portfolio international MAGAZIN

Portfolio International

portfolio international

Ausgabe 03/2016

Fondspolicen? Neue Klassik? Indexpolicen?

...mehr


Verlagsprodukte

Arbeitskraftabsicherung: Die neue Vielfalt

...mehr


Digitalisierung: Wandel ist in vollem Gange

...mehr

 



Alles zum Thema
BÖRSE & FINANZEN
finden Sie hier

DAX
Chart
DAX 10.599,00 -0,23%
TecDAX 1.725,50 -0,29%
EUR/USD 1,1274 +0,09%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Wertpapiersuche

Aktien Tops & Flops

SAP 77,46 +0,29%
INFINEON 15,27 +0,23%
FMC 80,50 +0,21%
THYSSENKRUPP 21,10 -0,51%
LUFTHANSA 10,70 -0,13%
DT. TELEKOM 15,02 -0,07%

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
AXA IM Fixed Incom RF 203,17%
Structured Solutio AF 126,86%
Morgan Stanley Inv AF 126,14%
Crocodile Capital MF 124,77%
Stabilitas PACIFIC AF 121,89%

mehr

Beratung
27.05.2014

Helvetia mit Änderungskündigungen bei Unfallpolicen

Wolfram Wrabetz

Makler kommen aus dem Staunen nicht heraus. Nachdem ihnen die Condor Allgemeine kürzlich mitgeteilt hatte, dass es für ihre Kunden zu Änderungskündigungen ab 1. Juli kommt, setzt nun die Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG, Direktion für Deutschland, solche Schritte schon ab Mai um.

Die Helvetia will offenbar aus ihren alten Unfallpolicen herauskommen, obwohl ja gerade die Unfallsparte die „Cashcow“ der Schadenversicherer ist. „Die Umstellung von Unfallverträgen auf altersgerechte Unfallprodukte drängt sich mit steigendem Alter immer mehr auf“, beginnt der Versicherer seinen Kundenbrief scheinbar harmlos. Dann wird die Umstellung auf die hauseigene Police „Vital“ samt dem Baustein „Aktiv + fit“ schmackhaft gemacht, die zwischen 55 und 80 Jahren abschließbar ist.

Danach wird dem überraschten Makler und per Brief dann auch seinem Kunden vor Augen geführt, was passiert, wenn man die Fürsorge der Helvetia nicht zu schätzen weiß: „Reagiert der Kunde nicht, wird nach zwei Monaten ein Erinnerungsschreiben versandt. Das Schreiben enthält nochmals das Änderungsangebot.“ Unternimmt der Kunde dann weiterhin nichts, packt die Helvetia die Axt aus: „Nach dem Erinnerungsschreiben hat der Versicherungsnehmer nochmals sechs Wochen Zeit sich zu entscheiden.“ Nach Ablauf dieser Frist wird ihm dann „eine Kündigung (innerhalb der gesetzlichen Kündigungsfrist) zum Ablauf ausgesprochen“.

Der Versicherer hat es damit auch ziemlich eilig. „Wir beginnen mit unserer Umstellungsaktion ab Mai 2014 bis zur Hauptfälligkeit am 1. Januar 2015“, lässt man die Makler wissen. Erste Adressaten sind übrigens solche Kunden, die ab Mai 2014 das 70. Lebensjahr erreicht haben. Diese Zielgruppe hat Unfallschutz bitter nötig, wird aber gnadenlos herausgeworfen, sofern das neue Produkt nicht akzeptiert wird.

„Zeitnah wird Ihnen eine Liste aller betroffenen Verträge sowie versicherten Personen für das Jahr 2014 zur Verfügung gestellt“, erfährt der Makler von der Helvetia. Der Grund ist klar: „Hiermit haben Sie die Möglichkeit, Ihre Versicherungsnehmer im Vorfeld anzusprechen“, lautet der Auftrag an die Makler. Die stehen zwar im Lager des Kunden und müssen nun durch Marktrecherche prüfen, ob die Umstellung überhaupt im Sinne des Kunden wäre.

Der von Helvetia in Aussicht gestellte Verzicht auf eine erneute Gesundheitsprüfung bei der Umstellung dürfte als Überzeugung nicht ausreichen. Auch die Mitversicherung von 1.500 Euro Schmerzensgeld bei Oberschenkelhalsbrüchen zieht als Argument nicht (andere zahlen da eine echte Invaliditätsleistung). Und der Preis? „Vital“ kostet bei 75.000 Euro Invaliditätsleistung, 10.000 Euro Todesfallleistung, mehreren Hilfsleistungen nach Unfall, Krankenhaustagegeld und Genesungsgeld von 10 Euro pro Tag letztlich 14,15 Euro Monatsbeitrag. Bucht man den Baustein „Aktiv + fit“ dazu, sind es 4,85 Euro Monatsbeitrag mehr. Macht zusammen 228 Euro pro Jahr – nicht gerade billig für einen Altersrentner. Die Stiftung Warentest ordnete das Angebot Mitte 2013 als allenfalls „eingeschränkt empfehlenswert“ ein, wobei auch der relativ hohe Preis auffiel.

portfolio international hat beim Helvetia-Hauptbevollmächtigten, Professor Dr. Wolfram Wrabetz, nachgefragt. Wir wollten wissen, warum sich die Änderungskündigungen gerade gegen die Zielgruppe ab 70 wenden, die ja vernünftigen Unfallschutz gut gebrauchen können. Uns hat auch interessiert, ob Helvetia mit der Aktion nicht riskiert, Kunden zu verlieren, wo Makler doch angesichts des Umstellungsangebots zur Marktrecherche verpflichtet sind und ihren Kunden nun eher Konkurrenten empfehlen könnten. Schließlich fragten wir uns und den Helvetia-Chef, ob das Unternehmen etwa seine klassischen Unfallbestände sanieren muss? Dies wäre angesichts des in der Branche sehr profitablen Unfallgeschäfts sehr ungewöhnlich.

Die Antworten waren wenig konkret. Man biete nun "zeitgerechten Versicherungsschutz, der den gestiegenen Anforderungen der Zielgruppe verstärkt Rechnung trägt". Immerhin ist Helvetia in einem Punkt sehr ehrlich: "Aufgrund der altersbedingt stark veränderten Risikosituation sind wir - im Sinne der Versichertengemeinschaft - leider nicht in der Lage, den bisherigen Versicherungsschutz ohne jede Veränderung weiterzuführen." Mit Verweis auf den gesamten Markt heißt es dann: "Unfallschutz zu vertretbaren Preisen anbieten zu können bedeutet leider, dass man bestimmte sich stark verändernde Risikosituationen nicht unverändert absichern kann."

Kürzlich hatte solche Änderungskündigungen auch die Condor Allgemeine Versicherung-AG, eine Tochter der R+V-Gruppe mit, für Bestände privater Wohngebäude-, Hausrat-, Haftpflicht- und Glasversicherungen umzusetzen begonnen. Dies lief aus Kundensicht häufig auf eine Verschlechterung im Kleingedruckten hinaus.

Ähnliches hatte die Generali Versicherung AG im Herbst 2013 in der Wohngebäude-Sparte versucht, um ihre Bestände zu sanieren. Nach Bekanntwerden der Pläne, die auch eine zusätzliche Prämienerhöhung über den vereinbarten Neuwertfaktor hinaus beinhalten sollte, musste der Vorstand die Art und Weise des Vorgehens überdenken, da in vielen Verträgen gar keine Beitragsanpassungsklausel vereinbart war. Zwei Wochen später wurde die Aktion zurückgezogen.

Detlef Pohl

Weiterführende Links: 

portfolio international update 27.05.2014/gor

 
Einen Kommentar schreiben
Wir freuen uns über Ihre Kommentare. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

CAPTCHA Bild zum Spamschutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
* Pflichtfelder
 
 
Anzeige
Anzeige