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Ausgabe 03/2017

Der Brexit und seine Folgen für Vermittler

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Beratung
21.06.2017

Betriebsrente 2017: Kurz vor der Entscheidung II

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will den Markt mit einer Reform der Betriebsrenten beglücken. Der Entwurf des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes hat ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Gerade am Sozialpartnermodell scheiden sich die Geister. Jetzt steht ein Kompromiss. Für Versicherer und Vermittler wird die betriebliche Altersversorgung (bAV) komplizierter. Und ob tatsächlich mehr Arbeitnehmer mitmachen, steht in den Sternen. Teil II

Systembrüche zwischen Alt und Neu
Der neue 6. bAV-Weg bringt einen Systembruch. Bei der „alten“ bAV gelten weiter härtere arbeitsrechtliche Regularien und Leistungsversprechen sowie Garantieanforderungen. Bei der Tarifpartnerrente dagegen muss kein fester Zins garantiert, sondern nur noch eine Zielrente angestrebt werden. In den anderen fünf Durchführungswegen sind weiter Beitragszusagen mit einer Mindestleistung erforderlich. Altzusagen können zudem nicht einseitig auf die Zielrente umgestellt werden.

Damit ist für nahezu alle bisherigen bAV-Zusagen die Umstellung nicht möglich. „Ob die Sozialpartner die nötige Kompetenz in zukunftsfester Kapitalanlage und Finanzplanung wie wir Versicherungskaufleute haben, wage ich zu bezweifeln“, sagt Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute. Der Hinweis ist berechtigt, denn die Tarifpartner haben gar keine Qualifikation, in Sachen Altersvorsorge zu beraten. Gleichwohl räumt das BRSG ihnen ein, bei Auswahl eines externen Versorgungsträgers, bei denen neben Pensionskassen und Pensionsfonds nun auch Direktversicherungen zugelassen sind, durch „geeignete Gremienvertretung“ Einfluss auf die Steuerung des Sozialpartnermodells zu nehmen.

Zur Rolle der Berater und der Beratungskosten beim Sozialpartnermodell steht im Gesetz praktisch nichts. Dies scheint trotz der früheren schlechten Erfahrungen beim Vertriebsstart der Riester-Rente nicht relevant. „Die Nahles-Rente glaubt ohne Beratung auszukommen. Das halte ich für einen Irrglauben, Vorsorgeprodukte haben sich noch nie von selbst verkauft“, warnt Fabian von Löbbecke. Und die Tarifpartner dürfen per Gesetz überhaupt nicht selbst beraten. Dabei erhöht der 6. Durchführungsweg der Zahl der bAV-Kombinationsmöglichkeiten über 100 auf nun mehr als 600.

Gefragt sind auch neue Produkte und Vertriebsansätze, die die bAV attraktiver machen. Das Argument, dass Arbeitnehmer häufig zu  wenig verdienen, um zusätzlich vorsorgen zu können, entkräftet zum Beispiel das Konzept „bAV Plus Cashback“ vom HDI. Es erlaubt bAV ohne spürbaren Konsumverzicht, indem der Arbeitgeber einen Sachkostenzuschuss spendiert, wenn der Mitarbeiter eine Direktversicherung abschließt. Diesen Zuschuss lädt er monatlich auf eine Prepaid-Kreditkarte des Arbeitnehmers, der das Geld für Einkäufe seiner Wahl ausgeben kann.

„Damit merken Angestellte schon heute, dass bAV sich lohnt“, so der HDI-bAV-Vorstand. Er rechnet vor: Ein lediger Mitarbeiter mit 3.000 Euro Bruttoverdienst zahlt monatlich 100 Euro in eine Direktversicherung ein. Weil dieser Sparbeitrag steuer- und sozialabgabenfrei ist, zahlt er netto tatsächlich nur rund 50 Euro. Im Gegenzug lädt der Arbeitgeber die Prepaid-Kreditkarte des Mitarbeiters monatlich mit 40 Euro auf. So kostet die bAV den Arbeitnehmer unter dem Strich nur noch zehn Euro. 

Auch der Arbeitgeber spart
Der Arbeitgeber spart im HDI-Beispiel durch die bAV seines Mitarbeiters monatlich 20 Euro Lohnnebenkosten. Zudem kann er die 40 Euro Sachkostenzuschuss steuerlich absetzen. Damit reduziert sich der Nettoaufwand beim Arbeitgeber ebenfalls auf rund zehn Euro pro Monat. „Ein Arbeitgeberzuschuss gerät schnell in Vergessenheit, doch mit ‚bAV Plus Cashback‘ wird der Arbeitnehmer Monat für Monat daran erinnert, dass sich sein Chef an der bAV beteiligt“, resümiert Löbbecke.

Wie geht es nun weiter mit der bAV-Reform? Der Bundesrat hatte am 10. Fe­bruar „Prüfbitten“ zum Nachjustieren des Gesetzes geäußert. Die Länderkammer störte sich vor allem an der geplanten Fortsetzung der Doppelverbeitragung in der Kranken- und Pflegeversicherung für Betriebsrentner sowie am völligen Garantieverbot bei Direktversicherungen. Die Bundesregierung ließ den Bundesrat in ihrer Gegenäußerung vom 22. Februar aber weitgehend abblitzen. Am 10. März hatte dann erstmals der Bundestag zum Gesetz beraten, dem inzwischen die zweite und dritte Lesung gefolgt sind.

Arbeitgeber sollen nun auch außerhalb von Tarifmodellen verpflichtet werden, eigene Beträge zur bAV beizusteuern. Zudem soll die Beteiligung nichttarifgebundener Firmen an Tarifmodellen Dritter sanktioniert werden. Am 7. Juli könnte das Gesetz dann die letzte Hürde Bundesrat nehmen. Es soll am 1. Januar 2018 in Kraft treten.

portfolio international 21.06.2017

 
Detlef Pohl
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