portfolio international MAGAZIN

Portfolio International

portfolio international

Ausgabe 03/2017

Der Brexit und seine Folgen für Vermittler

...mehr

Meistgelesene Artikel


Alles zum Thema
BÖRSE & FINANZEN
finden Sie hier

DAX
Chart
DAX 13.190,00 +0,28%
TecDAX 2.522,25 +0,30%
EUR/USD 1,1787 +0,15%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Wertpapiersuche

Aktien Tops & Flops

SIEMENS 116,56 +1,11%
DT. POST 40,84 +1,02%
ALLIANZ 200,03 +0,61%
MÜNCH. RÜCK 185,01 -0,02%
FMC 87,68 +0,03%
DT. BÖRSE 98,97 +0,08%

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 259,48%
Commodity Capital AF 215,59%
AXA World Funds Gl RF 162,83%
Polar Capital Fund AF 96,78%
SQUAD CAPITAL EURO AF 92,87%

mehr

Anlage
14.08.2017

IM GESPRÄCH: Martin Lück

Martin Lück

Martin Lück, Chief Investment Strategist für Deutschland, die Schweiz, Österreich und Osteuropa bei der US-Investmentgesellschaft Blackrock über die Chancen und Hürden von Frankreichs Staatspräsidenten Emmanuel Macron, Markteinschätzungen des alten Hasen Bill Gross, die Lage im europäischen Bankensektor und Osteuropas Rolle auf der Anlegeragenda.

Herr Lück, nach dem Wahlsieg von Emmanuel Macron scheint es für Frankreich wieder vorwärts zu gehen, möchte der neue Präsident doch umfangreiche Reformen angehen. Wie beurteilen Sie diese Initiativen? Kann Frankreich zum neuen Wachstumstreiber für die Eurozone werden?

Die Wahl Macrons zum Präsidenten ist ein wichtiger erster Schritt. Und mit der absoluten Mehrheit von La République en Marche, der Partei, der er angehört, hat er alle Instrumente an der Hand, um seine Agenda umzusetzen. Die zweite wichtige Voraussetzung ist, dass er bleibt, was er ist: ein sehr charismatischer, aber auch sehr empathischer Entscheider, der auch die, über die er entscheidet, einbezieht.

Über welche Punkte zum Beispiel?

Es geht zum Beispiel um Projekte wie die Arbeitsmarktreform, bei der Unternehmen wesentlich mehr Möglichkeiten bekommen sollen, Absprachen mit ihren Mitarbeitern zu treffen. Die Frage ist, ob Macron in der Lage ist, die verschiedenen Interessengruppen einzufangen und wie stark er dabei seine Persönlichkeit einbringen kann. Das ist der Lackmustest für die Reformen in Frankreich.

Das dürfte aber nicht reichen.

Sollte Macron die Arbeitsmarktreform gelingen, würde er eine Art Reformmomentum aufbauen und könnte es dann schaffen, ein zweites großes Projekt anzugehen: die Reform der gesamten öffentlichen Verwaltung. Er hatte angekündigt, allein im öffentlichen Dienst 120.000 Beschäftigte abzubauen. Das wird Widerstand hervorrufen. Die Frage ist dann: Wie geht Macron mit diesem Widerstand um? Wie schafft er dies auf der Straße? Da wird diese Debatte letztlich entschieden werden.  Sollte ihm all das gelingen, wäre meine Antwort auf ihre Eingangsfrage hierzu: Ja, Frankreich kann zum neuen Wachstumstreiber werden.  Das Land hätte dann ein besseres Potenzial hierzu als Deutschland. Denn Frankreich hat die wichtigste Triebfeder für Wachstum, nämlich Bevölkerungswachstum.

Können sich die Franzosen die Reformen überhaupt leisten? Sie sind hoch verschuldet und gelten immer noch als Wackelkandidat im Eurosystem. Und Reformen kosten Geld. 

Im Gegenteil. Strukturreformen sind zwar zunächst einmal wachstumsbeeinträchtigend, wirken mittel- und längerfristig aber positiv. Wenn Frankreich im Anschluss sogar stärker wächst und die Steuereinnahmen steigen, könnte die fiskalische Bredouille von fast 100 Prozent Schuldenstand zum Bruttoinlandsprodukt eher gelöst werden als momentan. Die Frage wäre also, braucht das Land nicht vielmehr diese Reformen, um finanziell zu gesunden?

Würden Sie eine Prognose wagen, inwieweit Macron dies schafft?

Die Zeichen stehen gut, das sieht man jetzt auch an der Wahlurne. Die Franzosen sind nun wirklich bereit, das erste Mal die Realität zu verinnerlichen. Jahrzehntelang ist ihnen von verschiedenen Präsidenten doch zumindest suggeriert worden ist: Für euch und für uns als Franzosen gilt die Globalisierung nicht. Das erste Mal ist den Franzosen nun bewusst, wenn wir weiter an diesen Unsinn glauben, werden wir hinten runterfallen. Dann sind wir bald kein großes Land mehr. Dass Frankreich Deutschland gegenüber wieder Respekt zurückgewinnen und ein starker Partner werden kann, der hierfür umgekehrt auch einige Zugeständnisse von Deutschland und der EU erhalten kann, halte ich für sehr wahrscheinlich.

À propos Zugeständnisse der EU: Die Übernahme der Banco Popular durch Santander in Spanien hat erneut gezeigt, dass im europäischen Bankensektor noch lange nicht alles in Ordnung ist. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit einer neuer Bankenkrise ein, etwa ausgelöst durch eine spanische oder italienische Bank?

Niemand kann ausschließen, dass uns da über Nacht wieder irgendein Institut auf die Füße fällt. Zuversichtlich stimmt mich aber, dass man es über eine stellenweise großzügige Auslegung der europäische Abwicklungsrichtlinie geschafft hat, die Kuh zumindest teilweise vom Eis zu kriegen. Dass man über die sogenannte präemptive  Rekapitalisierung, über vorbeugende Geldspritzen, schaffen kann, ohne gegen die Abwicklungsrichtlinie zu verstoßen, Banken halten zu können. Insofern bin ich zuversichtlich, dass wir das Schlimmste hinter uns haben.

Trotz der Wahlniederlagen der Rechtspopulisten in den Niederlanden und in Frankreich hört man immer mehr teils sehr renommierte Stimmen, die von einem Ende des Euro sprechen. Wie sehen sie die Zukunft der Gemeinschaftswährung?

Der Euro war von Anfang an erkennbar keine ökonomische Einrichtung, sondern politisch gewünscht. Als der Euro im Februar 1992 mit dem Maastrichtvertrag begründet wurde, war er ein politisches Konstrukt. Wir haben inzwischen aber gelernt, dass die Länder bereit sind, einige Kröten zu schlucken, wenn es ächzt und knirscht im Gefüge, sich anzupassen und relativ schnell verbessernde Regelungen auf den Weg zu bringen. Bei einer Wette wäre ich bereit zu sagen, dass es den Euro auch in zehn Jahren noch geben wird, mindestens mit der derzeitigen Zahl der Mitglieder. Der Euro wird sich weiterentwickeln müssen und die politische Bereitschaft wird da sein, weitere Schritte zu gehen. Zum Beispiel ein Eurozonenbudget einzurichten oder einen europäischen Währungsfonds.

Was macht Sie da so sicher?

Das politische Kapital, das man in den Euro investiert hat, ist so groß, dass man keinesfalls akzeptieren wird, dass dieser wichtige Schritt der europäischen Integration infrage gestellt oder gar rückabgewickelt wird. Das wird nicht passieren. Das beste Beispiel ist die Lösung des Griechenlandproblems. Dort ist allein die politische Vereinbarung getroffen worden, das Land in der Eurozone zu behalten, gegen jede ökonomische Vernunft.

Herr Draghi sagte ja: Whatever it takes …

Whatever ist takes! Und es sind noch Silberkugeln im Lauf.

Derzeit sind wir auch in einem Umfeld, solche Krisenherde meistern zu können: Die Wirtschaft in der Eurozone boomt, in Deutschland spricht der internationale Währungsfonds von einer Hochkonjunktur. Welche Risiken sehen Sie für das Wirtschaftswachstum? Könnte es in Europa zu einer harten Landung kommen oder übernimmt der alte Kontinent die wirtschaftliche Führungsrolle der Industrienationen?

Wenn er diese Rolle nicht schon hat … ! Wenn wir uns die ökonomischen Abwärtsrisiken anschauen, dann schaue ich nach Amerika. Ich sehe keinen Grund, warum Europa eine harte Landung haben sollte. Wir sehen hingegen einige Volkswirtschaften mit Nachholpotenzial. Warum sollte Spaniens Wirtschaft nicht um drei Prozent wachsen, nachdem es durch eine schwere Rezession gegangen ist? Und Deutschland läuft tendenziell so gut wie seine Nachbarn. Wir leben nach wie vor von den Strukturreformen der frühen 90er Jahre, sind aber weiterhin gut aufgestellt. Und wenn Italien es schafft, eine neue Regierung  zu bilden, könnte auch dort die Wirtschaft wieder wachsen. Das ist eine große Herausforderung, zugegebenermaßen.

Und zu ihrem Blick in die USA?

Das ist für mich die große Unbekannte im Moment. Es ist keine Frage, dass die Wirtschaft derzeit gut läuft. Die große Frage ist aber, wieviel eine Trump-Regierung noch obendrauf packen kann – oder muss. Trump spricht allerdings davon, dass die Wirtschaft in Scherben liege, obwohl das Wachstum bei zwei Prozent liegt. Kommt es zu einem Mehrwachstum durch die Maßnahmen, die Trump angekündigt hat, etwa über den massiven Ausbau der Infrastruktur? Falls nein, gehe ich davon aus, dass Europa unter den Industrienationen im Schnitt stärker wächst als die anderen Regionen und in etwa so wie die USA.

Einer der prominentesten Fondsmanager der Welt, Bill Gross, hat die heutigen Risiken an den Finanzmärkten als ähnlich hoch eingestuft wie die zu Beginn der Finanzkrise 2008. Die Preise seien mittlerweile zu hoch für die Ertragsaussichten, und die Zentralbanken trieben mit ihrer Zinspolitik die Aktien- und Immobilienmärkte immer weiter in die Höhe, während echtes Wirtschaftswachstum gehemmt würde. Wie ist Ihre Einschätzung?

Die Einschätzung, dass wir uns in einer ähnlich gefährlichen Situation befinden wie Anfang 2008 kann ich überhaupt nicht teilen. Ich tue mich auch schwer, die genannten Gründe nachzuvollziehen. 2008 war eine sehr gefährliche Situation, da niemand wusste, in wie vielen Portfolien Werte liegen, die nur einen Bruchteil dessen wert sind, was daraufsteht. Die Bilanzen vieler Banken, aber auch von Versicherungen und so mancher Fonds waren voll von höchst fragwürdigen Konstrukten. Darunter vor allem viele Arten forderungsbesicherter Wertpapiere wie ABS, die Rating-Agenturen viel besser bewertet hatten als sie es tatsächlich waren. So waren viele Bilanzen auf völlig fiktive Volumina aufgebläht. Eine solche Situation kann ich heute beim besten Willen nicht erkennen.

 
Einen Kommentar schreiben
Wir freuen uns über Ihre Kommentare. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

CAPTCHA Bild zum Spamschutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
* Pflichtfelder
 
 
Anzeige
Anzeige