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Beratung
21.08.2014

BMAS-Broschüre mit haarsträubenden Fehlern

Umstrittene Broschüre

Immer wieder bringen staatsnahe Institutionen Informationsbroschüren unter das Volk, zumeist aus Steuermitteln finanziert. Diesmal ist es eine Broschüre „Zusätzliche Altersvorsorge“, mit der das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die Öffentlichkeit beglückt. Leider zeigt der Inhalt sich nicht auf der Höhe der Zeit.

Die Broschüre soll „ein praktischer Ratgeber auf dem Weg zu einem finanziell gesicherten Ruhestand“ sein. Ist sie leider nicht. Obwohl sie relativ neu ist (Erscheinen: Januar 2014), fehlen maßgebliche Elemente der über die gesetzliche Rente hinausgehenden zusätzlichen Altersvorsorge. Im Prinzip werden sogar nur zwei Produktgruppen behandelt: betriebliche Altersversorgung (bAV) und Riester-Rente.

Die ebenfalls staatlich geförderte Basisrente fehlt völlig. Sonstige private Vorsorge der dritten Schicht (Aktien, Aktienfonds, fondsgebundene Lebensversicherung, Privatrente, Kapitallebensversicherungen, Banksparpläne, Geldanlagen, Immobilien) wird insgesamt auf nur einer einzigen Seite summierend zusammengefasst. Da können die Ratschläge nur wenig aussagekräftig sein.

Im Detail fallen handwerkliche Fehler insbesondere beim Thema „Beratung/Vertrieb“ auf. So heißt es zwar völlig richtig, dass „man sich vor der Entscheidung für eine Form der privaten Vorsorge immer informieren und fachkundig beraten lassen“ sollte, doch die Literaturhinweise führen in die Irre. Weder DGB, BDA, Aba, GDV und BVI noch BdB, DSGV, BVR, Vzbv oder die Stiftung Warentest leisten fachkundige Beratung. Sie leisten nämlich überhaupt keine individuelle Vorsorgeberatung.

An anderer Stelle erhält der Leser den Rat, „sich beim Rentenversicherungsträger, Ihrer Bank oder Ihrer Sparkasse, wenn Sie dort zufrieden sind“, zu informieren. „Oder wenden Sie sich an einen Versicherungsvertreter, dem Sie vertrauen“. Der Leser wird also an einen Vermittler verwiesen, der zumeist an nur einen einzigen Versicherer gebunden ist und somit weder aus einer breiten Marktanalyse das beste Produkt für den Kunden ermitteln noch ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis beschaffen kann. Dass unabhängiger Rat dagegen vor allem bei Versicherungsmaklern zu bekommen ist, die immer im Lager des Kunden stehen und persönlich für ihren Rat haften, wird dem Leser nicht mitgeteilt.

Offenbar ist der Unterschied zwischen Vertreter und Makler den BMAS-Autoren nicht geläufig. Damit sind sie in guter Gesellschaft. BILD berichtete vom Millionen-Betrug eines vermeintlichen Versicherungsmaklers, der zusammen mit einem Geschäftspartner eine Versicherungsagentur betrieben hatte. Was denn nun: Agent oder Makler? Egal, Hauptsache der Aufreger zum Betrug kann gedruckt werden. Vom BMAS, aus dem ja wesentliche Impulse zur Gesetzgebung auch zur Altersversorgung kommen, muss man mehr Sachverstand erwarten. Die Broschüre gehört in dieser Qualität eingestampft.   

Detlef Pohl

Weiterführende Links:

portfolio international update 21.08.2014

 

Kommentare

Hier sehe ich nur folgende Konsequenz: Alle Maklerverbände, Pools etc. müssten Strafanzeige gegen Frau Nahles oder den zuständigen Mitarbeiter stellen wegen a) Falschberatung und b) Verschwendung von Steuergeldern. Dies gilt auch für andere, ähnlich gelagerte Fälle. Nur so kann den Fehlern Einhalt geboten werden, die auch noch mit Hilfe der Steuerzahler - ungefragt- bezahlt werden.

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