Die Finanzkrise hat auch viel Gutes hervorgebracht. Zum Beispiel sind Privatanleger kritischer geworden – auch selbstkritischer – und verantwortungsbewusster, was das eigene Denken und Handeln angeht.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang eine Studie der Deutschen Wertpapierservice-Bank zum Verhalten deutscher Privatanleger, über die portfolio international update bereits in der Presseschau kurz berichtete. Die Studie hatte die Käufe und Verkäufe privater Anleger von Aktien aus den Indizes Dax 30, M-Dax, Tec-Dax und S-Dax untersucht. „Privatanleger haben in der Eurokrise so gehandelt, wie es den institutionellen Investoren häufig unterstellt wird: gegen den Trend“, beschreibt Bankvorstand Karl-Martin Brahm eines der Ergebnisse. „Sie haben im Crash zugekauft und dabei besonders bei Banktiteln zugegriffen. Die angeblich ‚schwachen Hände‘ der Privatanleger lassen sich auf dieser Basis in keiner Weise bestätigen.“ Der oft genannte Herdentrieb, dem hiesige Anleger vermeintlich gern folgen, und das Urteil, dass sie vor allem dann kaufen, wenn die Kurse deutlich gestiegen sind, und verkaufen, wenn sie darniederliegen, treffen nicht zu.
Im Oktober 2011 etwa, als der Dax um mehr als 15 Prozent angestiegen war, gab es laut der Studie 26 Prozent mehr Aktienverkäufe als Käufe. Im „Crashmonat“ August 2011 dagegen, als der Index rund 21 Prozent verlor, übertrafen die Aktienkäufe die Verkäufe um 91 Prozent. In anderen Phasen allerdings, etwa kurz nach dem Tsunami und der Reaktorkatastrophe in Japan, folgten die Privatanleger dem Börsentrend.
Dennoch: Die Aktionäre sind offenbar besser als ihr Ruf. Die Devise „In guten Zeiten verkaufen und in schlechten Zeiten kaufen“ haben sie in die Tat umgesetzt. Das schlechte Börsenjahr 2011 war insgesamt für Privatanleger ein Aktienkaufjahr, lautet ein zusammenfassendes Urteil der Studie. Damit wiederholt sich ein Muster, das die Bank in früheren Untersuchungen ab Herbst 2008 festgestellt hat: Die Aktionäre sind bei Börseneinbrüchen als Käufer unterwegs. Und das in Zeiten, in denen auch Berater und Profis stark verunsichert sind.
portfolio international 10.02.2012




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