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Analyse

26.06.2017

Lebensversicherung auf dem Weg zur Fondsrente I

Der Produktwechsel ist in vollem Gange: weg von klassischen Lebensversicherungen hin zu fondsgebundenen Rentenpolicen, die das Sicherungsvermögen der Versicherer wegen sinkendem Garantieumfang weniger oder gar nicht mehr nutzen. Das hat auch Auswirkungen auf die Asset-Klassen. Teil I
Axel-Rainer Hoffmann
Carsten Zielke

Bei zurückgehenden Einnahmen aus laufenden Beiträgen und Einmalbeiträgen entscheiden sich immer mehr Kunden in der Lebensversicherung inzwischen für abgewandelte Garantieprodukte wie die „neue Klassik“, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft im Januar mit. Auf sie entfielen 2016 im Neugeschäft bereits 46 Prozent, nach 37 Prozent im Jahr zuvor und erst 24 Prozent 2013. Da bei klassischen Policen die Garantie im Neugeschäft nun auf 0,9 Prozent gedeckelt ist und auch die Überschussbeteiligungen im Sinkflug sind, machen fondsgebundene Rentenversicherungen durchaus Sinn.

Deutsche Fondspolicen sind in der Regel auch mit Garantien ausgestattet. Garantiert ist insbesondere der Rentenfaktor – oft zwischen 25 und 30 Euro pro 10.000 Euro Fondsguthaben –, quasi eine Mindestrente.  Beim „Signal Iduna Global Garant Invest“ kommt ab 25 Jahren Laufzeit noch eine Garantie für alle eingezahlten Beiträge hinzu. Das Geschäft konzentriert sich aber vor allem auf Aachen-Münchener (knapp 20 Prozent Marktanteil), Zurich (elf Prozent), HDI, Nürnberger, Allianz, Provinzial, Generali, Axa, Neue Leben und WWK.

Nur zwei angelsächsiche Anbieter – Canada Life und Standard Life – spielen ernsthaft mit. Sie kommen bewusst fast ohne Garantien aus. Die Unitised-With-Profits-Produkte von Canada Life erreichten seit dem Start 2004 durchschnittlich 6,1 Prozent Wertentwicklung pro Jahr. Weil die Ergebnisse jedes Jahr geglättet werden, können Kunden auch in schlechten Börsenjahren Gewinne verbuchen. Garantiert sind ein Prozent Mindestwertentwicklung und der Beitragserhalt zu Rentenbeginn. Gar keine Garantien gibt es bei Standard Life. Deren Multi-Asset-Fondsfamilie „Myfolio“ kommt seit dem Start 2012 auf 4,5 bis 8,7 Prozent jährliche Wertentwicklung – je nach Risikoprofil in den inzwischen fünf Portfolien.

Die für den Deckungsstock investierenden Mitarbeiter in der Kapitalanlage eines Versicherers dürfte jedoch die Frage beschleichen, ob der Trend zur Fondsgebundenen auch in ihrem Sinne ist. Ausgelagert wird nämlich nicht nur das Risiko, sondern in der Regel auch das Asset Management. Beispiel Huk-Coburg: Sie offeriert dem Kunden verschiedene ETF von I-Shares. Auch die Dachfonds-­Angebote sind sehr ressourcenschonend aufgesetzt: Hier investiert Feri in ETF verschiedener Anbieter und Asset-Klassen.

Beispiele für Anbieter sogenannter Drei-Topf-Modelle aus Deckungsstock, Wertsicherungsfonds und freier Fondsanlage sind Stuttgarter und Universa. Die Stuttgarter lässt ihre Wertsicherungsfonds von Schroders, DWS und C-Quadrat managen, die freien Fonds sind mit namhaften Publikumsfonds wie ­Akkumula (DWS), Magellan (Comgest) oder Multi Asset (Flossbach von Storch) sowie Produkten von weiteren bekannten aktiven Managern und ETF bestückt.

Klassikbestände wirken noch lange nach
Für die Mitarbeiter der Kapitalanlage der Versicherer gibt es da wenig zu managen. Dies gilt insbesondere für die Spezialisten illiquider Assets wie Private Equity, Immobilien­ und Infrastruktur. Gefährdet der Trend zur Fondsgebundenen also die Arbeitsplatz­sicherheit insbesondere der Alternatives-Experten? Zumindest nicht akut. „Selbst bei großen Erfolgen im Verkauf von fondsgebundenen oder hybriden Produkten werden sich die Gewichte in der Kapitalanlage nur langsam ­ver­ändern. Daher werden Spezialisten für illiquide Asset-Klassen dringend ­benötigt“, erklärt Volkswohlbund-Vorstand Axel-Rainer Hoffmann.

Ähnlich argumentiert Versicherungsexperte Dr. Carsten Zielke: „Das Bestandsgeschäft mit klassischen Lebensversicherungen ist sehr groß und hängt noch sehr lange nach. Der Eiopa-Stresstest hat auf kapitalgewichteter Basis eine Duration der Verbindlichkeiten von 21,4 Jahren ermittelt.“ Der Geschäftsführer von Zielke Research Consult weist darauf hin, dass es Versicherer gibt, die weiter klassische Policen anbieten: „Diese Gesellschaften benötigen auf jeden Fall Spezialisten für illiquide Assets.“

Zwei ­weitere Kontraargumente: Das interne Asset Management arbeitet nicht nur für die Lebensparte, sondern auch für den Kranken- und Sachbereich. Und: Auch die geringeren Garantien fondsgebundener Produkte müssen gedeckt sein. Ohne Garantien würden sich Versicherer ihres Alleinstellungsmerkmals berauben. Für die Erwirtschaftung von Garantien braucht es einen Deckungsstock – und für diesen in der Niedrigzinswelt auch Infrastruktur, Immobilien und Private Equity­. „Die Entwicklung hin zur fondsgebundenen Versicherung geht nicht zu Lasten der Alternatives-Mitarbeiter“, urteilt die Gothaer.

portfolio international 26.06.2017

Patrick Eisele/Detlef Pohl
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