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Vorsorge
16.02.2017

Das Elend der „zusätzlichen Altersvorsorge“

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat den „Endbericht Verbreitung der Altersvorsorge 2015“ vorgelegt. Er zeichnet ein ernüchterndes Bild des Standes der Altersvorsorge in Deutschland und offenbart deren Systemschwächen.

Gegenstand des Berichts des BMAS ist die „Verbreitung der zusätzlichen Altersvorsorge“. Erhoben werden die Daten zur betrieblichen Altersversorgung (bAV), zur Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst, zur Riester-geförderten Altersvorsorge und zur zusätzlichen privaten Vorsorge.

Was die Riester-Rente betrifft, so offenbart die Studie den grundsätzlichen Denkfehler, dem nicht nur das BMAS, sondern die Versicherungsbrache insgesamt verfallen ist: Bei Riester handelt es sich keinesfalls um „zusätzliche Altersvorsorge“, sondern um ersetzende Altersvorsorge. Sie wurde einzig und allein zu dem Zweck ersonnen, die Absenkung des Niveaus in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) im Zuge der Rentenreformen von 2002 zu kompensieren. Wer mit Riester vorsorgt, tut nichts Zusätzliches zur Deckung seiner Versorgungslücke im Alter. Folglich sind all diejenigen, die nicht mit Riester vorsorgen, im Alter von der Rentenabsenkung besonders betroffen. Denn die GRV ist hierzulande immer noch die hauptsächliche Quelle der Altersvorsorge. Die Absenkung des Rentenniveaus betrifft alle gesetzlich Versicherten, nur die Riester-Sparer bauen vor, sofern sie ihre Verträge überhaupt und auskömmlich besparen.

Die Riester-Bilanz ist miserabel. Nur etwa jeder Dritte der 27,45 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter zwischen 25 und 65 Jahren erwirbt Ansprüche auf eine Riester-geförderte Altersvorsorge. Gemessen daran, dass theoretisch alle eine Riester-Renten benötigen, um den Rentenkürzungen zu entgehen, ist die Frage, ob Riester nach 15 Jahren Laufzeit ein Erfolg oder gescheitert ist, damit beantwortet: Die Riester-Förderung hat ihr Ziel nicht erreicht. Anders gesagt: Die private Versicherungswirtschaft hat bei der Aufgabe, einen Teil der gesetzlichen Altersabsicherung durch privaten, vom Staat geförderten Versicherungsschutz zu ersetzen, versagt.

Das zeigt sich auch bei Betrachtung der Details. Dabei kann noch als Erfolg gelten, dass unter  Frauen mit 38 Prozent eine höhere Verbreitungsquote erzielt wird als unter Männern mit 30 Prozent. Positiv ist auch zu vermerken, dass Personen mit mehreren Kindern und Teilzeitbeschäftigte häufiger über Riester-Verträge verfügen. Negativ schlägt zu Buche, dass Bezieher niedrigerer Einkommen bis unter 2.500 Euro und Beschäftigt mit geringer Qualifizierung unterdurchschnittlich Riester-versichert sind, wie auch Ostdeutsche. Hingegen sich Beschäftigte mit Hoch- und Fachschulabschluss oder Bruttolöhnen von mehr als 4.500 Euro überrepräsentiert – Riester als Steuersparmodell.

Nun könnte man ja über die geringe Riester-Verbreitung hinwegsehen, wenn ansonsten ordentlich vorgesorgt würde. Das ist nur teilweise der Fall. 20 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter zwischen 25 und 65 Jahren sorgen sowohl mit Riester als auch mit der bAV vor. In weiteren 37 Prozent der Fälle liegt nur eine bAV vor. Unterm Strich bleiben 30 Prozent der Beschäftigten, die über keine „zusätzliche“ staatliche geförderte Altersvorsorge verfügen. Darunter sind wieder die üblichen besonders Bedürftigen: Beschäftigte mit geringer Qualifikation und mit niedrigem Verdienst.

Bei den Gründen für die fehlende Absicherung dominiert bei der bAV das Fehlen eines Arbeitgeberangebots. Deutlich stärker als bei der bAV verhindern bei der Riester-Rente „komplizierte Angebote“ den Abschluss (12 zu 28 Prozent). Das geht auf das Konto der Versicherungswirtschaft. Zu hohe Beiträge sind bei der bAV zu 23 Prozent und bei Riester zu 25 Prozent Hinderungsgründe.

Nun gibt es ja außer bAV und Riester noch weitere Vorsorgemöglichkeiten. Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung nennen 58 Prozent, private Lebens- und Rentenversicherungen 51 Prozent. Diese werden jedoch überwiegend, das heißt zu 55 Prozent, von Besserverdienern (4.500 Euro und mehr) genannt als von Geringverdienern (unter 1.500 Euro) zu 14 Prozent.  
Insgesamt verfügen 73 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter zwischen 25 und 65 Jahren über mindestens eine zusätzliche private Absicherung. Ein Viertel ist ohne weitere Absicherung.Unter den Personen mit zusätzlicher privater Absicherung können sich 57 Prozent auf selbst genutztes Wohneigentum stützen, 52 Prozent auf Renten- oder Lebensversicherungen.

In der Gesamtbetrachtung von bAV, Riester und privater Vorsorge bleiben zwölf Prozent der Beschäftigten im Alter zwischen 25 und 65 Jahren, die lediglich GRV-Anwartschaften erwerben. Das sind die potenziellen Altersarmutskandidaten. Besonders von Altersarmut bedroht sind dabei die heute 55- bis 65-Jährigen, die kaum noch Aussicht auf die Aufbesserung ihrer Altersbezüge haben können. Das sind die sicheren Altersarmutskandidaten. Deren Absicherung über die GRV beträgt im Schnitt 783 Euro im Monat. Wer zusätzlich vorsorgt, mit bAV, Riester oder privat, kommt inklusive GRV im Durchschnitt auf 1.211 Euro. Üppig ist das keinesfalls.

Hans Pfeifer

Weiterführender Link:

BMAS-Studie „Endbericht Verbreitung der Altersvorsorge 2015“

portfolio international update 16.02.2017

 

Kommentare

Ein Staat, der den Menschen immer mehr an Geld und Eigenverantwortung wegnimmt, der das Recht immer komplexer und damit für den Normalbürger unverständlich macht, braucht sich über mangelnde Eigeninitiative, mangelnde Motivation, mangelnden Mut seiner Bürger nicht zu wundern. Wir wollen in Ruhe gelassen werden, möglichst wenig mit der Staatsmacht zu tun haben und ganz sicher nicht in einer anonymisierten Bürokratie leben. Wer das nicht wahrhaben will, frage seinen nationalen oder EU-Parlamentarier danach, welche Regeln er vor drei Jahren abgenickt hat – er hat keine Ahnung, aber wir sollen nach diesen Regeln leben.

Die Schlussfolgerung, dass die Versicherungsbranche bei der Riester-Förderung versagt habe, erscheint fragwürdig. Jeder verantwortungsvolle Vermittler hat genau die Argumentation des Absinkens des Rentenniveaus zum Anbieten eines solchen Angebotes genutzt. Weiterhin ist wohl beachtenswert, dass nicht nur Versicherer Riesterprodukte angeboten haben. Wo bleibt hier die Kritik an den Banken und Sparkassen, die nur zögerlich Angebote gemacht haben? Der Vorwurf zum "Verwaltungsmonster Riester" sollte mal hinterfragt werden. Die Betreuung des Vertrages macht für den Vermittler viel Arbeit. Ständige Diskussionen mit der ZfA führen nicht zuletzt bei Anbietern und Kunden zu Frustration. Eine Überarbeitung unter Einschaltung von Praktikern der Branche könnte die Akzeptanz dieses Produktes verbessern helfen.

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