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Ausgabe 03/2017

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Beratung
20.06.2017

Lohnt die bAV nach der Reform?

Professor Thomas Dommermuth

Am 1. Juni beschloss der Bundestag das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG). Zeitgleich berieten Experten auf dem HDI-bAV-Expertenforum 2017 in Köln. Es ging auch um die Frage, ob bAV in Zukunft noch oder wieder mehr lohnt. Antwort: Im Prinzip ja, aber …

… man muss genau hinschauen und die entsprechende fachliche Beratung leisten. Schützenhilfe dazu lieferte den bAV-Beratern Dr. Thomas Dommermuth, Steuerberater, Professor an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden und Beiratsvorsitzender des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), in seinem Vortrag bei der Fachveranstaltung.

Rund 13,1 Millionen Arbeitnehmer in Klein- und Mittelbetrieben (KMU) seien noch ohne bAV, davon 80 Prozent ohne Tarifvertrag. Viele davon liegen unter der Einkommensgrenze von 2.200 Euro im Monat. Diese Zielgruppe könnte ab 2018 insbesondere erreicht werden durch den Geringverdiener-Zuschuss in Höhe von 240 bis 480 Euro im Jahr. Darüber hinaus kommen alle Arbeitnehmer in den Genuss des Arbeitgeber-Zuschusses von 15 Prozent – ab 2019 bei Neuabschluss einer Entgeltumwandlung und ab 2022 auch im Bestand aller Entgeltumwandlungen.

Kritisch sieht Dommermuth, dass das BRSG die Doppelverbeitragung bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung für Betriebsrentner sogar noch ausweitet. „Das ist ein völlig falsches Signal“, so der Wissenschaftler. In der Ansparphase gibt es für Besserverdiener oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze gar keine SV-Ersparnis, aber in der Rentenphase die volle Belastung. Über allem „schwebt das Damokles-Schwert künftiger Beitragssatz-Erhöhungen“. So profitieren derzeit und ab 2018 letztlich vor allem privat Kranken- und Pflegeversicherte am meisten, also Besserverdiener.

Gut für Geringverdiener: Das BRSG biete mit der Flankierung der bAV-Leistung durch teilweise Freibeträge bei der Grundsicherung von maximal rund 200 Euro pro Monat (nach Paragraf 82 Absatz 4 und 5 SGB XII) „einen guten ersten Schritt“ in Richtung stärkere Verbreitung auch bei Geringverdienern, so Dommermuth. "Der Freibetragssockel (100 Euro) sollte aber an die SV-Freigrenze für kleine Betriesbrenten(148,75 Euro) angepasst werden." Ganz neue Chancen gebe es für die Riester-bAV, wo die bisherige Doppelverbeitragung abgeschafft wird. Das heißt: Für betriebliche Riester-Renten entfällt in der Auszahlungsphase die bisherige SV-Pflicht. "Nun lohnt sich die Kombination der bAV mit Riester erstmals wirklich; sie ist auch privaten Riester-Verträgen meist deutlich überlegen" so der Experte. Zudem werden Riester-Renten ab 2018 in der Ansparphase stärker gefördert: Die Grundzulage steigt von 154 auf 175 Euro pro Jahr.

Dommermuth zeigte in seinem Vortrag aber auch auf, dass sich bAV zumeist für Normalverdiener lohnt. „Die nachgelagerte Besteuerung der bAV ist ein eindeutiger Vorteil, solange keine gesetzlich herbeigeführten Steuersatzerhöhungen in der Leistungsphase erfolgen“, so Dommermuth. Der „Herr der Zahlen“ vertiefte anhand ausgewählter Musterfälle die Wirkungen für unterschiedlichste Zielgruppen und gab damit den Maklern konkrete Arbeitshilfen an die Hand. Basis dafür ist eine Software des IVFP.

Ein Beispiel: Wer mit 40 eine Direktversicherung abschließt, mit 67 in Rente geht und bis 85 lebt, schafft bei 1.200 Euro Jahresbeitrag eine Monatsrente von rund 165 Euro. Damit bliebe er im Jahr 2044 unter der dann geltenden SV-Freigrenze für kleine Betriebsrenten, die Dommermuth auf dann knapp 239 Euro pro Monat hochrechnete (heute: 148,75 Euro). „In allen Einkommensklassen schneidet die bAV zwischen 31,85 und 38,91 Prozent besser ab als eine vergleichbare Privatrente, sofern der Arbeitnehmer in Steuerklasse I oder IV eingruppiert ist“, betonte Dommermuth. Nicht ganz so gut sieht es in Steuerklasse III aus. „Da ist die Privatrente um 6,29 Prozent besser, aber nur beim geringen Einkommen bis 20.000 Euro“, so der Steuerberater weiter. Mit steigendem Einkommen sei die bAV auch in Steuerklasse III zwischen 12,4 und 24,6 Prozent besser.

Wird die SV-Freigrenze allerdings überschritten, falle die Direktversicherung in fast allen Einkommensgrößen bei Steuerklasse III hinter die Privatrente zurück, warnte Dommermuth. Ab 52.200 Euro Jahreseinkommen lohne sie dann jedoch weiter für privat Kranken- und Pflegeversicherte. Käme ein Arbeitgeberzuschuss hinzu, lohne bAV in fast allen geprüften Einkommensgruppen. Und kumulieren sich Arbeitgeberzuschuss und Kollektivtarif, ist die bAV unschlagbar. Allerdings: „Auch ab 2018 ist die bAV nicht überall lohnend“, so der Wissenschaftler. Ein Grund mehr, dass zur bAV fachlich seriös (und vernünftig bezahlt) beraten wird.

Fazit für den Vertrieb: Bei entsprechender Gestaltung (Kollektivtarif, Arbeitgeber-Zuschuss, bAV-Riester) sei das Potenzial zumindest bis zur SV-Freigrenze „sehr gut bis exzellent“. Einiges werde aber auch von den Publikumsmedien abhängen, die nun „genug Anlass haben, positiv zu berichten“. Arbeitgeber-Zuschuss und Riester-bAV könnten dabei Initialzündungen sein.

Detlef Pohl

(Bild: HDI)

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portfolio international update 20.06.2017

 
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