FRANKFURT – Das Jahr 2011 ist für die deutsche Fondsbranche schlecht gelaufen. Zu dieser Einschätzung gelangt das Analysehaus Morningstar Deutschland nach der Auswertung der Absatzzahlen für die vier großen Anbieter Allianz Global Investors, Deka, DWS und Union Investment, die zusammen rund 70 Prozent des in Publikumsfonds investierten Vermögens in Deutschland aufbringen.
Wie Absatzschätzungen von Morningstar für 2011 zeigen, mussten alle vier Anbieter hohe Abflüsse aus ihren Publikumsfonds (ohne Dachfonds) hinnehmen. Vor allem der Vertrieb der Sparkassentochter Deka schwächelte. Mit Nettomittelabflüssen von 8,22 Milliarden Euro aus ihren Wertpapierfonds belegte die Deka unter den großen vier den letzten Platz. Es folgen AGI mit 3,4 Milliarden Euro an Abflüssen und Union Investment und die DWS mit 2,94 beziehungsweise 2,33 Milliarden Euro. Gemessen am Fondsvermögen zum Jahresanfang 2011 haben alle Anbieter mehr oder weniger an Substanz verloren: Zwischen 1,24 Prozent (DWS) und 10,48 Prozent (Deka) lag die Quote der Nettoabgänge gemessen am verwalteten Vermögen per Anfang 2011.
„Besonders auffällig wird die Vertriebsschwäche der deutschen Fondshäuser, wenn man sich die gesamteuropäische Vertriebslandschaft des vergangenen Jahres vergegenwärtigt. US-amerikanische Asset Manager dominieren den Vertrieb von Investmentfonds in Europa“, erklärt Ali Masarwah, Chefredakteur bei Morningstar Deutschland. So führt europaweit Franklin Templeton mit einem Nettoabsatz von 13,61 Milliarden Euro das Ranking des paneuropäischen Fondsvertriebs an, gefolgt von JP Morgan Asset Management (10,84 Milliarden Euro), BNY Mellon (10,79 Milliarden Euro), Pimco (9,27 Milliarden Euro) und BlackRock (8,45 Milliarden Euro).
„Blickt man auf die einzelnen Fondskategorien, in denen die US-Häuser im Vertrieb in Europa geglänzt haben, dann wird deutlich, woran es bei den deutschen Häusern hapert“, fügt Masarwah hinzu. „Global investierende, flexible Anleihefonds, sowohl für Staatsanleihen als auch für Unternehmensschuldtitel, standen bei den US-Asset-Managern und deren europäischen Kunden im Fokus.“ Als Beispiele nennt er Templeton Global Total Return, Templeton Global Bond, Newton Real Return, Pimco GIS Global Investment Grade Credit und Pimco GIS Unconstrained Bond. Diese Fonds konnten jeweils zwischen 1,4 und 6,3 Milliarden Euro netto an Anlegergeldern einsammeln.
Auf der Aktienseite stachen die Amerikaner die deutschen Häuser, so die Morningstar-Analyse, ausgerechnet in jener Kategorie aus, in der die deutschen Fondshäuser traditionell viele Produkte anbieten: bei global investierenden Aktienfonds. Die angeführten fünf US-Häuser sammelten in Produkten der Morningstar-Kategorie Global Large Cap Equity Blend 2,73 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ein. Dem standen Nettomitteabflüssen in Höhe von 960 Millionen Euro aus den globalen Fonds der deutschen Fondsanbieter gegenüber.
Die deutschen Fondsanbieter haben 2011 allerdings von einzelnen Wachstumsbereichen profitiert. Als nachhaltig positiver Trend sind laut Morningstar vor allem die Zuflüsse in Fonds auszumachen, die als Vehikel für die Altersvorsorge dienen. Hier fallen die Garantiefonds der DWS, etwa die Reihe DWS Flex Pension, auf. Der DWS FlexPension II 2026 zum Beispiel war mit Nettomittelzuflüssen von 1,1 Milliarden Euro das am stärksten nachgefragte Produkt der deutschen Fondsanbieter 2011. Auch Fonds, die Bestandteil der Riester-Rente sind, konnten 2011 stark zulegen, beispielsweise der UniEuroRenta von Union Investment, der DWS Vorsorge Rentenfonds XL Duration und der DWS Vorsorge Rentenfonds, die 800 Millionen beziehungsweise 560 Millionen und 360 Millionen Euro an Netto-Neugeldern erhielten.
portfolio international update 07.02.2012/kmo/gcu




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