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Beratung
10.02.2015

Der Eiertanz des Dr. Norbert Rollinger

Norbert Rollinger

Die R+V Versicherungsgruppe „wehrt sich“ nach eigenem Bekunden gegen massive Kritik von Maklern. Artikuliert hat dies Dr. Norbert Rollinger, im Vorstand zuständig für Schaden- und Unfallversicherungen. Dabei wird Ursache und Wirkung verkehrt. Denn die Lawine hat R+V ohne Not selbst losgetreten. Und droht nun davon überrollt zu werden.

Was war passiert? Zunächst gab der Versicherer, auch für seine Töchter Kravag und Condor, die Parole aus, dass Makler zusätzlich zur bisherigen vertraglichen Vereinbarung über „Verschwiegenheitsverpflichtungen gemäß Code of Conduct“ weitergehende Verpflichtungen haben. R+V ergänzte dazu einseitig die vertraglichen Hinweise zum Datenschutz mit zwei folgenschweren Sätzen: „Der Makler ist verpflichtet, sich zu Beginn seiner Geschäftsbeziehung mit dem Kunden sich eine von diesem unterzeichnete Maklervollmacht einzuholen und diese R+V auf Anforderung zwecks Nachweises zur Verfügung zu stellen.“ Und weiter: „Der Makler hat die … laut Code of Conduct … bestehenden Informationspflichten gegenüber dem Versicherten sicherzustellen.“

R+V machte daraus eine rechtlich verbindliche Ergänzung der Courtagezusage. Angeblich verlangt das der Verhaltenskodex so. „Der ist jedoch eine Selbstverpflichtung des Versicherers, die rechtlich für Makler überhaupt nicht bindend ist“, meint Matthias Helberg, Versicherungsmakler in Osnabrück. Dagegen beginnen er und andere Makler sich zu wehren. „Wie hoch muss ein Ross sein, auf dem man sitzt, wie überheblich, egoistisch, unfair, wenig kundenorientiert, oder bar jedes Rechtsverständnisses muss jemand sein, um sich solchen Käse auszudenken?“, fragte Helberg und widersprach dem Nachtrag zur Courtagezusage.

Die R+V kündigte daraufhin die Courtagezusage und fuhr schwere Geschütze auf. Ab 2016 werden „noch vorhandene Verträge in den Direktbestand übernommen oder zur Kündigung aufgegeben sowie keine Courtagezahlungen mehr geleistet“. Im Bestand wird Helberg ab sofort nur noch „als Korrespondenzmakler geführt“. Hört sich so an, als wolle man in Wiesbaden zurück ins Mittelalter,  frei nach dem Motto: Teile und herrsche. Dabei wurden ausschließlich wirtschaftliche Gründe für die Trennung ins Feld geführt. Nicht nur Helberg selbst, der inzwischen die Schadensquote seines Bestandes angefordert hat und seit zehn Tagen auf Antwort wartet, hält das für eine Schutzbehauptung. Auch Versicherungsrechtler Wilfried E. Simon meint: „In Fachkreisen schüttelt man nur den Kopf, weil man mit einem langjährigen Geschäftspartner so nicht umgeht. Meist finden vor der Kündigung der Zusammenarbeit Sondierungsgespräche statt.“ Es wohl eher die Retourkutsche auf den Widerspruch Helbergs, ihn auf den Code of Conduct zu verpflichten, meint Simon.  

Mit Recht und Gesetz hat dies nichts zu tun. Da die Proteste sich nach diesem völlig überzogenen Akt der R+V häuften, ging Rollinger in die Offensive und ruderte dabei leicht zurück: „Eine Übermittlung von personenbezogenen Daten an Makler ist ausdrücklich nur zulässig, wenn eine Maklervollmacht erteilt worden ist“, dozierte er in einem Fachblatt, was aber Helberg gar nicht bestreitet. Man wolle Makler zwar darauf hinweisen, deren Vollmachten im Einzelfall zu überprüfen, heißt es von der R+V. Für Fall des Maklers Helberg gelte aber: „Die Beendigung der Zusammenarbeit darf nicht im Zusammenhang mit seinem Widerspruch gegen unseren angedienten Code of Conduct-Nachtrag gesehen werden.“ In allen Fällen, in denen die Zusammenarbeit der R+V mit dem Makler endet, würden Maklerkonten „aus kosten- und verwaltungstechnischen Gründen“ möglichst zeitnah geschlossen, so Rollinger weiter. Courtagen würden so lange gezahlt, wie die Verträge bestehen, laufend bezahlt und nicht übertragen werden.

Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich. Widersprüchlicher könnten Worte und Taten kaum sein. „Die R+V trägt Meinungsverschiedenheiten mit Versicherungsmaklern auf dem Rücken der Kunden aus“, kritisierte daraufhin die Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM), wo Helberg langjähriges Mitglied ist. Das Vorgehen der R+V stelle einen unrechtmäßigen und damit unzulässigen Eingriff in den eingerichteten Gewerbebetrieb des Maklers dar. Welche Vereinbarungen getroffen würden, sei ganz alleine die Entscheidung des Maklers und dessen Mandanten. „Selbstverständlich beachtet Helberg die gesetzlichen Vorschriften, dies bedürfe keiner Vorgabe durch die R+V, weil alles gesetzlich geregelt ist“, heißt es in dem offenen Brief. „Weil man offenbar Widersprüche von unabhängigen Versicherungsmaklern im R+V-Konzern nicht duldet, widerrief R+V die Courtagezusage fristlos“, so Michael Otto, 2. stellvertretender Vorsitzender der IGVM.

Mit Unverständnis reagierte die IGVM auf die Forderung der R + V, Helberg solle bis Jahresende alle bei der R+V bestehenden Versicherungsverträge umdecken. Anderenfalls werde man die Verträge in Direktbestand übernehmen und kündigen beziehungsweis keine Courtagen mehr vergüten. „Ein solches Verhalten stellt einen Verstoß gegen den GDV-Verhaltenskodex  für den Vertrieb dar“, sagt Otto. Darin habe sich die R+V verpflichtet, das Kundenwohl in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen. Das Verhalten der R+V zeige, dass der GDV-Vertriebskodex „das Papier nicht wert ist, worauf er geschrieben steht”. Die IGVM fordert R+V auf, die Kündigung der Courtagezusage für Helberg zurückzunehmen. Inzwischen ruderte R+V generell zurück. Das Schreiben an die Makler sei lediglich „als eine Empfehlung unsererseits an unsere Vertriebspartner zu verstehen“, wiegelte Rollinger ab. Doch die Kündigung der Courtagezusage von Helberg ist bis Redaktionsschluss nicht rückgängig gemacht worden. Seine Zugänge zu den Makler-Extranets von R+V und Condor (die Helbergs Widerspruch akzeptiert hat!) sind gesperrt.  

Detlef Pohl

(Bild: R + V)

Weiterführende Links: 

portfolio international update 10.02.2015/

 

Kommentare

Dr. Norbert Rollinger tat sich bei der Kündigung von VSH-Versicherungen gegen Makler hervor. Mir kam das eiskalt umgesetzt vor. Unterschätzt wird dabei, dass dem Hause R+V gleichzeitig ein paar hunderttausend Euro Beitragssumme verloren gehen.

Antwort auf Manfred Lenninghausen: Mich wundert nicht, dass das Combined Ratio der R+V in der Wohngebäudesparte so schlecht ist. Aus gut informierten Quellen ist mir bekannt, dass der Bankenvertrieb bei der Einschätzung von Gebäuden oft nicht nur äußerst schlampig vorgeht. Es drängt sich manchmal der Verdacht auf, dass bewusst oder aufgrund von Unfähigkeit geringere Flächenangaben und andere "Recherchefehler" unterlaufen, um die Prämie nach unten zu frisieren. So schädigt man R+V und intern auch die Makler, die mit großer Sorgfalt arbeiten und bedarfsgerechte Prämien anbieten, aber dann plötzlich überhöhte Prämienanpassungen hinnehmen müssen. Ihr geschilderter Fall ist natürlich ein Hammer, aber sicher kein Einzelfall. Hier liegen die Baustellen, um die sich ein Vorstand und auch Aufsichtsrat zuerst kümmern sollte, statt Makler zu drangsalieren.

Herr Thummet, das frage ich mich auch die ganze Zeit, wieso der Vorstand sich verhält, wie ein ertappter Dreijähriger. Bloß nicht entschuldigen und 1.000 Ausreden... R + V wird von mir gemieden. Bin nur froh, dass mein Instinkt mir immer schon sagte, mit denen nicht zusammenzuarbeiten. Unfassbar dass so ein Verhalten 2015, bei all den "tollen" neuen Gesetzen und der Regulierung, überhaupt noch möglich ist.

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