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Vorsorge

14.11.2011

Berufsunfähigkeit - das unterschätzte Risiko

Eine Studie legt neue Erkenntnisse zur Berufsunfähigkeitsversicherung vor, die Beratern als Steilvorlage dienen. Das Marktpotenzial ist bei weitem nicht ausgeschöpft, die versicherten Renten sind zu niedrig, und psychische Erkrankungen gefährden Berufsgruppen, die bislang eine Absicherung häufig für überflüssig hielten.

Die Absicherung der Berufsunfähigkeit (BU) stagniert in Deutschland auf niedrigem Niveau, obwohl das Risiko hoch ist. 19,9 Prozent aller gesetzlich Rentenversicherten erhalten derzeit eine Frührente, weil sie erwerbsunfähig sind. Damit schafft es knapp jeder fünfte Arbeitnehmer nicht regulär in die Altersrente. Frauen bekommen im Durchschnitt mit 49,7 Jahren ihre erste gesetzliche Erwerbsminderungsrente, Männer mit 50,8 Jahren. Auf Basis dieser Fakten zur Sozialversicherung untersuchte der Branchendienst "Map-Report" in seiner Studie "Risiko: Berufe und Berufsunfähigkeit" die Lage der privaten BU-Absicherung.

In den Geschäftsberichten der Versicherer sind jedoch nur Daten zu BUZ-Verträgen zu finden. Daher befragte der Map-Report die Unternehmen zu BU-, BUZ- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen. 33 Anbieter mit einem Marktanteil von 70 Prozent haben geantwortet. Das Ergebnis wurde auf den gesamten Markt hochgerechnet und ist ernüchternd: Die Beitragseinnahmen sind seit 2005 jährlich zwar um 4,7 Prozent auf 6,74 Milliarden Euro gestiegen, doch im Vergleich zu den gebuchten Bruttobeiträgen des Gesamtgeschäfts ergibt sich ein Rückgang des Anteils der BU-Versicherungen von 7,9 Prozent 2008 auf 7,5 Prozent im Jahr 2010. Damit deckt nicht einmal jeder zehnte Euro aller Beitragseinnahmen der Lebensversicherer das BU-Risiko ab. Positiv heben sich allerdings Nürnberger und Alte Leipziger ab, bei denen mehr als jeder fünfte Euro Beitrag in den BU-Schutz fließt.

Tatsächlicher Bedarf nur zu 30 Prozent gedeckt

Seit 2005 ist die Anzahl der BU-Verträge im Bestand mit 17,7 Millionen weitgehend stabil geblieben, wobei zahlreiche Policen gar keine BU-Leistung bieten, sondern nur Beitrags­befreiung im BU-Fall gewähren. "Der tatsächliche Bedarf dürfte damit nur zu 30 Prozent gedeckt sein", schätzt Manfred Poweleit, Inhaber des Branchendienstes "Map-Report". "Auch die durchschnittlich vereinbarten Monatsrenten sind trotz eines leichten Anstiegs kein Ruhmesblatt", ergänzt er. Dem Bedarf am nächsten kommen nur die besten Anbieter, wie Alte Leipziger, LV 1871 und Cosmos, die im Mittel fast das Doppelte des Marktdurchschnitts an BU-Leistung versichern.

Die geringe Durchdringung des BU-Marktes hat allerdings auch ihre Ursachen. Die Ver­sicherbarkeit gegen Berufsunfähigkeit zu bezahlbarem Preis bleibt nämlich eine Herausforderung für Vermittler. Ein Grund sind gesundheitliche Einschränkungen schon in jungen Jahren. Daher verzichten viele Vermittler darauf, überhaupt Anträge auf BU-Versicherungen einzureichen. Von den eingereichten Anträgen policieren die Versicherer laut Map-­Report 75 Prozent so wie beantragt, die Beitragsbefreiungsversicherungen eingeschlossen. Marktkenner wissen jedoch, dass Anträge von Maklern zumeist nur zu 30 bis 50 Prozent wie beantragt angenommen werden. Den Durchschnitt ziehen offenbar die gebundenen Vermittler nach oben, die sich weniger kritisch mit den Anträgen und Gesundheitsfragen aus­einandersetzen. Alles in allem sind im vergangenen Jahr von 1,45 Millionen Anträgen auf BU-Versicherung 359.000 abgelehnt oder nur mit Leistungsausschlüssen oder Risiko­zuschlägen angenommen worden.

Am Risiko selbst kann es aber kaum liegen. Laut Map-Report wurden BU-Leistungen 2010 nur für 0,35 Prozent der Verträge im Bestand, also jeden 300. Vertrag, angemeldet. Der Anteil der tatsächlich regulierten Schäden ist mit 0,26 Prozent der Bestandspolicen noch geringer. Gezahlt werden musste 2010 also nur für jeden 400. Vertrag.

Wichtig für die Vermittlung von Berufsunfähigkeitsabsicherungen ist offenbar die individuelle Ansprache der Kunden. Faktisch jeder Dritte ist zum Thema Berufsunfähigkeit falsch informiert, das ergab eine TNS-Umfrage im Auftrag der Continentale. Ebenfalls nur jeder Dritte ist bereit, mehr als 25 Euro pro Monat für BU-Schutz auszugeben. Nur wer sich als Vermittler auf das Berufsunfähigkeitsrisiko spezialisiert hat, wird auch auf akzeptable Annahmequoten kommen.

Besonders gefährdete Berufe sind nur schwer zu versichern

Wer am dringendsten eine BU-Versicherung braucht, erhält mitunter wegen seines riskanten Berufes gar keinen Schutz oder soll einen abschreckend hohen Beitrag bezahlen. So musste etwa im Jahr 2009 rund ein Drittel aller Gerüstbauer, Dachdecker, Bergleute und Pflasterer wegen Invalidität den Job aufgeben und gesetzliche Frührente beantragen. Der private BU-Schutz kommt für diese Berufe aber überdurchschnittlich teuer. Auffällig ist, dass unter den 25 Berufen mit dem höchsten Risiko zuletzt viele Jobs verloren gegangen sind, insbesondere in den schweren Bauhandwerken. Damit sank dann auch das Berufsunfähigkeitsrisiko in diesen Berufen. So hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der beschäftigten Maurer mehr als halbiert. Das EU-/BU-Risiko sank im gleichen Zeitraum um fast 15 Prozentpunkte.

Unter den ungefährlichsten Berufen weist dagegen mehr als die Hälfte ein Beschäftigungswachstum auf. Hierzu zählen auch Juristen, Apotheker, Architekten und Unternehmer, von denen weniger als jeder Zehnte eine Erwerbsminderungsrente bezieht. Kaum bekannt dürfte sein, dass 2007 bis 2009 jeder zwölfte Zahnarzt, Handelsvertreter, Bausparkassenfachmann und Makler das Rentenalter nicht mehr als Berufstätiger erlebt hat.

Psychische Erkrankungen sind die am schnellsten zunehmende Ursache für eine Invalidität. Häufigste Gründe für eine BU in der Privatversicherung sind Muskel- und Skelett­e­rkrankungen mit 19,5 Prozent, gefolgt von psychischen Erkrankungen mit 16,3 Prozent und Krebs mit 11,7 Prozent. Herz-Kreislauf-Krankheiten (6,4 Prozent) liegen erstaunlicherweise hinter schweren Verletzungen und Vergiftungen (9,9 Prozent). Mehr als 71.000 Patienten, die sich 2009 wegen der Psyche stationär behandeln lassen mussten, sind noch in der Altersgruppe von 15 bis 20 Jahren - das ist noch ein Grund mehr, sich beizeiten privaten Berufsunfähigkeitsschutz zu besorgen.

portfolio international xx.11.2011

Detlef Pohl

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