Die Deutschen verfügen inzwischen über 15,56 Millionen Riesterverträge. Als 2001 die ersten Riesterrenten auf den Markt kamen, hatten die Lebensversicherer mit 1,4 Millionen Policen konkurrenzlos die Nase vorn. Doch mit dem Markteintritt der Konkurrenzprodukte von Banken und Fonds ging der Marktanteil stetig nach unten – siehe Tabelle.
Aber die Ergebnisse der Wettbewerber sind wenig berauschend. Banksparpläne starteten 2002 mit 4,44 Prozent Marktanteil und erreichten bereits 2004 mit 5,08 Prozent ihr bisheriges Allzeithoch. Fonds stürmten munter los und erreichten 2009 mit 19,84 Prozent ihr bisheriges Allzeithoch. Die Stagnation erklärt sich durch die Weltfinanzkrise und Geldschwemme samt politisch motiviertem Niedrigzins.
„Vieles ist verständlich, aber nicht der Run auf den Wohnriester mit schon über 907.000 Verträgen“, sagt Manfred Poweleit im Map-Fax, ein Kurznachrichtendienst für Vorsorge und Risiko des Marktbeobachtungsdienstes Map-Report. Poweleit fragt sich: „Haben wir aus der Weltfinanzkrise nichts gelernt?“ Zur Erinnerung: Die Wurzeln der Krise, die das Bankhaus Gebrüder Lehman in den Abgrund gezogen hat und mit ihm fast die gesamte Weltwirtschaft, waren Fehlentwicklungen am amerikanischen Immobilienmarkt.
Banken mit Hang zu großen Umsätzen hatten Bürger in die Immobilienanlage getrieben, die sich den Hauserwerb nicht leisten konnten und die über das Risiko nicht einmal ansatzweise so aufgeklärt wurden, wie der Käufer einer Hausratpolice in Deutschland.
„Auch die aktuelle Spanienkrise hat ihre Wurzeln in einem kranken Immobilienboom“, erinnert Poweleit. Immobilienmärkte, an denen Privatanleger aktiv sind, brauchen gründliche Risikoaufklärung, Transparenz und Behörden, die sich dem Schutz der Vorsorgesparer verpflichtet fühlen. Kritische Stimmen zu Wohnriester sucht man aber vergeblich.
Gegenwärtig gibt es erste Warnmeldungen des Deutschen Mieterbundes, die hohe Nachfrage in Großstädten treibe Wohnungsmieten in unerschwingliche Höhen. Dieser Markt ist sehr intransparent. Klar ist aber: Viele Großstädter sind gezwungen, über die Hälfte ihres Nettoeinkommen für das Wohnen auszugeben.
An massenhaft neue Sozialwohnungen ist angesichts klammer Kommunen nicht zu denken. Zumeist geht es den fast eine Million Wohnriester-Kunden um die selbstgenutzte Immobilie. „Anlegerschützer hätten alle Hände voll zu tun, Träumer vor Schäden zu bewahren“, warnt Poweleit. Das beginne derzeit mit der Illusion, durch preiswertes Wohnen auf dem Lande hohe Großstadtmieten zu sparen. Bei den gegenwärtigen Benzinpreisen werden die laufenden Kosten des Zweit- oder Drittwagens Preisvorteile gegenüber der Metropole zunichte machen. Auch die Wertentwicklung ist im ländlichen Raum kritisch zu sehen, denn die Infrastruktur kippt vielerorts.
Auch wer beim Immobilienkauf blind auf Wohnriester baut, der nur einen geringen Teil der Finanzierung beisteuert, muss langfristig beim Finanzierungsgebäude aufpassen. Die Zinsen könnten steigen. Zudem fehlen die Geldbeträge im Alter, weil keinerlei Riesterrente in Geldform aufgebaut wurde. Doch mit Steinen lässt sich nicht der Einkauf bezahlen, seien sie auch noch so harte Sachwerte.
portfolio international update 14.09.2012/dpo/gcu




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