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Vorsorge

04.03.2013

Die neue Welt der PKV – teurer und besser I

Teil I: Für die private Krankenversicherung war die Einführung von Unisextarifen mehr als nur eine Rechenaufgabe. Sie hat sich auch im Wettbewerb mit den gesetzlichen Kassen neu auf- und auf die Zinssituation eingestellt. Wie Anfang des Jahres die neue Tarifwelt nun aussieht.

Dumm gelaufen: Michael und Gerlinde P. erleiden im Sommer 2012 bei einem schweren Auffahrunfall auf dem Berliner Ring,  Autobahn A10, erhebliche Verletzungen. Beide werden mit Notarztwagen ins Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn transportiert. Der Rettungsdienst stellt für beide Fahrten getrennte Kostenrechnungen aus. Doch welche Überraschung: Bei Kassenmitglied Michael P. übernimmt dessen gesetzliche Kasse die Rechnung anstandslos, während seine privat versicherte Gattin Gerlinde auf den Kosten sitzenbleibt. Ihre private Krankenversicherung zahlt nicht, denn ihr Tarif sah die Kostenerstattung bei Krankentransporten nicht vor.

Schwächen der alten PKV-Welt
Nur ein Beispiel von vielen, bei denen Leistungen von Tarifen der privaten Krankenversicherung (PKV) hinter denen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zurückbleiben. Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen: Rollstühle, Krücken, Kuren, orthopädische Spe­zial­schuhe, Vorsorgeuntersuchungen, ambulante psychologische Behandlung, Suchtbehandlungen oder Anschlussheilbehandlungen – häufig müssen Privatversicherte erleben, dass sie auf den Kosten sitzenbleiben, Kassenpatienten jedoch nicht. Als der Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski zusammen mit der Beratungsfirma Premiumcircle im Frühjahr vergangenen Jahres die Untersuchung „GKV/PKV-Systemgrenze: Bestandsaufnahme“ auf den Markt gebracht hatte, nach der angeblich mehr als 80 Prozent der Tarifsysteme der PKV weniger als die GKV leisten, war der Aufschrei groß – auf beiden Seiten.

Bei den PKV-Kritikern, die daraus den üblichen Schluss zogen, sie hätten es ja schon immer gewusst: Die PKV sei überflüssig. Und natürlich bei der PKV, die sich wieder mal von vermeintlich böswilligen Ideologen aus dem Lager der gesetzlichen Kassen zu Unrecht verunglimpft sah. Man konterte mit dem Hinweis, dass es bei den Privaten im Unterschied zu den Kassen Wahlfreiheit gibt und jeder Patient sich die Leistungen auswählen kann, die er wünscht. Nicht jeder PKV-Versicherte habe eben auch alles gewählt. Und nicht jeder durfte das. „Bei älteren Tarifen, die moderne medizinische Leistungen oder Hilfsmittel naturgemäß noch nicht beinhalten können, werden die Kosten dafür in der Regel auch erstattet“, behauptete PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach.

Sehr sicher waren sich die PKV-Strategen ihrer Position allerdings nicht, denn sie gründeten umgehend einen Arbeitskreis. Er erarbeitete Mindestleistungen für die PKV-Vollversicherung, die die gröbsten Defizite im Vergleich zur GKV beheben sollen. „Wir wissen, dass es beim Leistungsumfang von einigen PKV-Tarifen auch ein paar Problempunkte gibt. Das betrifft vor allem die Debatte über geschlossene Hilfsmittelkataloge und über die Absicherung der ambulanten Psychotherapie“, räumte der PKV-Verbandsvorsitzende Reinhold Schulte ein und kündigte im Herbst letzen Jahres an: „Sie können damit rechnen, dass viele PKV-Unternehmen im Zusammenhang mit der anstehenden Umstellung auf Unisextarife zum Dezember 2012 ihre Tarife auch mit Mindestleistungen versehen werden, mit denen die genannten Kritikpunkte ausgeräumt werden.“

Start in die neue PKV-Welt
Das Ergebnis ist jetzt zu besichtigen. Doch Unisextarife und Mindestbedingungen sind nicht die einzigen Veränderungen. Allgemein spricht man in der Branche vom Start der PKV in eine „neue Welt“. Auf einem Workshop des PKV-Informationsdienstleisters KVpro in Berlin Ende November 2012 erläuterte Olav Herøy, Vorstand der Huk-Coburg Krankenversicherung, wie komplex die Sache ist. Insgesamt vier Komponenten gingen in die neuen Tarife ein: Erstens natürlich die geschlechtsneutrale Beitrags­berechnung zum gewichteten Durchschnittstarif, wobei auch die voraussichtliche Geschlechterstruktur des Tarifs unbedingt berücksichtigt werden muss. Während bei normalen Erwachsenentarifen mit einer annähernd hälftigen Zusammensetzung zu rechnen ist, setzen sich Beamtentarife aus 75 Prozent Männern und 25 Prozent Frauen zusammen. Dazu kommt ein Risikoausgleich für voraussichtlich in die neuen Unisextarife wechselnde jüngere weibliche Versicherte.

Berücksichtigt werden zweitens die bisher noch nicht nachgeholten Beitragssteigerungen für Tarife, bei denen die Kostensteigerungen in den vergangenen Jahren unter zehn Prozent lagen. Ein dritter gewichtiger Faktor für den neuen Unisexbeitrag ist der Rechnungszins. Fast alle Versicherer haben mit der Einführung von Unisextarifen 2013 auf Empfehlung der Deutschen Aktuarvereinigung wegen der Niedrigzinssituation an den Finanzmärkten den Rechnungszins von 3,5 auf 2,75 Prozent abgesenkt. Ausnahmen sind die R+V Krankenversicherung AG, die keine Angaben über den Zeitpunkt der Erhöhung macht, die Landeskrankenhilfe, die sich grundsätzlich nicht zum Thema Rechnungszins äußern möchte und die Gothaer Krankenversicherung, die den Zins der Unisextarife zwar angepasst hat, aus geschäftspolitischen Gründen aber die Höhe nicht verrät. Die Hallesche hat bei Unisextarifen den Rechnungszins sogar auf 2,5 Prozent gesenkt.

Hans Pfeifer
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