Die Zurich gab den Rückzug schon im vergangenen Jahr bekannt. Produktentwickler von Swiss Life bezeichnen konventionelle LV-Policen öffentlich als Auslaufmodell. Die Skandia zog sich aus der Riester-Rente zurück, weil dort eine Beitragsgarantie gestellt werden muss. HDI-Gerling betreibt das klassische LV-Geschäft allenfalls noch halbherzig, wie die starke Absenkung der Überschussbeteiligung zum Jahreswechsel 2012 signalisierte.
Die Liste der Abtrünnigen wird weiter anwachsen. Eines fällt dabei auf: Zum einen ziehen sich vor allem jene Anbieter zurück, die bereits über gut eingeführte fondsgebundene Versicherungskonzepte mit Garantieelementen verfügen. Die Zurich nutzt bei ihrem Produkt „Vorsorge-Invest Premium“ das Know-how ihres Partners DWS Investment. HDI-Gerling startete frühzeitig mit einem dynamischen Hybriden. Swiss Life hält trotz aller Widrigkeiten ihrem Variable-Annuity-Produkt „Swiss Life Champion“ die Stange.
Zum anderen tragen sich vor allem jene Gesellschaften mit Ausstiegsgedanken, die im Ruf stehen, bei Verhandlungen über Abschlussvergütungen durchaus mal einen Schnaps mehr zu bieten. Hohe Kosten treten bei anhaltend niedrigen Zinsen im klassischen LV-Geschäft aber unweigerlich zutage. Bei den komplizierter gestrickten fondsgebundenen Versicherungen mit neuartigen Garantie-Elementen herrscht dagegen noch längst keine durchgängige Transparenz, die Vergleiche ohne weiteres ermöglicht.
Überdurchschnittliche Kosten lassen sich daher in diesen Produkten leichter unterbringen. Läuten also schon die Totenglocken für die klassische Lebens- und Rentenversicherung? Gert Wagner, Chief Product Officer bei der Swiss Life, legte unlängst auf einem Seminar des Munich Risk and Insurance Center allen Vermittlern ans Herz, sich auf Veränderungen einzustellen.
Zugegeben, die Hoffnungen, dass ein baldiger Zinsanstieg die Renditen der Deckungsstöcke wieder auf Touren bringt, sind wohl vergeblich. Schon wegen der Schuldenkrise werden die Staaten längere Zeit für niedrige Zinsen sorgen. Außerdem reagiert das Anlagesystem der Lebensversicherer ausgesprochen träge auf Zinsänderungen, weil Neuanlagen immer nur einen kleinen Teil des gesamten Anlagevermögens ausmachen.
Aber die Klassiker unter den LV-Policen werden dennoch nicht so schnell aus der Landschaft verschwinden. Schlank aufgestellte Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit mit niedrigen Kostensätzen und ohne Verpflichtung zur Dividendenausschüttung an Aktionäre sowie mit nach wie vor überdurchschnittlicher Überschussbeteiligung werden auch künftig die Fahne hoch halten. Die Stuttgarter macht es vor, obgleich auch sie im vergangenen Jahr als Alternative einen dynamischen Hybriden aufgelegt hat.
Eines wird früher oder später aber unweigerlich auf die Tagesordnung kommen: die Neugestaltung der ausgesprochen langfristigen Garantien. Verpflichtungen über 50 bis 60 Jahre werden auch die eifrigsten Verfechter der klassischen LV bald ernsthaft infrage stellen. Der Vorstandschef der Württembergischen, Norbert Heinen, lieferte dazu bereits mehrfach öffentliche Denkanstöße. Bislang blieb die Resonanz verhalten. Das wird sich ändern.
portfolio international 14.02.2012/kmo




Deutsche Bank / Realtime Indikation
