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Beratung
20.03.2013

Geisterfahrer hinterlassen Versicherungschaos II

Teil II: Schadenhilfe durch Makler ist ein Reizthema. Kunden wünschen das ausdrücklich, viele Maklerverträge schließen es aus und gerichtlich zugelassene Versicherungsberater feinden das als unerlaubte Rechtsberatung an.

Vorsicht ist geboten, wenn der Geisterfahrer in Selbstmordabsicht handelt. Vorsatz ist von der Kfz-Haftpflichtversicherung nämlich nicht gedeckt. In diesem Fall kann ein Unbeteiligter für Schäden am eigenen Auto allenfalls seine Vollkaskoversicherung einsetzen. Die Teilkaskoversicherung reicht in diesem Fall nicht aus; sie würde nicht zahlen. Die Vollkaskoversicherung zahlt zwar primär bei allen Schäden am eigenen Wagen durch selbst verschuldete Unfälle.

Wenn aber der Kfz-Haftpflichtversicherer des Geisterfahrers wegen Vorsatz (Selbstmord) bei der Schadenregulierung abwinkt – hier sind die Ermittlungsergebnisse der Kriminalpolizei entscheidend –  ist das Opfer gezwungen, so tun, als hätte es seinen Wagen selbst demoliert. Das ist nicht nur ungerecht, sondern verteuert den künftigen Vollkaskoschutz wegen Hochstufung beim Schadenfreiheitsrabatt auch zusätzlich. Aber der Schaden muss wenigstens nicht aus eigener Tasche bezahlt werden, abgesehen vom vertraglich vereinbarten Selbstbehalt.

Wann die Verkehrsopferhilfe einspringt

Besteht eine solche freiwillige Vollkasko-Deckung nicht, springt wie bei Fahrerflucht oder der Insolvenz eines Versicherers die Verkehrsopferhilfe ein. Das ist ein staatlicher Entschädigungsfonds, der schon seit 1963 existiert und aus Beiträgen aller deutschen Autoversicherer gespeist wird. Der Garantiefonds ist eingerichtet worden, um letzte Lücken im Pflichtversicherungsgesetz zu schließen und um die Verkehrsopfer vor Härten zu bewahren.

Jeder kann sich an den Verein wenden; man muss kein Mitglied sein (Verkehrsopferhilfe e.V., Wilhelmstraße 43/43G, 10117 Berlin). Bei Vorsatz, also nachgewiesener Selbstmordabsicht des Geisterfahrers, kommt der Verein für Sach- und auch Personenschäden auf. Er reguliert die erhobenen Ansprüche aber nicht selbst, sondern schaltet ein Mitgliedsunternehmen ein, das die Autohaftpflichtversicherung als Erstversicherer betreibt. Lässt sich mit dem Geschädigten eine Einigung über Grund und/oder Höhe nicht erreichen oder liegen die berechtigten Ansprüche über einem bestimmten Limit, so entscheidet eine beim Verein gebildete Regulierungskommission. Dieser Service ist für den Geschädigten kostenlos.

Was bei Folgeunfällen zu beachten ist

Doch zurück zum Crash mit einem Geisterfahrer. Hier kommt es in der Praxis oft zu Folgeunfällen auf der Autobahn. Wenn Fahrer im Nebel ein Ausweichmanöver ausführen müssen, um nicht in die Unfallstelle hineinzufahren, tritt nicht automatisch die Kfz-Haftpflichtversicherung des Geisterfahrers ein. Stattdessen müssen zunächst die näheren Umstände geklärt werden. Wenn zum Beispiel die ausweichenden Fahrzeuge keinen ausreichenden Sicherheitsabstand hatten oder zu schnell fuhren, gelten sie für die Folgeunfälle als Verursacher und müssen ihre eigene Versicherung in Anspruch nehmen. Motto: Wer auffährt, hat Schuld.

Wie auch immer: Betroffene von Unfällen mit Falschfahrern werden sich in aller Regel in ihrer emotionalen Notlage auch an „ihre“ Versicherungsvermittler oder direkt an die Versicherer wenden.  Für Versicherungsmakler gilt: „Nach der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) ergibt sich aus dem Maklervertrag keine Dauerverpflichtung zur Beratung“, sagt Norman Wirth. „Natürlich sollten Makler ihren Kunden zur Seite stehen und auch Tipps zum bestmöglichen Umgang mit den akuten Fragen geben, aber bei der konkreten Schadenhilfe vorsichtig sein“, ergänzt Wirth, der zugleich geschäftsführender Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung ist.

Gefahr unerlaubter Rechtsberatung

Aus dem Gesetz ergeben sich keine zwingenden Betreuungspflichten und etwa ein Anspruch auf Schadenhilfe des Kunden gegenüber dem Makler. „Es gibt lediglich eine Beratungspflicht durch den Makler vor Vertragsabschluss nach Paragraf 61 VVG, aber dies meint die Beratung zum Versicherungsschutz generell, nicht zur Schadenregulierungshilfe konkret“, sagt Wirth, der als Fachanwalt für Versicherungsrecht auch die Kanzlei Wirth-Rechtsanwälte unterhält. In 99,9 Prozent aller Maklerverträge sei jedoch freiwillig schriftlich vereinbart, dass der Makler den Kunden für die Dauer des Vertrages berät und im Schadensfall unterstützt. In der Regel werde Hilfe im Schadenfall sogar gratis geleistet, obwohl die Schadenbearbeitung viel Zeit kostet. Mit der Bestandscourtage habe dieser Service jedenfalls nichts mehr zu tun. „Soll der Maklerauftrag bis zur Hilfe im Schadensfall reichen, ist es sinnvoll dafür ein gesondertes Honorar von zum Beispiel 50 Euro pro Stunde zu vereinbaren“, empfiehlt der Anwalt.

Permanente Beratungspflicht und damit Betreuungspflicht leitet sich ohne schriftlichen Vertrag allenfalls aus dem faktischen Verhalten des Maklers ab. Hilfe im Fall, dass der Kunde Opfer eines Geisterfahrer-Unfalls wurde, sei menschlich verständlich und vernünftig. Der Makler kann seinem Kunden auch praktisch bei der Schadenmeldung helfen. „Wer sich als Makler auf einen umfangreichen Schriftwechsel mit dem Versicherer einlässt, ist aber schneller in der Haftung, als er denkt“, warnt Wirth. Zudem schwebt er relativ schnell in der Gefahr, unerlaubte Rechtsberatung zu betreiben. Da Unfallopfer von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers einen Anwalt bezahlt bekommen, sollte der Makler seinem Kunden den Tipp geben, die Rechtsberatung dort einzuholen.

portfolio international, 20.03.2013

 
Detlef Pohl
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