Die Schuldenkrise sowie der niedrige Zins für Baudarlehen treibt die Anleger in Immobilien. Vor allem die Preise von Eigentumswohnungen sind sind zuletzt deutlich gestiegen. Wie geht es nun weiter mit diesem Wohnsegment, und wo gibt es noch Anlagechancen in Deutschland? Darüber sprach portfolio international mit Thomas Beyerle, Managing Director bei der IVG Immobilien AG.
portfolio international: Ist im kommenden Jahr mit weiter steigenden Wohnimmobilienpreisen in Deutschland zu rechnen?
Thomas Beyerle: Grundsätzlich ja. Dabei lassen sich zwei maßgebliche Gründe anführen: Fundamental kann die wachsende Nachfrage nach Wohnraum in den Metropolregionen aufgrund sehr geringer Fertigstellungszahlen nicht befriedigt werden. Die vielen Kräne in den Großstädten sind fast ausschließlich im Bereich Sanierung und Baulückenschließung in den Stadtteilen zu finden. Strukturell, also taktisch, werden wir auch in 2012 eine Reihe von Investoren sehen, die aufgrund der Eurodiskussion und das damit schwindende Vertrauen in die Stabilität der Währung weitere Immobilieninvestitionen – vor allem bei Eigentumswohnungen - tätigen werden. Diese Gruppe hat für die sehr starken Preissteigerungen der letzten 12 Monate gesorgt. Zwar wird sich diese Entwicklung etwas beruhigen, gleichwohl werden sich die Steigerungen dann auf den Mietensektor verlagern.
pi: Welches Wohnsegment erscheint aus Ihrer Sicht noch am lukrativsten für Käufer? Wie hoch könnten in diesem Segment die Preissteigerungen in 2012 ausfallen?
Beyerle: Grundsätzlich Eigentumswohnungen in zentralen beziehungsweise entwickelten Stadtvierteln, also mit bereits funktionierender Infrastruktur. Hier lassen sich auch unabhängig von der aktuellen Hype mittelfristig stabile Renditen erwirtschaften. In diesem Segment sehe ich gleichzeitig auch die größten Preissteigerungen.
pi: Wie viele Wohnungen hat die IVG in den letzten Jahren in Deutschland verkauft?
Beyerle: IVG hat als gewerblicher Investor lediglich einen kleinen Bestand an Wohnungen, verteilt auf die jeweiligen Gewerbegebäuden.
pi: Wie lukrativ sind kleinere Wohnungen in den ostdeutschen Seniorenstädten Erfurt, Görlitz und Weimar?
Beyerle: Erfurt und Weimar sind Zuzugsmärkte und verfügen über eine stabile Wirtschaftsstruktur. Dort sind Wohnungen in der Langfristbetrachtung ein solides Investment. Als Analyst würde ich hier sogar eher zum Kauf von zwei bis drei Einheiten raten. Dies entspricht dem Wert einer Eigentumswohnung in Frankfurt. Zudem habe ich mein Risiko optimal verteilt.
pi: Und Görlitz?
Beyerle: Bei Görlitz sehe ich die Sache etwas differenzierter. Sieht man von den werblichen Bemühungen der Stadt und der Schönheit der sanierten Altstadt einmal ab, fehlt mir dort das wirtschaftliche Rückgrat.
pi: Wie hoch schätzen Sie den bundesweiten Gesamtbestand an Wohnungen die zum Verkauf angeboten werden, und wie ist das Verhältnis zwischen Altbau- und Neubauwohnungen?
Beyerle: Wir gehen davon aus, dass einschließlich der Wohnungsportfolien gewerblicher Investoren rund 650.000 Einheiten potenziell am Markt platziert werden könnten. Das Verhältnis liegt bei 90:10 zugunsten des Altbaus.
pi: Sind Altbauwohnungen oftmals in besseren Wohnlagen zu finden als Neubauwohnungen?
Beyerle: Eindeutig ja. Es sei denn, die jeweilige Stadt hat ein Sanierungs- oder Baulückenschließungsprogramm aufgestellt. Allerdings stehen Privatanleger von Altbauwohnungen beziehungsweise Häusern in sehr starkem Wettbewerb zu Bauträgern, welche aus dem Altbestand volumenmäßig einen Neubau mit weit mehr Etagen , sprich Wohnungen, anbieten.
Das Gespräch führte Goran Culjak.
(Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Februar-Ausgabe von portfolio international auf Seite 56. Das Heft erscheint am 10. Februar 2012.)
portfolio international update 31.01.2012/gcu





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