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Anlage
01.09.2015

IM INTERVIEW: Geldanlage-Fintecs sind derzeit keine Konkurrenz

Andreas Beck

Der Gründer und Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau (IVA), Andreas Beck, erläutert im Gespräch mit portfolio international update die Knackpunkte im Bereich Finanztechnologie-Unternehmen für die Geldanlage in Deutschland.

Herr Beck, Digitalisierung und Automatisierung bei der Kapitalanlage sind derzeit in aller Munde. Immer mehr Finanztechnikunternehmen, sogenannte Fintecs, kommen auf den Markt, so auch für die Geldanlage von Privatanlegern. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Durch die Vorgaben aus der EU-Richtlinie Mifid II, die unter anderem den Bereich offene Investmentfonds stärker reguliert, verlagert sich die Anlageberatung weiter weg vom Bankschalter. In Ländern, wie den Niederlanden oder Großbritannien, kann man sehen, dass eine immer stärkere Einschränkung der Provisionsberatung dazu führt, dass es sich für die Banken nicht mehr lohnt, unterhalb von schätzungsweise 50.000 Euro pro Kunde eine Beratung anzubieten. Das bedeutet, dass dieses Geschäft verstärkt ins Internet wandern wird.

Was bedeutet das im Einzelnen?

Die große Preisfrage, wenn die Geldeanlage verstärkt ins Internet wandert, ist: Ist das ein Rückschritt für den Anleger oder ist das ein Fortschritt? Aus diesem Blickwinkel heraus ist es sehr interessant, sich die unterschiedlichen „Robo-Advice“-Anbieter anzuschauen. Und da muss man sagen: Es ist in vieler Hinsicht kein Fortschritt, im Gegenteil. 

Woran machen Sie das fest?

Einige Anbieter wenden bei der Geldanlage via Internet Prozesse an, die am Bankschalter unzulässig wären. Das Internet wird hier als rechtlicher Graubereich gesehen. Anbieter verwenden auf ihren Webseiten zum Beispiel gerne einen Fragebogen, über den potenziellen Kunden eine passende Anlagelösung zugeordnet wird. Ist das Anlageberatung? Vermutlich schon – und dann müsste es sich an die regulatorischen Vorgaben halten. Jetzt gehen viele Anbieter davon aus, dass es keine Beratung und auch keine Vermögensverwaltung ist.

Welche Knackpunkte sehen Sie außerdem?

Einige Anbieter weisen im Internet zum Beispiel nicht auf die Provisionshöhe hin, die der Anbieter und der Vertrieb bekommen, insbesondere bei Dachfonds. Der Vertrieb am Bankschalter zum Beispiel muss explizit auf die Provisionszahlungen hinweisen. Im Internet geschieht das bei Dachfonds in einigen Fällen nicht – obwohl die betreffende Webseite nichts anderes ist als eine Vertriebsplattform für diese Fonds. Auch das wäre am Bankschalter heute nicht mehr möglich.

Diese Problematiken dürften aber nicht allen Geldanlage-Fintecs betreffen.

Ich würde hier zwei Klassen unterscheiden. Es gibt zum einen Fintecs mit einer ordentlichen Vermögensverwaltungslizenz im Hintergrund. Dazu zählen etwa Fintego, Quirion und der Anlegerlotse. Diese sind daher auch von der Finanzaufsichtsbehörde Bafin kontrolliert. Zum anderen gibt es jene ohne eine Lizenz einer Bank oder Vermögensverwaltung im Hintergrund.

Letztere müssten für die Geschäftsabwicklung zum Beispiel mit einer Direktbank zusammenarbeiten, oder?

Am Ende muss es eine Direktbank oder eine andere Art einer Depotverwahrstelle geben, bei der die Depots geführt werden. Oder etwa im Falle der genannten Dachfondsanbieter jemanden, der hinter dem jeweiligen Dachfonds steht.

Noch einmal zurück zu Mifid II. Würde sich nicht auch ohne diese Vorgaben die Anlageberatung zunehmend ins Internet verlagern, Stichworte Kostenreduzierung und geändertes Informationsverhalten der Kunden, vor allem jüngeren?

Das glaube ich nicht. Denn es gibt unterschiedliche Arten von Produkten. Die einen werden von den Kunden explizit nachgefragt, da sie sie zum gegebenen Zeitpunkt brauchen und auch kaufen möchten. Die anderen dagegen werden aggressiv verkauft; bei diesen gibt es keinen „Kaufzug“ des Kunden. Es ist kein Zufall, dass die Qualität einer Vertriebsorganisation den Produkterfolg definiert – und nicht die Qualität des Produktes. Wer dominiert den provisionsorientierten Fondsvertrieb in Deutschland? Das sind immer noch Strukturvertriebe. Sie setzen mehr Deutsche-Bank-Fonds um als so manche Großbank.

Eine solche Gefahr sehen Sie bei den Geschäftsmodellen dieser Fintec-Angebote auch?

Fintecs für Geldanlage haben ein Grundproblem: Es gibt keinen wirklichen Kaufdruck. Die Menschen müssen auf irgendeine Weise dazu motiviert werden, die betreffenden Webseiten anzuklicken und auch tatsächlich Anlageprodukte zu kaufen. Läuft das über das Internet, so fällt der ganze angenehme Rahmen weg. Kein vertrauensvoller gut gekleideter Anlageberater, keine Ledersessel unterm Ölbild, keine Einladung zu den Salzburger Festspielen. Kurz, das emotionale Drumherum fällt komplett weg, es geht nur noch um die Kerndienstleistung, Asset Management, Vermögensverwaltung only. Wenn ein Anbieter das gut umsetzt – was ich für sehr sinnvoll halte – dann muss er ganz genau definieren, worin seine Dienstleistung besteht, was genau er tut und warum er dies gut macht. Doch genau dort steckt ein innerer Widerspruch der meisten Fintecs: Sie haben keine Erfahrung im Asset Management.

Das bedeutet?

Letztlich wird sogar die Botschaft vermittelt, Asset Management und Vermögensverwaltung sei gar keine werthaltige Dienstleistung. Für Anleger sei allein wichtig, ein kostengünstiges Depot zu haben, das ausreichend diversiviziert ist. Wenn aber jemand auch die Kerndienstleistung, das Asset Management, degradiert, frage ich mich, wie jemand motiviert sein sollte, dort anzulegen. Das kann meiner Meinung nach nicht funktionieren.

Wie müssten sinnvolle Ansätze aus Anlegersicht aussehen?

Das Internet bietet eine wahnsinnige Chance, es macht Prozesse effizienter. Letztlich kann es dazu führen, dass Privatanleger als eigene Berechnungsklasse abgeschafft werden und jeder wie ein institutioneller Anleger behandelt wird. Es gibt dann keinen Unterschied mehr, ob jemand fünf Millionen Euro anlegt oder 500 Euro. Heute bieten einige Fintecs Produkte zu Bedingungen, die aus Qualitätsgründen kein großer Investor akzeptieren würde. Zum Teil sind es Pseudodienstleistungen, die eigentlich nicht bepreisbar sind. Das wird sich, glaube ich, nicht durchsetzen. Der andere Weg wäre institutionelle hochwertige Vermögensverwaltung zu institutionell niedrigen Gebühren auch Anlegern zu öffnen, die vielleicht nur einen Sparplan anlegen wollen.

Wäre es bei einer solchen Einheitsgebühr nicht auch möglich, dass sie sich im Vergleich zu den niedrigsten Sätzen für Institutionelle etwas erhöhen?

Diese Frage berührt ein weiteres Kernproblem: Der Kampf um die Assets wird immer härter. Ausländische Fondsgesellschaften kommen in den Markt, die strukturierten Produkte verteidigen ihren Marktanteil. Das müsste eigentlich dazu führen, dass die Gebühren von Privatanleger-Produkten, wie Aktienfonds, sinken. In den letzten zehn Jahren sind sie aber gestiegen. Warum? Der eigentliche Kunde dieser Produkte ist nicht der Investor, sondern der Vertrieb, da der Vertrieb entscheidet, was verkauft wird. Das bedeutet, die Produkte müssen für den Vertrieb immer attraktiver werden. Inzwischen gibt es Mischfonds, die 1,25 Prozent Bestandsprovisionen im Jahr zahlen. Zufällig werden das Bestseller … Fällt aber der Vertrieb weg, und geht es zum eigentlichen Endkunden, dem Privatanleger, dann kommt es zu einer Situation, wie wir es beim ETF-Markt bereits sehen. Dort gibt es keine Provisionen für den Vertrieb, und es zeigt sich ein brutaler Preiskampf unter den ETF-Anbietern. Das kann man sich auch für aktiv gemanagte Produkte vorstellen.

Bis es in Deutschland soweit ist, dürfte es noch eine Weile dauern, oder?

In den Niederlanden zum Beispiel gibt es heute die „klassischen“ aktiv gemanagten Investmentfonds auch in einer provisionsfreien Tranche für Privatanleger. Und dort beginnt jetzt ein Preiskampf. Das wird meiner Meinung nach zu sehr interessanten Angeboten für den Privatanleger führen.

Würden Sie sagen, dass eine verstärkte Automatisierung und Digitalisierung Beratern aller Couleur das Geschäft streitig macht, oder im Gegenteil auch mehr Kunden bringen kann?

Die heutigen Fintec-Angebote in Deutschland kommen insgesamt auf ein vergleichsweise sehr niedriges verwaltetes Vermögen. Die meisten haben unter fünf Millionen Euro Assets under Management. Sie greifen also derzeit niemanden an und sind auch kaum präsent am Markt. Es gibt allerdings einen riesigen Bedarf nach einer hochwertigen Vermögensverwaltungslösung ab 100 Euro zu institutionellen Gebühren. Mit diesem Ansatz werden noch diverse Produkte kommen, es wird ein eigener Markt werden mit Mifid II. Doch dafür sind eigene Fintecs nicht notwendig. Die Angebote müssen allein im Internet mit aller Transparenz dargestellt werden. Die eigentliche Dienstleistung bleibt dann das klassische Asset Management. Direktbanken könnten dann die Funktion übernehmen, die Entscheidungen der Anleger umzusetzen, ohne dass ein Berater dazwischengeschaltet ist.

Das Gespräch führte Heike Gorres

(Bild: IVA) 

portfolio international update 01.09.2015/

 
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