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Vorsorge
24.09.2012

Betriebsrente wird in Großbritannien obligatorisch

Ab Oktober führt Großbritannien per Entgeltumwandlung Betriebsrenten für Arbeitnehmer mit mindestens 10.000 Euro Jahreseinkommen ein. Das sogenannte Opting-out-Modell funktioniert auch andernorts und wird in Ansätzen auch in Deutschland praktiziert.

Die Briten sollen ihre spärliche staatliche Einheitsrente von rund 450 Euro pro Monat aufstocken. Eine Rentenreform sieht dort vor, ab Oktober 2012 nahezu alle Arbeitnehmer per Entgeltumwandlung automatisch für einen qualifizierten Betriebsrentenplan anzumelden. Durch ein sogenanntes Opting-out können sie dem allerdings widersprechen.

Bei Opting-out-Modellen, in den USA auch als „autoenrollment“ bezeichnet, handelt es sich um eine automatisierte Entgeltumwandlung mit Widerspruchsrecht. Jeder Arbeitnehmer wird erst einmal in das betriebliche Versorgungssystem aufgenommen. Wer nicht teilnehmen will, kann widersprechen und aussteigen. Derzeit ist es in Deutschland in der Regel umgekehrt: Wer eine Betriebsrente durch Entgeltumwandlung ansparen möchte, muss meist selbst aktiv werden.

In Großbritannien steuert der Arbeitnehmer nun vier Prozent seines Lohns bei, der Arbeitgeber drei Prozent und der Staat ein Prozent Steuererstattung. Auf diese Weise will das Land dem mangelnden privaten Sparverhalten der Briten auf die Sprünge helfen. Vorbilder sind unter anderem Neuseeland und die USA.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat die Mechanismen in Neuseeland untersuchen lassen, wo 2007 das "Kiwi-Saver-Programm" startete. Zunächst werden dabei alle Arbeitnehmer bei Antritt einer neuen Stelle automatisch ins Programm aufgenommen, bei dem der Arbeitgeber auch Entgeltumwandlung vornimmt. Von der dritten bis zur achten Arbeitswoche kann man wieder aussteigen, muss aber selbst aktiv werden. Die ersten beiden Wochen gelten als eine zwangsweise auferlegte Bedenkzeit.

Ergebnis: 45 Prozent der Sparer gaben an, dass sie ohne automatische Aufnahme in das Kiwi-Saver-Programm nicht vorgesorgt hätten. Tatsächlich waren drei Jahre nach Auflage des Programms 38 Prozent der Berechtigten und damit etwa die Hälfte aller Haushalte beigetreten. 15 Prozent bestätigten, dass sie das Programm ohne die zwangsweise auferlegte Bedenkzeit von 14 Tagen sofort wieder verlassen hätten.

In Deutschland will die SPD, dass künftig jeder Arbeitnehmer automatisch zwei Prozent seines Bruttoeinkommens in eine Betriebsrente umwandelt, sofern er diesem Automatismus nicht widerspricht. Damit rücken Opting-out-Modelle für die Betriebsrente wieder stärker in den Fokus. Kein Wunder: „Mit solchen Modellen werden im Ausland Beteiligungsquoten von bis zu 90 Prozent“, sagt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern.

Bei freiwilliger Entgeltumwandlung dagegen werden oft nur zehn bis 20 Prozent der Belegschaft erreicht, sagt Stefan Oecking vom Beratungsunternehmen Mercer Deutschland. Opting-out-Modelle nutzen die Trägheit vieler Menschen, die Entscheidungen hinausschieben. Wenn automatisch die Entgeltumwandlung mit Eintritt ins Unternehmen beginnt, wirkt sich das Zögern nicht ungünstig auf die Vorsorge aus, argumentiert Morgenstern.

Nach dieser Devise handeln mehr Berater in Deutschland als in der Öffentlichkeit bisher bekannt. „Wir beraten insbesondere in größeren Betrieben schon in dieser Richtung“, sagt Oliver Drewes, Geschäftsführer der Maxpool Servicegesellschaft für Finanzdienstleister. „Gerade bei Kleinstbetrieben gibt es aber keine Betriebsräte, insofern kann man keine Betriebsvereinbarungen aufsetzen, die rechtlich bindend sind, insbesondere nicht für den Bestand“, ergänzt Drewes. Somit ließe sich Opting-out für neue Mitarbeiter nur einzelvertraglich regeln.

„In kleineren Betrieben beraten wir diese verpflichtende Wahl auch“, erläuterte Drewes in einem Rundtischgespräch von portfolio international. Arbeitgeber könnten dies auch ohne gesetzliche Regelung zum Bestandteil der Arbeitsverträge machen.

portfolio international update 24.09.2012/dpo/gor

 
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