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Ausgabe 03/2016

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Vorsorge

25.01.2016

Analog, digital, ganz egal? I

Bei der Kfz-Versicherung und bei privaten Krankenversicherungen wird für Versicherer, Versicherte und Vermittler schon bald nichts mehr so sein wie bisher. „Big Data“ wird in schnellem Tempo alle Bereiche der Assekuranz erfassen. Es steht nicht weniger als das Grundprinzip aller Versicherungen auf dem Spiel: die Kollektivierung von Risiken. Teil I
Peter Wesselhoft

Immer feingliedriger wird die Risikoselektion der Versicherer: Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung wächst die Anzahl der Berufsgruppen, in der Kfz-Versicherung wird die Liste der „weichen“ Risikomerkmale immer länger, und der Fragenkatalog bei Sachversicherungen ufert auch aus. Diese Entwicklung ist nichts Neues, aber jetzt kommt eine neue Qualität. Dank der Digitalisierung und damit der direkten und ständigen Erfassung von Daten über das tatsächliche Verhalten der Versicherten und deren Übermittlung erhalten die Versicherer Zugriff auf die tatsächliche Risikolage, und das in „Echtzeit“.

Am weitesten ist diese Entwicklung bei der Kfz-Versicherung gediehen. Bereits seit vergangenem Jahr ist ein Telematiktarif auf dem Markt, in diesem Jahr ist die VHV mit dem Verkauf eines mobilen Datensticks für Kfz-Versicherte ins Vertriebsrennen gegangen, die Allianz und die Huk-Coburg sowie weitere Versicherer werden 2016 folgen. Die Tarifierung nach dem Fahr­verhalten – Pay as you drive (PAYD) – ist nicht mehr aufzuhalten.

Auch in der Krankenversicherung ist der Trend zur individuellen digitalen Daten­ererhebung bereits im Gang. Erfasst werden Gesundheits-, Aktivitäts- und Ernährungsdaten über Smartphone-Apps, Smart-Watches oder andere Wearables. Ausgerechnet gesetzliche Krankenkassen wie AOK oder Techniker Krankenkasse preschen dabei vor und haben es vor allem auf junge Versicherte abgesehen. Private Krankenversicherer wie Generali und Axa bereiten entsprechende Tarife vor.  
Sind die Versicherten von allen guten Geistern verlassen, könnte man sich fragen. Warum geben sie bereitwillig ganz persönliche Daten preis? Und warum wollen die Versicherer das Grundprinzip ihres Geschäfts – die Beseitigung des Risikos eines Einzelnen durch Beiträge von vielen – über den Haufen werfen?

Die Antworten auf diese Fragen fallen vielfältig aus. Erstens kommt die individuelle Datenerfassung und Risikobewertung in der Versicherungsbranche, weil es technisch machbar ist. Das omnipräsente Internet macht es möglich. Zweitens kämpfen die Versicherer ums Überleben. Die Margen sind in den vergangenen Jahren immer mehr geschrumpft. Von risikoadäquaten Tarifen versprechen sie sich eine Verbesserung der Schaden-Kosten-Quote. Dafür sind sie bereit, das Kollektivprinzip zu opfern, jeder Versicherte soll nach Möglichkeit sein individuelles Risiko selbst tragen und entsprechend bezahlen.

Hans Pfeifer
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