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Vorsorge

23.09.2013

Die Fallen des Tarifwechsels I

Versicherte in der privaten Krankenversicherung haben das Recht auf einen Tarifwechsel. Das wird ihnen von den Versicherern mitunter schwergemacht und von „Tarifoptimierern“ unter den Vermittlern missbraucht. Teil I

„Ist Ihre private Krankenversicherung auch zu teuer?“ „Beitragserhöhung in der Krankenversicherung? – Nichts wie raus aus dem Tarif!“ So oder ähnlich lauten die Werbebotschaften im Internet, in elektronischen oder Printmedien. Sie haben Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV) im Visier, denen ihre Beiträge zu teuer geworden sind. Das passiert regelmäßig, vor allem bei alten Tarifen, die viele Versicherte mit sich häufenden Erkrankungen im Bestand haben und bei denen die Versicherungen die Beiträge erhöhen müssen.

Dann erscheint ein Wechsel in einen anderen Tarif mit niedrigeren Beiträgen sinnvoll. Am besten wechseln Versicherte beim bisherigen Unternehmen. „Kunden, die einen Tarifwechsel bei ihrem Versicherer durchsetzen, sparen zwischen 100 und 500 Euro Beitrag im Monat“, urteilte die Stiftung Warentest (Finanztest, Heft 3/2012). Darauf haben die Versicherten nach Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) sogar einen Rechtsanspruch (siehe Kasten). Bei Tarifwechsel im bisherigen Unternehmen bleiben die erworbenen Alterungs­rückstellungen erhalten.

Kein Tarifwechsel möglich ist bei Krankenversicherern, die nur über ein (Bisex-) Tarifwerk verfügen. Dort sind Beitragserleichterungen nur durch die Erhöhung von Selbstbehalten oder durch die Verringerung des Versicherungsumfangs möglich. Dazu gehören die Alte Oldenburger, die Concordia, die Debeka, DEVK, LVM, Provinzial Hannover und die SDK. So weit, so eindeutig.

In der Praxis ist es allerdings komplizierter. Das hat mit zwei Dingen zu tun: Erstens haben die Versicherer kein Interesse daran, dass Kunden aus unattraktiv und teuer gewordenen Alttarifen in neue, preiswertere Tarife wechseln. Der Alttarif wird dadurch für die Verbleibenden nämlich noch unattraktiver, weil noch teurer. Zweitens ist es in aller Regel so, dass die infrage kommenden Wechseltarife mit dem alten Tarif bei den Leistungen nur schwer vergleichbar sind.

Versicherer blocken

Und schon sitzt der wechselwillige Kunde in der Falle, die gleich von zwei Seiten zuschnappt. Die eine Seite besorgen die Versicherer. Zwar müssen die Unternehmen bei einer Beitragsanpassung darauf hinweisen, dass der Versicherte das Recht auf einen Tarifwechsel nach Paragraf 204 VVG hat. Doch damit hat es sich. Denn der Paragraf 204 VVG begründet keinen Auskunfts- und Informationsanspruch des Versicherten. Die Versicherer sind nicht verpflichtet, ihre Kunden auf günstige Alternativen hinzuweisen. Die Versicherten stehen damit erst einmal allein im Tarifdschungel.

Hans Pfeifer

Kommentare

Gerade die Gesellschaften, die immer wieder einen neuen Tarif auf den Markt bringen, gehören aus meiner Sicht zu den schwarzen Schafen. So haben die großen Gesellschaften, wie Allianz, DKV, Central immer wieder neue Tarife auf den Markt gebracht.

Begründung: Solche Gesellschaften kalkulieren zunächst recht billig, indem davon ausgegangen wird, dass die Versicherten nur eine gewisse Zeit beim Unternehmen sind und damit die Altersrückstellungen den anderen Versicherten dann zur Verfügung stehen. Dies war in der Vergangenheit leicht möglich.

Durch die Reform der PKV ist dies in dieser Kalkulationsform nicht mehr möglich. Allerdings sind innerhalb der Beitragskalkulation auch andere Möglichkeiten vorhanden, den Beitrag zu Tarifbeginn niedrig zu kalkulieren.

Gerade die Gesellschaften, wie mehrere Tarifgenerationen haben, sind mit Vorsicht zu genießen. Aus meiner Sicht ist dies höchst unseriös. Denn wenn der Billigtarif nachkalkuliert werden muss, kommt es zu übermäßigen Beitragsanpassungen. Aus diesem Grund kann man nur von diesen Gesellschaften abraten.

Und wer bei einer solchen Gesellschaft heute versichert ist, der sollte auch überlegen, die Gesellschaft zu wechseln. Lobenswert ist in diesem Zusammenhang die Debeka, die nicht mehrere Tarifgenerationen anbietet.

Günstig sind Gesellschaften , die nur eine Tarifgeneration, geringe Abschlusskosten und geringe Verwaltungskosten haben.

 

W. Hoffmann

Pressesprecher und Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins

Forum-55plus.de e.V.

71254 Ditzingen

Im meinem Tagesgeschäft ist zu beobachten, die die Außendarstellung der PKV-Anbieter in den Medien enorm von der realen Verhaltensweise dem betroffenen PKV-Kunden gegenüber abweicht. Im Mai konnte man ein Statement vom Vorstandschef der DKV, Dr. Clemens Muth im Handelsblatt lesen, der sein Onlinetool zur Erleichterung von Tarifwechseln anpries. Gleichzeitig sagte er in Richtung der gesamten Branche, dass man auf Kundenwünsche reagieren müsse und gut beraten wäre, diese Transparenz zu zeigen.

Zeitgleich mit Erscheinen des Artikels habe ich das Mandat eines DKV-Versicherten übernommen, der das Onlinetool genutzt, ein Angebot zur Umstellung mit einem versicherungsmedizinischen Zuschlag vorliegen hatte und dem der Mehrleistungsverzicht mit den Worten verweigert wurde, dass es sich um einen Kompakttarif handle, und da gelte das Angebot nur mit dem Zuschlag.

Als Kunde ist man darauf angewiesen, dass die Informationen des Krankenversicherers vollständig sind und der Wahrheit entsprechen. Gerade bei Tarifwechsel verschwimmen die Grenzen schnell. Beklagenswert ist, dass die Unternehmenskommunikation offenbar nur nach außen gerichtet und intern nicht von oben nach unten vernehmbar ist.

Doch das sind keine Einzelfälle. Regelmäßig Schwierigkeiten gibt es bei der Signal und der Barmenia, die auch gerne den "Münchener Kommentar" bemühen, um Beweise für die Richtigkeit ihrer Argumention anzuführen. Bei der Signal geht es dann auch schon mal um die nicht vorliegende Gleichartigkeit des Versicherungsschutzes aufgrund des fehlenden Bausteins für zahnmedizinische Leistungen, womit der Tarifwechsel rundweg abgelehnt wird. Die Barmenia hingegen führt ihre Kunden bewusst in die Irre mit der Behauptung, dass ein Tarifwechsel in einen geschlossenen Tarif aus aufsichtsrechtlichen Gründen abgelehnt werden müsse.

In der Zeit seit 2001, in der ich mich mit der Thematik Tarifwechsel auseinandersetze habe ich schon viele Taktiken erlebt, die nur eines zum Ziel hatten: den Tarifwechselwunsch des Kunden zu blockieren. Die meisten davon sind unsinnig. Aber in Bezug auf die Antwort der Barmenia hat selbst die Bafin bereits im Oktober 2012 klargestellt, dass Versicherer, die in dieser Weise argumentieren, Fehlinformationen verbreiten.

Angesichts solcher Tatsachen klingt der Aufruf des Continentale-Chefs Helmut Posch beim 13. PKV-Forum in Köln nach Transparenz und Ehrlichkeit gerade zu wie Hohn, wo es doch gerade sein Haus ist, das es seinen Kunden bei Tarifwechsel besonders schwer macht. Da wird bei Vorerkrankungen der bisherige Selbstbehalt zu einem zusätzlichen Leistungsausschluss, weil die beiden letzten Bisextarife besonders preiswert und damit attraktiv für Tarifwechsel sind. Beide Tarife sehen so genannte behandlungsbezogene Selbstbehalte vor, die nach oben gar nicht begrenzt sind, sondern in ihrer Höhe durch das Gesetz nach § 193 VVG definiert werden. Das ist bei hohen Selbstbehalten besonders bitter, denn die Continentale hat Leistungsausschluss und Selbstbehalt einfach kumuliert. Da muss man als Betroffener erst durch alle Instanzen klagen, damit der BGH feststellt, dass eine Kumulation unzulässig ist und Leistungsausschluss und Selbstbehalt allenfalls nacheinander angewendet werden dürfen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie weit die Kluft zwischen Anspruch und Realität ist. Die medienwirksamen Äußerungen der Krankenversicherer entlarven sich bei näherem Hinsehen schnell als Lippenbekenntnis. Die Interessen des einzelnen PKV-Kunden bleiben oft unberücksichtigt . So lange das so ist, so lange haben meine Kollegen und ich viel zu tun.

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