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Vorsorge
14.02.2017

Altersarmut: Reale Gefahr oder Schreckgespenst?

Gundula Roßbach

Am Thema Altersarmut scheiden sich die Geister. Die aktuelle Lage sollte nicht über die Situation in der Zukunft täuschen. Die wahren Ursachen der Altersarmut werden oft ausgeblendet, statt dessen steht das Rentenniveau im Fokus.

Alles deutet darauf hin, dass der kommende Wahlkampf ein Rentenwahlkampf wird. Gegenstand ist die Frage, ob und wie die Erwerbstätigen von heute morgen von ihrer Renten werden leben können. Das Meinungsspektrum beim Thema Altersarmut ist breit. Einige halten das Problem für nicht existent. Mit Blick auf die heutige Lage haben sie recht. Der Anteil der über 65-Jährigen, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, liegt etwa bei drei Prozent. Die Quote der Hartz-IV-Bezieher bei den unter 65-Jährigen ist etwa dreimal so hoch. Die Rentner von heute sind also weniger arm als die Erwerbstätigen von heute – genau das ist das Problem.

Der Anteil der grundsicherungsbedürftigen Senioren steigt seit 2005 an. Wie hoch er in Zukunft sein wird, ist strittig. Nach einer Schätzung des wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums wird die Altersarmut mittelfristig, das heißt bis zum Jahr 2030, noch nicht zum Massenphänomen. Die neue Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Rossbach, rechnet damit, dass das Rentenniveau bis 2021 weitgehend konstant bleibt, bis 2030 werde es dann voraussichtlich auf unter 45 Prozent sinken. „Das heißt aber noch lange nicht, dass wir eine massenhafte Altersarmut in Zukunft befürchten müssen“, so Gundula Roßbach in einem Interview für die Süddeutsche Zeitung.

Auch für Bundessozialministerin Andrea Nahles und die meisten Politiker hängt die Altersarmut vor allem mit dem Rentenniveau zusammen. Deshalb werden als Vorspiel zum Wahlkampf verschiedene Varianten lanciert, wie das Sinken aufgehalten werden kann. Abgesehen davon, dass dies Auswirkungen auf die Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) haben wird, stellt sich die Frage, ob das Rentenniveau tatsächlich die geeignete Stellschraube ist.

Nein, sagt die Deutschen Rentenversicherung. Selbst eine ganz erhebliche Erhöhung des gesetzlichen Rentenniveaus würde bei zwei Dritteln der heute von Altersarmut Betroffenen nicht dazu führen, dass sie auf ein Einkommen oberhalb des Grundsicherungsanspruchs kämen, teilte die Deutsche Rentenversicherung Bund dem Bundestag mit. Die Behörde beruft sich dabei auf eine Studie wonach rund 24 Prozent der heutigen Empfänger von Grundsicherung im Alter überhaupt keine Rente aus der gesetzlichen Versicherung bekämen. Weitere 40 Prozent der Betroffenen erhielten eine gesetzliche Rente von weniger als 400 Euro.

Das Problem Altersarmut ist nicht primär ein Problem der Funktionsweise der GRV, sondern in erster Linie des Arbeitsmarktes und der Lohnpolitik. Denn von Altersarmut bedroht sind die heute prekär, in Teilzeit und als Leiharbeiter Beschäftigten, Minijobber und vor allem Frauen in  schlecht bezahlten Tätigkeiten. Weitere Hoch-Risikogruppen sind die Erwerbsgeminderten sowie die Solo-Selbstständigen. Sie erwerben nicht nur zu wenige Rentenanwartschaften, sie haben auch nicht das Geld für eine geförderte, betriebliche oder private Altersvorsorge.

„Die Einschränkung prekärer Beschäftigungsformen wie Leiharbeit und Minijob würde bereits helfen, das Armutsrisiko zu senken. Nötig sind jedoch insbesondere ergänzende Regelungen im Rentenrecht. Zum Beispiel sollten in der Vergangenheit zurückgelegte Zeiten der Niedriglohnbeschäftigung und der Langzeitarbeitslosigkeit aufgewertet werden. Zudem muss das Rentenniveau zunächst stabilisiert und in einem ersten Schritt auf 50 Prozent angehoben werden", erklärt Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbandes Deutschland.

Bei den Vorschlägen zur Erhöhung des gesetzlichen Rentenniveaus wird jedoch geflissentlich ausgeblendet, dass eine solche Maßnahme nicht primär den Bedürftigen hilft, sondern dass dabei Rentenleistungen nach dem Gießkannenprinzip auf alle Rentenempfänger verteilt werden. Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus, beispielsweise nach Österreich und in die Niederlande, zeigt nicht nur dass dies auch anders geht, sondern auch, dass deutsche Rentner schon heute besonders arm dran sind. In Zukunft werden sie noch ärmer sein. Um das zu ändern, bedarf es mehr als einer Stabilisierung des Rentenniveaus.

Hans Pfeifer


(Bild: DRV Bund/Chaperon)

Weiterführende Links:

Gundula Roßbach zu Renten und Löhnen

Der Sozialverband Deutschland gegen Altersarmut


Rentensysteme und Altersarmut in internationalen Vergleich

portfolio international update 14.02.2017



 
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