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Ausgabe 03/2017

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Analyse
11.05.2017

Niedrigzins und Immobilienboom bilden brisante Mischung

City von Frankfurt am Main

Eine Immobilienblase in Deutschland kann die Bundesbank noch nicht erkennen, doch die Ampel steht auf gelb. Zunehmende Sorge bereiten zudem die Nebenwirkungen steigender Zinsänderungsrisiken.

In Deutschland gibt es entgegen mancher Schwarzmaler momentan keine Immobilienblase, die die Finanzstabilität akut gefährdet. Mit dieser guten Nachricht wartete Dr. Andreas Dombret, Vorstandsmitglied bei der Bundesbank, in seiner Rede beim gestrigen Symposium des Instituts für Bank- und Finanzgeschichte auf. Dennoch macht er sich „ernsthafte Sorgen“, wie seinem Redemanuskript zu entnehmen ist: „Die Ampel steht eindeutig auf gelb.“

Zu diesem Urteil kommt der Bundesbanker aufgrund dreier Faktoren, die er in seiner Rede beleuchtete. Erstens seien die Preise in den Städten, insbesondere in den Großstädten, zu einem guten Teil übertrieben. Seit 2010 seien diese in den 127 Städten des Indikators der Bundesbank um fast 50 Prozent gestiegen, in den sieben Großstädten sogar um mehr als 60 Prozent. „Diese Entwicklung mag teilweise fundamental-ökonomisch angemessen sein – insgesamt ist sie es aber nicht“, mahnte Dombret. Als zweiten Faktor nannte der Bundesbanker die Zunahme der Kreditvergabe, die sich nicht zuletzt auf das Niedrigzinsumfeld stütze. Drittens gibt es nach Ansicht von Dombret auch bei den Vergabestandards, die bislang noch nicht aufgeweicht seien, erste Frühindikatoren, die auf eine erhöhte Risikonahme hindeuten.

Einen wesentlichen Treiber hinter der zumindest drohenden Immobilienblase in Deutschland macht Dombret erwartungsgemäß im Niedrigzinsumfeld aus, das seitens der Bankenaufsicht besondere Aufmerksamkeit genießt. Denn eine schwerwiegende Nebenwirkung der lang anhaltenden niedrigen Zinsen sei, dass diese die Erträge von Kreditinstituten senken. „Je länger dies anhält, desto eher müssen Institute gegensteuern. Das gilt insbesondere in Deutschland, wo es sehr viele zinsabhängige Geschäftsmodelle gibt. Auch deshalb findet zum Teil eine bedenkliche Form der Gegensteuerung statt, die mit dem Schlagwort ‚search for yield‘ umschrieben wird: Institute gehen höhere Risiken ein, um sinkende Margen bei risikoarmen Geschäften auszugleichen. Dies geschieht zum Beispiel durch längere Zinsbindungsfristen oder Geschäfte mit riskanteren Adressen“, erläuterte Dombret.

Ein boomender Immobilienmarkt kommt gerade recht

Die zunehmende Risikobereitschaft führt laut dem Bundesbanker dazu, dass die Kreditinstitute in einen erhöhten Wettbewerb um rentierliche Engagements eintreten. Da könne ein boomender Immobilienmarkt gerade recht kommen – und dies könne gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen. Eine dieser Konsequenzen sei die zunehmende Anhäufung von Zinsänderungsrisiken in den Anlagebüchern der Banken und Sparkassen. „Mir als Bankenaufseher bereiten die Nebenwirkungen steigender Zinsänderungsrisiken zunehmend Sorgen. Mittlerweile hat fast die Hälfte aller Institute deutlich erhöhte Zinsänderungsrisiken – und das lässt mich aufhorchen“, so Dombret. Dass diese Zahl im vergangenen Quartal von mehr als der Hälfte auf etwas weniger als die Hälfte gesunken ist, gebe ihm jedoch Anlass zur Hoffnung, dass die Kreditinstitute dieses Risiko nun auch ernst nehmen und vorsichtig sind.

Letztendlich mahnte Dombret, nicht endlos darüber zu diskutieren, ob und in welchem Ausmaß eine Blase vorliegt. Vielmehr sollte, so gut es geht, versucht werden, dem Ernstfall vorzubeugen. Finanzinstitute seien gut beraten, weiterhin hohe Kreditvergabestandards anzuwenden und spekulative Preisentwicklungen nicht mitzutragen. Außerdem sollten sie laut Dombret durchdachte Strategien verfolgen, um ihre Ertragssituation zu stabilisieren. Dabei könne das zinstragende Geschäft auf absehbare Zeit nur eines unter vielen Geschäftsfeldern sein. Darüber hinaus müssten Strategien zum Management der Zinsänderungsrisiken vorliegen. Dombret ist überzeugt: „Die Mischung aus boomendem Immobilienmarkt und Niedrigzinsumfeld kann zu einem gefährlichen Cocktail für den Banken- und Sparkassensektor werden. Wir sind alle gut beraten, Vorsicht walten zu lassen.“

Kerstin Bendix

(Bild: Shutterstock)

Weiterführender Link:

Das Gleichnis vom Banker und Pandabär

portfolio international update 11.05.2017

 
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