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Ausgabe 03/2017

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Beratung
13.06.2017

Folgen aus der bAV-Reform

Andreas Buttler

Am 1. Juni beschloss der Bundestag das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG). Zeitgleich berieten Experten auf dem HDI-bAV-Expertenforum 2017 in Köln, welche Folgen dies für den Beratungsalltag hat. Der HDI kündigte Angebote für eine Tarifpartner-Rente sowie die Riester-bAV an.

Andreas Buttler ermunterte die anwesenden rund 100 Makler, Berührungsängste mit dem BRSG abzustreifen. „Arbeitgeber benötigen mehr denn je einen qualifizierten bAV-Betreuer“, dokumentierte der Gesellschafter der Febs Consulting GmbH, ein unabhängiger Sachverständiger für bAV sowie gerichtlich zugelassener Rentenberater, anhand zahlreicher gesetzlicher Neuerungen. Beispiel: 15 Prozent Arbeitgeberzuschuss, soweit durch die Entgeltumwandlung SV-Beitrag gespart wird: „Die Neuregelung ist überfällig, denn es kann doch nicht sein, dass sich Arbeitgeber an der Entgeltumwandlung ihrer Arbeitnehmer bereichern“, so der bAV-Fachmann. In der Praxis müssten nun Lösungen her, wie die fortschrittlichen Arbeitgeber, die oft bereits zehn Prozent Zuschuss leisten, unbürokratisch auf 15 Prozent aufstocken können, ohne dass der dafür eigentlich nötige neue Vertrag abgeschlossen werden muss.

Der bAV-Gutachter in der Entgeltumwandlung mit Arbeitgeberzuschuss, kombiniert mit der verdoppelten steuerlichen Förderung, den wichtigsten Wert des BRSG. Für neue Entgeltumwandlungen ab 2019 gelten die 15-Prozent-Zuschusspflicht und die sofortige gesetzliche Unverfallbarkeit. Für den Bestand einschließlich neuer Vereinbarungen bis Ende 2018 kommt diese 15-Prozent-Zuschusspflicht des Arbeitgebers erst 2022. Bis dahin gewährte Zuschüsse unterliegen dann auch nicht zwingend einer sofortigen gesetzlichen Unverfallbarkeit. In Zukunft sei es am effektivsten, Entgeltumwandlung als Direktversicherung sofort mit unwiderruflichem Bezugsrecht und Unverfallbarkeit der Ansprüche auszustatten, schlug Buttler vor.

Buttler vertrat die These, dass die alten, pauschal besteuerten Direktversicherungen (nach Paragraf 40b EStG) neuen Auftrieb bekommen könnten. Ab 2018 kann jeder Arbeitnehmer jederzeit einen neuen 40b-Vertrag abschließen, wenn er „irgendwann in seinem Leben“ schon einmal einen bAV-Beitrag nach 40b pauschal besteuert hat.  Um diese Voraussetzung zu erfüllen, muss im Einzelfall „die 40b-Fähigkeit noch dieses Jahr erzeugt werden“, so Buttler.

Gemeint war damit: Wer schon eine alte Versorgungszusage von vor 2005 besitzt, kann 2017 noch eine Direktversicherung nach Paragraf 40b abschließen. Wer schon eine 40b-Police besitzt, kann 2018 einen weiteren Vertrag nach Paragraf 3 Nr. 63 EStG abschließen, um die erhöhte Förderung von 8,0 Prozent bis zur Beitragsbemessungsgrenze West der Rentenversicherung auszuschöpfen. „Dabei wird dann die 40b-Förderung auf die künftige 8-Prozent-Förderung angerechnet“, meinte Buttler.

Er gab der neuen Sozialpartnerrente keine gute Note: „Fehlende Garantien werden von Arbeitnehmern derzeit noch nicht akzeptiert.“ Den Maklern rief er zu, Informationen über die Beitragszusage als Türöffner zu nutzen. „Eine gute Direktversicherung ist für den Arbeitgeber wirtschaftlich auch eine Beitragszusage.“ Die neuen Rahmenbedingungen des BRSG will der HDI dennoch mit neuen Strategien umsetzen, betonte Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender der Talanx Pensionsmanagement und verantwortlich für bAV bei HDI. „Wir sehen im BRSG große Chancen – sowohl für die Sozialpartnermodelle als auch klassische bAV“.

Der HDI stehe als Anbieter für individuelle Sozialpartnermodelle bereit und werde eine Zielrentenlösung über einen Pensionsfonds anbieten, blickte von Löbbecke voraus, der auch Vorstand der PB Pensionsfonds AG ist. Das Gesetz werde „einen Gruppenzwang auslösen“. Die ursprünglich avisierte Zielgruppe der bAV-Reform werde mit dem Sozialpartnermodell allerdings nicht erreicht. Kleine und mittlere Unternehmen unterliegen in der Regel keinem Tarifvertrag und können höchstens auf das Sozialpartnermodell optieren, wenn sie denn wollten. Neun Millionen Arbeitnehmer ohne bAV seien in nicht-tarifgebundenen Firmen tätig. Diese Betriebe können und sollten weiterhin die bewährte klassische bAV nutzen.

„Für Geringverdiener ist die Kombination von Arbeitgeberzuschuss, Riester-bAV und Geringverdiener-Förderung unschlagbar“, glaubt von Löbbecke. Daher werde der HDI 2018 auch eine Riester-bAV anbieten. Hintergrund: Für betriebliche Riester-Renten entfällt in der Auszahlungsphase die bisherige SV-Pflicht; sie werden fortan wie private Riester-Renten behandelt. Zudem werden Riester-Renten ab 2018 in der Ansparphase stärker gefördert: Die Grundzulage steigt von 154 auf 175 Euro pro Jahr.

Wichtig: Es wird eine Freigrenze bei Anrechnung der Grundsicherung eingeführt. „Damit entfällt das Argument, dass sich Altersvorsorge für Geringverdiener nicht lohnt“, betonte von Löbbecke. Hintergrund: Bei der Grundsicherung im Alter wird ein Freibetrag eingeführt. Im Moment wären dies rund 202 Euro monatliches Schonvermögen bei der Zusatzrente. Bislang ist es so, dass sich die staatlich geförderte Altersvorsorge für Geringverdiener oft gar nicht gelohnt hat, weil die Riester-Rente auf die Grundsicherung angerechnet wurde.

Detlef Pohl

(Bild: HDI)

Weiterführende Links:

portfolio international update 13.06.2017

 
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