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Anlage
17.10.2012

Im Gespräch: „Das Angebot an High-Yield-Renten-ETF dürfte kräftig steigen“

Neue Rentenindizes und Renten-ETF schicken sich an, den Anlagemarkt zu erobern. Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse bei Thomson Reuters/Lipper für Europa, den Mittleren Osten und Afrika, gibt Ausblicke auf das Segment, auch vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise im Euroraum, der anhaltenden Niedrigzinspolitik und der Nachfrage nach Schwellenländeranlagen.

Herr Glow, unter den börsennotierten Indexfonds liegt zwar der Schwerpunkt auf Aktien-ETF. Unter den Anbietern scheinen nun aber Renten-ETF immer mehr Thema zu werden. Würden Sie das bestätigen?
Ja. Aktien-ETF waren für Anbieter schneller umsetzbar, sie waren einfacher zu erklären und auch leichter abzubilden. Mittlerweile gibt es allerdings einen Trend in Richtung Renten-ETF im Zuge der Anlageanforderungen aus dem Markt. Besonders im Standardindexbereich gibt es seit einiger Zeit Renten-ETF. Künftig werden wir meiner Ansicht nach den Schwerpunkt bei Neuauflagen und bei Mittelzuflüssen in Renten-ETF sehen.

Sehen Sie eine steigende Nachfrage nur bei institutionellen Investoren oder auch bei Privatanlegern?
Sehen wir Privatanleger in ETF? Das ist die spannendere Frage!

Hierzulande sind Privatleute bislang kaum in ETF investiert. Aber vielleicht steigt ihr Anteil mit breiteren Segmenten ...
Wenn der Bereich Renten-ETF anzieht, folgen Institutionelle wie Private. Im Schwerpunkt werden es allerdings weiterhin institutionelle Anleger sein. Standardbondindizes sind inzwischen abgebildet, weshalb bei künftigen Indizes vor allem neue Strategien ins Spiel kommen dürften. Im laufenden Jahr etwa kamen Eurozonen-Indizes ohne Griechenland, ohne Spanien, ohne Italien auf den Markt. Da ist großer Bedarf von institutioneller Seite vorhanden. Wenn das Niedrigzinsumfeld weiterhin bleibt, worauf vieles hindeutet, werden Strategie-Renten-ETF automatisch interessanter. Die US-Notenbank Fed hat verkündet, bis 2015 ihre Niedrigzinspolitik fortzusetzen, die Europäische Zentralbank dürfte ebenfalls keine großen Spielräume haben. Das Gleiche gilt für die Bank of England. Und Japan ist seit 15 Jahren im Zinstief.

Welche Strategien sehen Sie außerdem noch kommen? Zum Beispiel auch verstärkt Absolute-Return-Ansätze?
Bei diesem Punkt haben wir wieder die übliche Definitionsfrage: Was ist „Absolute Return“ und was ist „Total Return“? Von der Definition her ist alles, was mit Anlagen aus einer Anlageklasse Gewinn erzielen will, Total Return. Alles, was versucht, wirkliche absolute Erträge zu erzielen, was also im Anlagegrundsatz oder in den Strategiegrundlagen festgemacht ist, ist Absolute Return. Auch bei Renten-ETF wird es diese Ansätze geben – wobei sie in den Bereich aktive ETF fallen dürften, nicht passive. Derzeit kann allerdings keiner sagen, ob sich aktive ETF im Zuge der Esma-Regulierung künftig noch Indexfonds nennen dürfen.

Sie beziehen sich auf die Guidelines der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde Esma zu Ucits-ETF …
Richtig. Da müssen wir noch sehen, wie es sich letztlich entwickelt. Das US-Investmenthaus Pimco hat in den USA umgerechnet etwa sechs Milliarden Euro eingesammelt mit Total-Return-ETF. Daran sehen Sie, dass solche Strategien erfolgreich sein können. Dort muss man allerdings dazusagen, dass die Mittelflüsse zum Teil „rechte Tasche, linke Tasche“ waren. Mittel aus dem „normalen“ Total-Return-Fonds sind in den ETF geflossen, auch da Letzterer eine bessere Performance gezeigt hat. In diesem Fall sieht man aber auch ein generelles Problem bei Strategie-ETF: Der Pimco-Publikumsfonds hält um die 1.600 Wertpapiere, der ETF 200. Anbieter müssen, um bei ETF kosteneffizient zu sein, die Anzahl der Wertpapiere einschränken. Die Wertpapieranzahl ist auch ein Problem bei den herkömmlichen Rentenindizes: Sie sind sehr breit und enthalten auch nichtliquide Papiere. Auch deshalb wird es Veränderungen auch auf der Indexseite geben. Die neueren Indizes sind bereits so aufgebaut, dass sie investierbar und liquide sind. Ein nächstes Problem, das sich bereits abzeichnet, ist, dass wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase viele langfristigen Anleihen ausgegeben werden. Was machen Sie als Indexanbieter, wenn Ihnen ein Anleihensegment in drei bis fünf Jahre austrocknet? Diese Fragestellungen sind derzeit große Themen im Rentenindex- und -ETF-Bereich.

Welche Ansätze dürften außerdem bald kommen?
Vor kurzem kamen die ersten Einzelländer-Renten-ETF, mit Staatsanleihen aus jeweils einem Land, wobei mehrere europäische Länder vertreten sind. Das dürfte aber ein temporäres Thema sein. Anders herum dürften Indizes und ETF mit Strategien „Eurozone ohne Peripheriestaaten“ anhaltend Bestand haben. Dazu dürften Ansätze kommen mit den Feldern „High Yields“, „Unternehmensanleihen“ und „Emerging-Market-Bonds“. Letztere sind anders zu sehen als High Yields, da im High-Yield-Bereich die Risiken teils höher sind als in Emerging Markets. Ein nächster Megatrend basiert darauf, dass die Kreditwürdigkeit von Schwellenländern steigen dürfte und die von diversen Industrienationen möglicherweise sinkt. Dieser Trend ist allerdings auf Sicht von zehn, 15 Jahren zu sehen.

Was sind die maßgeblichen Gründe, dass immer mehr Renten-ETF auf den Markt kommen? Sind Aktien-ETF ausgereizt?
Im Aktienbereich ist vieles bereits abgedeckt, ja. Bei der Frage, warum einige ETF eher klein sind, zeigt sich mitunter, dass sie im Zweifelsfall ihrer Zeit voraus sind. Marktteilnehmer können mittlerweile zum Beispiel ausgewählte Industriesektoren in Emerging Markets als taktische Allokationen spielen. Dafür sind diese Produkte auch gemacht und gedacht. Meiner Ansicht nach sind ETF hierfür auch die geeigneten Vehikel. Auf der Rentenseite haben wir dagegen noch sehr viele weiße Flecken. Derzeit sind die Hauptwährungsräume abgedeckt, die Hauptindizes und bestimmte Laufzeitenbänder als Strategien. Der Blick auf die Produkte, die es heute gibt, zeigt, dass es zum Beispiel nur wenige High-Yield-ETF gibt. Das Angebot dürfte kräftig steigen, zumal institutionelle Investoren und zu einem kleinen Teil auch Privatleute in diesen Markt drängen. Ein institutioneller Investor, der vier Prozent nach Kosten pro Jahr ausschütten muss und 1,75 Prozent auf Staatsanleihen bekommt, muss Alternativen suchen. Dann kann allerdings das Problem auftauchen, dass es zu wenige Anleihen gibt und ein Teil davon für einzelne Investoren nicht verfügbar ist. Indexanbieter werden also Indexkonstrukte, die einfacher zu investieren sind, entwickeln. Oder es gibt künftig mehr ETF im Swap-Bereich als im Segment physisch replizierender Produkte.

Bislang teilen sich nicht allzu viele Anbieter den Rentenindex- und Renten-ETF-Markt. Sehen Sie neue Markteintritte?
Es ist nicht mehr so einfach, wie es einmal war. Der Ansatz „Wir rechnen einen Index und versuchen, ihn zu vermarkten“ funktioniert nicht mehr. Neue Indexanbieter dürften daher aus eher etablierten Kreisen kommen. Pimco etwa verfolgt diesen Weg und wird schon wegen des Anlagevolumens dahinter als Anbieter ernst genommen. Andere bekannte Namen, wie auch Thomson Reuters, betreiben dies bislang mit sehr gedämpfter Fahrt. Das Segment Renten-ETF steckt noch in den Kinderschuhen. Zudem müssen die ETF-Anbieter sich mit einigen grundlegenden Fragen beschäftigen. Bilde ich den zugrundeliegenden Index als ETF-Anbieter synthetisch ab, brauche ich mir um Liquidität in den Anleihen keine Sorgen zu machen. Bilde ich ihn physisch ab, habe ich eventuell das Problem, dass ich nicht alle Anleihen beschaffen kann, also eine Optimierung vornehmen muss. Betreibe ich sogenanntes Sampling, nehme ich also nur einen Teil der Indexwerte in den ETF, kann ich unter Umständen bei der Performance Schwierigkeiten bekommen.

 
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