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Analyse
19.03.2015

Das eigene Grab geschaufelt?

Detlef Pohl

Ein Kommentar von Detlef Pohl, Chefredakteur von portfolio international.

Die technischen Möglichkeiten der digitalen Welt haben nun auch die Versicherungskunden erreicht. Zumindest die Generali in Italien und die Axa in Frankreich erproben Bonussysteme, wenn Kunden ihre Körperdaten per Gesundheits-App freiwillig an den Versicherer übermitteln. In Deutschland beginnen die Kfz-Versicherer, Daten ihrer Kunden zum Fahrverhalten zu registrieren. Die Botschaft ist klar: Wer gesünder lebt oder sicherer fährt, wird belohnt. Im Umkehrschluss könnten für gegenteiliges Verhalten die Beiträge steigen. Was die einen als Kulturbruch bezeichnen, da der eigene Körper als privat, intim und geschützt gilt, ist anderen als „normale“ Datensammlung in Fleisch und Blut übergegangen.

Die Entwicklung geht in eine gefährliche Richtung: Am Ende könnten viele Menschen nicht mehr versicherbar sein. Das wäre der Anfang vom Ende der Versicherungsbranche, die sich mit der Datensammelwut ihr eigenes Grab schaufelt. Der Prozess läuft seit der Deregulierung des Marktes 1994. Die Versicherer selektieren, wo sie können. Folge: Die Gruppen werden immer kleiner, damit aber auch anfälliger für Beitragssteigerungen. Gegen Berufsunfähigkeit etwa lassen sich bestimmte Berufsgruppen kaum noch bezahlbar absichern. In der privaten Krankenversicherung (PKV) droht ähnliches Ungemach. Wer sich als Kunde der Preisgabe seiner Gesundheitsdaten widersetzt, muss in Zukunft wohl damit rechnen, stärker als andere zur Kasse gebeten zu werden oder unversichert zu bleiben.

Auf den Prüfstand kommt das Versicherungsprinzip, mit möglichst großen Versichertenkollektiven einen Risikoausgleich zu schaffen. Die neue Big-Data-Welt höhlt dieses Prinzip aus. Dabei haben langjährig einheitliche Tarifwerke für Angestellte und Beamte bei Debeka und SDK die stabilsten Beiträge der PKV gebracht. So sollte Privatversicherung auch künftig funktionieren: Der Kunde wird zu Beginn auf seine Risiken geprüft. Danach ist er Teil der Solidargemeinschaft. Nur über große Kollektive lassen sich stabile Beiträge und damit viel Breitengeschäft erzielen.

portfolio international update 19.03.2015

 

Kommentare

Die Digitalisierung bei der Gestaltung von Versicherungsprodukten ist unumkehrbar. Mich erinnert die Diskussion an den Aufschrei bei der Einführung nutzungsabhängiger Kfz-Policen. Die Versicherungswirtschaft hat schon immer differenziert und wird immer differenzieren, gerade weil sie kein Teil der gesetzlich subventionierten Zwangsversicherung GRV und GKV ist. Informationen über das Fahrverhalten machen Prämien leichter kalkulierbar und führen daher zu einer höheren Prämiengerechtigkeit. Sie führen ganz im Gegenteil gerade bei Fahranfängern, die sich heute kaum noch adäquat versichern können, zu einer Möglichkeit, den hohen Schadenbedarf mit Anreizen zu vorsichtigem Fahren zu senken. Der Anreiz zu gesundheitsbewusstem Verhalten über die Schaffung von Transparenz im eigenen Verhalten kommt dem gesamten Kollektiv zugute.

Und auf keinen Fall brauchen wir amerikanische Verhältnisse, wo man nach einem dicken Schadenfall auch schon mal aus der PKV rausgeschmissen wird. Das ist dann wirklich eine Perversion des Versicherungsgedankens.

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