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16.08.2017

Neue Ära bei der bAV beginnt I

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) installiert ein völlig neues bAV-System, verbunden mit solch gravierenden Neuerungen, wie die reine Beitragszusage („pay & forget“) und ein Zielrentensystem ohne Garantien. Der Perspektivwechsel beschäftigt die Branche massiv, zeigte sich beim „bAV-Expertenforum“ in Köln, zu dem die HDI Lebensversicherung rund 100 spezialisierte Versicherungsmakler geladen hatte. Teil I

Der Markt für betriebliche Altersversorgung (bAV) muss im Zusammenhang mit der Alterssicherung vor allem der ersten Schicht betrachtet werden. Die SPD will in der nächsten Legislaturperiode bekanntlich beim Sicherungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung eine Haltelinie einziehen. Gegenwärtig kann ein Durchschnittsverdiener im Alter knapp 48 Prozent seines letzten Durchschnittslohns erwarten, nach 2030 könnten es nur noch mindestens 43 Prozent sein. Eine Haltelinie bei 50 Prozent, wie von den Gewerkschaften gefordert, „würde eine Beitragsexplosion auf rund 24 Prozent im Jahr 2040 bewirken“, betonte Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen vom Institut für Finanzwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Derzeit sind es 18,7 Prozent.

In seinem Eröffnungsvortrag beim „HDI bAV-Expertenforum 2017“, für das „portfolio international“ Medienpartner war, trat Raffelhüschen angesichts einer weiter alternden Bevölkerung allen Gesetzgebungsideen zur Frühverrentung entgegen. „Wir müssen im Gegenteil länger arbeiten, aber das sagt natürlich kurz vor der Wahl kaum ein Politiker dem Wähler“, ärgerte sich der Finanzprofessor, der an der Universität zugleich als Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge agiert. „Und wir müssen auch mehr sparen, gerade wegen der Niedrigzinsphase“, führte er weiter aus. Dabei könnten kostengünstige kollektive Systeme zu guten Effekten beitragen, zumal „der Staat der bAV die Rolle eines Ausputzers übertragen hat, weil er die Leistung der gesetzlichen Rente nicht für nachhaltig ausreichend hält“, so der Professor.

Andreas Buttler, Gesellschafter des unabhängiger bAV-Sachverständigen Febs Consulting GmbH, ermunterte die Makler, Berührungsängste mit dem BRSG abzustreifen. „Arbeitgeber benötigen mehr denn je einen qualifizierten bAV-Betreuer“, dokumentierte er in seinem Vortrag anhand zahlreicher gesetzlicher Neuerungen. Beispiel: 15 Prozent Arbeitgeberzuschuss, soweit durch die Entgeltumwandlung SV-Beitrag gespart wird: „Die Neuregelung ist überfällig, denn es kann doch nicht sein, dass sich Arbeitgeber an der Entgeltumwandlung ihrer Arbeitnehmer bereichern“, so der bAV-Fachmann. In der Praxis müssten nun Lösungen her, wie die fortschrittlichen Arbeitgeber, die oft bereits zehn Prozent Zuschuss leisten, unbürokratisch auf 15 Prozent aufstocken können, ohne dass dafür ein neuer Vertrag abgeschlossen werden muss.

Renaissance der Entgeltumwandlung
Der bAV-Gutachter sieht in der Entgeltumwandlung mit Arbeitgeberzuschuss, kombiniert mit der verdoppelten steuerlichen Förderung, den wichtigsten Wert des BRSG. Für neue Entgeltumwandlungen ab 2019 gelten die 15-Prozent-Zuschusspflicht und die sofortige gesetzliche Unverfallbarkeit. Für den Bestand einschließlich neuer Vereinbarungen bis Ende 2018 kommt diese 15-Prozent-Zuschusspflicht des Arbeitgebers erst 2022.

In Zukunft sei es am effektivsten, Entgeltumwandlung als Direktversicherung sofort mit unwiderruflichem Bezugsrecht und Unverfallbarkeit der Ansprüche auszustatten, schlug Buttler vor. „Tarifverträge können andere Zuschussregelungen, auch schlechtere Regelungen vorsehen“, erklärte Buttler.
Er gab der neuen Sozialpartnerrente keine gute Note: „Fehlende Garantien werden von Arbeitnehmern derzeit noch nicht akzeptiert.“ Den Maklern rief er zu, Informationen über die Beitragszusage als Türöffner zu nutzen. „Eine gute Direktversicherung ist für den Arbeitgeber wirtschaftlich auch eine Beitragszusage.“  
Die neuen Rahmenbedingungen will der HDI mit neuen Strategien umsetzen, betonte Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender der Talanx Pensionsmanagement und verantwortlich für bAV bei HDI. Man stehe als Anbieter für individuelle Sozialpartnermodelle bereit und werde eine Zielrentenlösung über einen Pensionsfonds anbieten, blickte von Löbbecke voraus, der auch Vorstand der PB Pensionsfonds AG ist. Das Gesetz werde „einen Gruppenzwang auslösen“. Die ursprünglich avisierte Zielgruppe der bAV-Reform werde mit dem Sozialpartnermodell allerdings nicht erreicht. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterliegen in der Regel keinem Tarifvertrag und können höchstens auf das Sozialpartnermodell optieren, wenn sie denn wollten.

portfolio international 16.08.2017

 
Detlef Pohl
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