Alexander Kling
FRANKFURT – Die Absenkung des Rechnungszinses im kommenden Jahr wirkt sich auch auf das Gefüge der Drei-Topf-Hybriden aus. „Sie führt dazu, dass die Garantie in konventionellen Bausteinen von Hybridprodukten sinkt“, erläutert Alexander Kling vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm. „Bei statischen Hybridprodukten sinkt dadurch die Fondsquote. Für dynamische Hybridprodukte bedeutet dies, dass sich die erwartete Aktienquote verringert, weil der Barwert der Garantie, mit dem das aktuelle Kundenguthaben verglichen wird, steigt.“ Allerdings sollten seiner Meinung nach diese Auswirkungen in üblichen Konstellationen nicht drastisch ausfallen.
Der Effekt des abgesenkten Rechnungszinses ist nach Auffassung von Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Lebensversicherung, kleiner, als man denkt. „Die Versicherer steigen bei den dynamischen Hybriden am Anfang immer mit einer Anlage im Deckungsstock ein. Die Zeitstrecke, in der man aus dem Deckungsstock herauskommt, betrug bei einem Rechnungszins von 2,25 Prozent und einer Laufzeit von 30 Jahren etwa sieben Jahre. Diese Frist erhöht sich bei einem Garantiezins von 1,75 Prozent auf neun bis zehn Jahre“, hat Heinen ermittelt.
Nicht alle in der Branche schätzen die Auswirkungen der Rechnungszinssenkung auf die dynamischen Hybride so gering ein. „Dynamische Hybride werden fast zwangsläufig eine vergleichsweise niedrigere Aktienquote bekommen“, stellt Ferdinand Haas, Head of Product Strategy bei DWS Investment, fest. Auch Jens Göhner, Produktmanager bei der Stuttgarter Lebensversicherung, räumt ohne Umschweife ein, dass es bei einem abgesenkten Rechnungszins schwieriger wird, die erforderlichen Garantien zu erzeugen: „Der Versicherer kann weniger diskontieren, daher braucht er mehr Geld im Deckungsstock. Im Gegenzug fließt weniger in die Fonds. Das Produkt wird also tendenziell klassischer.“
„Wir haben uns die Chance-Risiko-Profile bei den beiden Zinsszenarien angesehen. Wenn wir die Produktgestaltung belassen wie bisher, dann fallen diese Profile schon erkennbar unterschiedlich aus.“ Bei kürzeren Laufzeiten werde man wohl an der Abschlusskostenschraube drehen müssen. „Für Verträge bis 15 Jahre könnten zum Beispiel nicht die vollen Abschlusskostensätze von vier Prozent einkalkuliert und ausgezahlt werden, sondern nach Laufzeit gestaffelt geringere Sätze.“ Auch die übrige Kostenstruktur wird in vielen Fällen angepasst werden müssen.
(Mehr dazu lesen Sie in der neuen Ausgabe von portfolio international, die am 16. November 2011 erscheint.)
portfolio international update 15.11.2011/kmo/gcu




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