merkmal moderner Finanzsysteme. Es hat zahlreiche Vorteile, aber auch eine große Zahl langfristig sehr gefährlicher Nebenwirkungen. Zu diesen gehört vor allem das Aufblähen von Finanzblasen, wie auch im Vorfeld der Lehman-Pleite, durch exzessive Geld-und Kreditschöpfung. Sobald ein solchermaßen aufgeblähtes System kollabiert, müssen stets die Zentralbanken zur Hilfe kommen. Denn in einem hoch verschuldeten Finanzsystem sind Notenbanken die einzigen Institutionen, die aufgrund ihrer Fähigkeit zur Geldschöpfung praktisch unbegrenzt zahlungsfähig sind.

Geldpolitik auf Steroiden

Dieser Grundgedanke prägt auch eine neue Idee, die als „OMF“ derzeit öffentlich propagiert wird. OMF steht für „Overt Monetary Financing“ und bedeutet eine direkte Übernahme von Staatsschulden oder laufender Haushaltsdefizite durch eine Notenbank. Das Problem einer zu hohen Verschuldung der meisten Industrieländer soll über eine solche offene monetäre Finanzierung elegant ausgehebelt werden, der Staat somit auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten handlungsfähig bleiben. Dieses Prinzip existiert zwar ansatzweise bereits heute, etwa in Japan. Dennoch ist dieser Gedanke äußerst beunruhigend: Im Gegensatz zum bisherigen Konzept des Gelddruckens der Notenbanken, des Quantitative Easings, das stets als indirekt und zeitlich begrenzt klassifiziert wird, hätte das OMF eine direkte und dauerhafte Wirkung. Die Notenbank würde langfristig zum größten Schuldner oder direkten Geldgeber eines Staates und seiner Regierung. Sie könnte staatliche Schulden auf unendliche Zeiten prolongieren  oder sogar für wertlos erklären und einfach ausbuchen.

Mögliche Folgen des OMF

Ein solches Vorgehen steht für die offene Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik, gezielten Missbrauch der Notenbanken für staatliche Schuldenwirtschaft und für eine zunehmende monetäre Verwässerung des Finanzsystems. Grundelemente des Geld- und Währungswesens werden ausgehebelt und mittelfristig zerrüttet. Inflation, Kapitalflucht und massiver Währungsverfall wären die möglichen Konsequenzen, wie ähnliche Episoden aus der Vergangenheit – etwa in Lateinamerika, aber auch im Deutschland der 1920er Jahre – klar belegen. Genau aus diesem Grund ist eine OMF-Politik den meisten Notenbanken bisher klar verboten.

Wird das aber ausreichen, um Experimente mit OMF in der nächsten großen Krise zu verhindern? Wohl eher nicht, wie schon die bisherigen Tabubrüche, Mandatsüberschreitungen und Rechtsbeugungen diverser Notenbanken – darunter die EZB – gezeigt haben. Zum Beispiel das monatelange Weiterfinanzieren der faktisch bankrotten griechischen Notenbank über ELA-Notkredite (Emergency Liquidity Assistance).

Ist OMF nun Teufelszeug oder doch ein innovatives Rezept zur Krisenbekämpfung? Wie bei vielen komplexen Fragen ist eine abschließende Beurteilung schwierig. Dieser Ansatz könnte – bei richtiger und begrenzter Dosierung – helfen, einen gefährlichen Systemabsturz, also eine finanzielle Kernschmelze, zu verhindern. Gleichzeitig jedoch dürfte OFM, einmal eingesetzt, zahlreiche langfristig gefährlicher Verzerrungen und Anreizwirkungen auslösen, die als „Moral Hazard“, moralische Versuchung, wiederum ein sicheres Rezept für die nächste Krise wären.

Aus heutiger Sicht besteht für Investoren zwar noch kein akuter Handlungsdruck. Dennoch sind sie gut beraten, Signale in Richtung einer OMF-Politik eng zu beobachten, zum Beispiel in Japan. Sollte eines Tages eine solche Politik flächendeckend in mehreren Staaten zum Einsatz kommen, wäre im Vorfeld eine strikt sachwertorientierte Anlagepolitik zu verfolgen.

Dr. Heinz-Werner Rapp

(Bild: Feri AG)

portfolio international 08.08.2017

 
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