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Ausgabe 05/2016

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25.02.2015

Alles besser oder nur anders? Die Nahles-(R)-Ente

Die Verbreitung von Betriebsrenten kommt einfach nicht voran. Das Potenzial ist enorm, doch die Ergebnisse enttäuschen regelmäßig. Knapp 60 Prozent der Arbeitnehmer haben bisher, Stand Ende 2013, Ansprüche für betriebliche Altersversorgung (bAV) aufgebaut, ergab ein brandneuer Forschungsbericht von TNS Infratest Sozialforschung. Das liegt auch an der verbreiteten Unwissenheit von Beschäftigten und Arbeitgebern. Die komplizierte Materie verschreckt sogar Vermittler. Statt die Sache zu vereinfachen und damit den Zulauf zu erhöhen, plant die Politik nun eine Tarifparteien-Rente. Ob die bAV damit vorankommt? Wie lassen sich Hürden beseitigen und wie die dringend nötige Beratung finanzieren? Darüber haben wir mit Versicherern, Pools und Beratern diskutiert.

Es diskutieren: Marcus Stephan, Prokurist und Leiter Versicherung des Maklerpools BCA AG; Dr. Stefanie Alt, Geschäftsführerin Nürnberger Beratungs- und Betreuungsgesellschaft für betriebliche Altersversorgung und Personaldienstleistungen mbH; Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender Talanx Pensionsmanagement und verantwortlich für bAV bei HDI; Prof. Dr. Thomas Dommermuth, Gründer und Gesellschafter des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung GmbH; Andreas Bürse-Hanning, Vorstandsvorsitzender Aures Finanz AG & Cie. KG

Moderator: Detlef Pohl, Chefredakteur portfolio international

IM FOKUS: Frau Dr. Alt, der bAV-Markt stagniert schon länger. Jetzt sollen eigene Einrichtungen der Tarifpartner den Aufschwung bringen. Was halten Sie davon?

Alt: Ich würde nicht von Stagnation sprechen, denn insbesondere bei kleinen und mittelständischen Betrieben konnten wir in den letzten Jahren viele Arbeitgeber von der betrieblichen Altersversorgung (bAV) überzeugen. Natürlich wäre es schön, wenn durch die jetzt ins Spiel gebrachten gemeinsamen Einrichtungen der Tarifpartner alle Probleme gelöst werden könnten, die der weiteren Verbreitung der bAV entgegenstehen.

IM FOKUS: Aber?

Alt: Der Vorschlag hat einen grundsätzlich falschen Ansatzpunkt. In der Praxis hapert es an Transparenz und Information. Darauf gehen jedoch die Vorschläge des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) nicht ein.

IM FOKUS: Was ist von dem angedachten neuen System zu halten?

Alt: Nichts, denn der Vorschlag macht alles nur noch komplizierter. Ein neues, zweites bAV-System neben ein bestehendes zu setzen, kann nicht zu einer Verbesserung führen. Für den Arbeitnehmer gibt es auch keine Vorteile, lediglich die
sofortige Unverfallbarkeit soll nun auch für arbeitgeberfinanzierte Ansprüche gelten. Die Risiken des Entwurfs überwiegen deutlich, denn den Gewerkschaften sollen einseitig Gestaltungsspielräume außerhalb des Betriebsrentengesetzes eingeräumt werden. Man kann hier nur warnen.

IM FOKUS: Herr von Löbbecke, das alte System ist weit verbreitet. Wäre denn die sogenannte Nahles-Rente – gemessen am Gesamtmarkt – zu verkraften?

Von Löbbecke: Ich bin da extrem kritisch und will dieses Thema auf keinen Fall verharmlosen. Wir brauchen kein neues tarifliches Zwangssystem neben der bestehenden bAV. Wir haben heute schon fünf Durchführungswege, verschiedene steuerliche Förderungen, bilanzielle Regeln, arbeitsrechtliche Aspekte. Ein weiteres System würde die Komplexität auf die Spitze treiben, statt die bAV zu vereinfachen. Im Ergebnis hätten wir noch mehr Unsicherheit bei Arbeitgebern und noch größeren Informationsbedarf bei Arbeitnehmern.

IM FOKUS: Herr Stephan, würde eine Nahles-Rente Pools Auftrieb geben?

Stephan: Als Pool verfügen wir über eigene Kompetenz mit bAV-Spezialisten und bieten den angebundenen Maklern ein Netzwerk, das es erlaubt, sie in allen Bereichen, von der Beratung über die Abwicklung bis hin zur Administration, zu entlasten. Eine Nahles-Rente hätte sicherlich in einigen Punkten Charme. Schon bei der Metallrente ist das Problem der Portabilität gut gelöst. Ich bezweifle aber, dass allein eine Tarifrente, die auf eine einfache Beitragszusage hinausläuft, der Schlüssel zum Erfolg ist. Nach unserer Erfahrung muss man es schaffen, wirklich jeden Mitarbeiter zu beraten. Und das ist ein Aspekt, der mir im Entwurf fehlt. Arbeitsrechtlicher Zwang wird keinen Unternehmer begeistern. Man muss ihm durch Services Arbeit rund um die bAV abnehmen und jeden Arbeitnehmer mitnehmen.

IM FOKUS: Herr Bürse-Hanning, als Makler ist die Beratungsleistung Ihr größtes Know-how. Fühlen Sie sich im alten bAV-System angemessen bezahlt?

Bürse-Hanning: Die Vergütung finde ich in Ordnung. Seit jeher vermittelt Aures Finanz die bAV auf Gruppenvertragsbasis und erzielt da hälftige Vergütungen, die in der Regel noch niedriger sind als die Kostenobergrenze, die das Lebensversicherungs-Reformgesetz heute mit 25 Promille vorschreibt. Problematisch ist aber die Vergütungshaftung von 60 Monaten. Denn unsere Vergütung hängt immer an der Dauer der Arbeitsverhältnisse, auf die wir aber gar keinen Einfluss haben. Das
heißt: Der Makler hat bei der Beratung immer denselben Aufwand, egal ob der Arbeitnehmer nur kurz in der Firma tätig bleibt oder sehr lange. Unser Geld haben wir aber erst nach fünf Jahren verdient. Und es gibt Pläne, diese Haftungszeit zu verdoppeln. Dies wäre nicht akzeptabel.

IM FOKUS: Herr Professor Dommermuth, Sie kennen das bisherige System aus dem Effeff. Was sind die Nachteile?

Dommermuth: Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt eine Reihe von Problemen, die man jetzt anpacken sollte, denn aus meiner Sicht stagniert die bAV momentan, ähnlich wie die Riester-Rente. Vor allem die Komplexität ist hinderlich. Wir haben fünf Durchführungswege, wir haben drei Zusagearten, die wir matrixmäßig
verzahnen, wir haben die Riester-Rente, die in die bAV integriert werden kann. Da blickt schon der Berater nicht so richtig durch. Obwohl die Beratung insgesamt noch relativ gut ist, tun sich viele Berater damit schwer. Wie sehr muss sich dann der Arbeitnehmer schwertun? Wenn man verunsichert ist, dann schließt man im Zweifel gar keine bAV ab.

IM FOKUS: Ist das Ihre einzige Kritik?

Dommermuth: Auch das Thema Steuer ist ein heikler Punkt. Es gibt verschiedene Förderwege und auf der anderen Seite eine „Nichtsteuerbarkeit“ bei Direktzusagen und Unterstützungskassen. Ich nenne das so, weil auf der Seite des Arbeitnehmers keine Höchstgrenze der Nichtversteuerung existiert, während bei Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds massive Deckelungen bestehen. Aber selbst diese Deckel werden noch mal unterschiedlich hoch angesetzt für Steuer und Sozialabgaben. Das kann man Laien kaum noch klarmachen. Hinzu kommen Ungereimtheiten bei gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen des Betriebsrentners. Ihm wird seine bAV-Rente in voller Höhe belastet, aber er partizipiert an den Entlastungen in der Beitragsphase nur zur Hälfte. Das ist ungerecht. Noch problematischer ist es, wenn ein Arbeitnehmer in der Beitragsphase keine oder nur wenig Sozialabgaben einsparen kann, weil sein Einkommen die Beitragsbemessungsgrenzen überschritten hat, er in der Rentenphase jedoch die volle Belastung zu verkraften hat. Auch das ARD-Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ hat kürzlich über Probleme mit der der Sozialabgabenlast berichtet. Da durften zehn Rentner jammern, mit ihren Direktversicherungen nur Verluste gemacht zu haben. Das ist aber eben nicht mal die halbe Wahrheit, denn die Entlastungen auf der Beitragsseite wurden überhaupt nicht angesprochen. So wird die bAV schlechtgeredet, obwohl sie nichts für die suboptimalen Rahmenbedingungen im Sozial- und Steuerrecht kann.

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