
Der Bausparbranche geht es derzeit richtig gut. Ihr ging es noch nie besser. Stimmen Sie dem zu, Herr Hertweck?
In der Tat, aus reiner Marktsicht geht es den Bausparkassen prima. Für 2011 können wir sagen, dass es nach einem Sonderjahr 2003 das erfolgreichste Jahr der Bauspargeschichte war. Wir profitieren von den niedrigen Zinsen, Inflationsangst und der Suche nach sicheren Anlagen. Für die Kapitalmarktseite gilt die positive Diagnose jedoch nur eingeschränkt. Denn die aktuelle Niedrigzinsphase erschwert die Kapitalanlage auf unserer Seite. Dieses Problem haben derzeit aber alle Anleger, wenn sie sichere und rentierliche Anlagen suchen.
Ist Bausparen also ein Krisensparmodell?
Ja, so kann man das sehen. Denn das Hauptrisiko, das ein Sparer trägt, liegt eben nicht im Produkt oder in der Auswahl der Bausparkasse, sondern in der eigenen Einschätzung, wie sich die Zinsen künftig entwickeln werden. Der Sparer schließt quasi eine Versicherung auf steigende Zinsen ab. Ist dies der Fall, hat sich der Bausparvertrag rentiert. Bleiben die Zinsen gleich, hätte es möglicherweise auch andere Alternativen gegeben. Wie auch immer: Ein Risiko für einen Totalausfall gibt es in diesem Kollektivsystem nicht. Demzufolge ist Bausparen sehr krisensicher – und der Kunde schaut heute nicht mehr auf die letzten Zehntel Rendite, sondern vielmehr auf sichere Angebote.
Wie ginge es der Bausparbranche ohne die Euro-Schuldenkrise heute?
Rekorde würden wir zwar keine erzielen, Bausparen würde aber ein sehr nachgefragtes Produkt bleiben. Wir spüren schon seit dem Platzen der Internetblase, dass Bausparen – so langweilig es klingt – ein sehr modernes Produkt ist. Es ist sehr eng verflochten mit Wohneigentum, wo es einen sehr großen Nachholbedarf gibt. Das gilt auch für die Finanzierung energetischer Sanierungen zur Senkung von Energiekosten. Bausparen hat sich über die vergangenen Jahre sehr stark zu einem Modernisierungs- und Finanzierungsinstrument entwickelt. Insofern profitieren wir schon alleine von dieser Finanzierungsnachfrage.
Man hat das Gefühl, die Kunden kommen von alleine, also ohne großen Vertriebs-aufwand. Haben Sie das Marketingbudget zurückgeschraubt?
Von der Situation, dass uns die Bausparverträge aus den Händen gerissen werden, sind wir noch weit entfernt. Bausparen ist ein klassisches Produkt, bei dem keiner morgens mit dem Gefühl aufsteht: Wenn ich heute keinen Bausparvertrag abschließe, dann kann ich künftig nicht mehr ruhig schlafen. Aber viele Menschen sind für das Produkt ansprechbar. Es ist aber kein Produkt, bei dem der Kunde von sich aus aktiv wird. Vielmehr ist es in der aktuellen Marktphase lediglich einfacher, dieses Produkt zu verkaufen. Dies beobachten wir ganz besonders bei unseren Kooperationspartnern, beispielsweise am Bankschalter. Den Bankmitarbeitern gelingt es, bei aktiver Ansprache deutlich mehr abzusetzen als früher. Ohne aktive Ansprache würde es auch keinen Bauspar-boom geben. Zum Marketingbudget: Dies ist ähnlich wie in den Vorjahren. Wüstenrot profitiert sehr stark von der historisch sehr hohen Bekanntheit. 90 Prozent der Bürger kennen Wüstenrot. Immerhin sind wir der Erfinder des Bausparens.




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