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Fitch Ratings bleibt beim negativen Ausblick für Lebensversicherer
Mittwoch, 10. März 2010

(Wiederholung update SPEZIAL vom 09.10.2010)

FRANKFURT - Obwohl die deutschen Lebensversicherer für das abgelaufene Jahr deutlich verbesserte Ergebnisse berichten werden, behält die Ratingagentur Fitch ihren negativen Ausblick für diese Branche bei. Fitch Ratings war die erste Agentur, die 2007 einen negativen Branchenausblick erteilt hatte. „Den deutschen Versicherern bleibt keine Atempause“, stellte Analyst Tim Ockenga anlässlich der Vorstellung des Fitch-Spezialreports zur deutschen LV-Branche am Dienstag fest.

In der Marktanalyse macht Fitch Ratings auf die enorme Zunahme des Einmalbeitragsgeschäftes aufmerksam. Es wuchs nach bisherigen Angaben um rund 45 Prozent, nachdem es 2008 lediglich um 4,2 Prozent gestiegen war. Allein darauf beruht der ebenfalls starke Anstieg der Bruttobeiträge um etwa fünf Prozent (2008: 1,2 Prozent) „Nach neuesten Zahlen von einzelnen Versicherern, die sich auf Marktdaten berufen, sind die gebuchten Bruttobeiträge auf Grund eines Wachstums von mehr als 50 Prozent der Einmalbeiträge sogar um 6,5 bis 6,7 Prozent gestiegen. Einen solchen Wert hat es in der Vergangenheit selten gegeben“, ergänzte Ockenga die Ergebnisse aus dem vorliegenden Branchenbericht. Fitch geht davon aus, dass der hohe Neuzugang gegen Einmalbeitrag zu einem großen Teil auf eher kurzfristige Kapitalisierungsgeschäfte zurückzuführen ist.

„Die Kurzfristigkeit der Anlagen kann bei Vertragsverlängerung in einigen Fällen dazu geführt haben, dass Einmalbeiträge mehrfach in die Kalkulation des gesamten Neuzuganges eingeflossen sind“, bestätigte der Fitch-Analyst eine Beobachtung, die portfolio international schon im vergangenen Jahr beschrieben hatte. „Kapitalisierungsgeschäfte können zur Überbrückung schwieriger Neugeschäftsphasen durchaus sinnvoll sein. Neben der derzeitigen Zurückhaltung der Verbraucher fehlen bei einigen Versicherern aber schlicht die nötigen Produkte und Vertriebskanäle für ein rentables und nachhaltiges Neugeschäft“, gab Tim Ockenga zu bedenken. Der hohe Anteil der Einmalbeiträge sei daher auch ein Anzeichen für die strukturelle Neugeschäftsschwäche einiger Lebensversicherer.

Er ist zudem mit Nachteilen verbunden, weil dadurch die Schwankungen der Volumina sowohl im Neugeschäft als auch bei den Kapitalanlagen sehr stark zunehmen. „Bei der auf Langfristigkeit ausgerichteten Kapitalanlage geht das mit größeren Liquiditätsrisiken einher. In Verbindung mit einer hohen Stornoquote könnten diese Effekte zusätzlich verstärkt werden. Fitch erwartet, dass die Stornoquote 2009 von 5,5 Prozent auf 6,3 Prozent angestiegen ist.

Die Ratingagentur geht von einer deutlichen Verbesserung der Bewertungsreserven aus. Sie stiegen bis Ende 2009 auf rund 18 Milliarden Euro beziehungsweise 2,5 Prozent der Kapitalanlagen. 2008 lag ihr Anteil bei 1,5 Prozent der Kapitalanlagen. Verantwortlich für diese Entwicklung war die deutliche Erholung an den Kapitalmärkten, welche zum Teil zu vollständigen Wertaufholungen bei den im Vorjahr gemäß § 341b Handelsgesetzbuch unterlassenen Abschreibungen führte, sowie der Rückgang des langfristigen Zinsniveaus.

Die Nettoverzinsung der deutschen Lebensversicherer ist 2009 im Vergleich zum Vorjahr auf leicht über vier Prozent (2008: 3,4 Prozent) gestiegen. „Das ist die eigentlich positive Nachricht“, so Ockenga. Neben der allgemeinen Erholung an den Kapitalmärkten sei dafür ein weiterhin hoher durchschnittlicher Kupon im festverzinslichen Wertpapierportfolio von schätzungsweise rund 4,5 Prozent sowie ein relativ hoher Wiederanlagekupon in Höhe von ca. 4,3 Prozent verantwortlich.

Ähnlich wie nach dem letzten Börsencrash 2002/2003 erwartet die Ratingagentur, dass es in den nächsten Jahren zu einer stärkeren Differenzierung in der Branche kommen wird. Kapitalstarke Gesellschaften konnten Opportunitäten am Kapitalmarkt nutzen und damit Reservepolster aufbauen. „Dieser Umstand wird die Wettbewerbsfähigkeit und die Überschussbeteiligung maßgeblich beeinflussen“, prophezeit Ockenga. Die ersten Anzeichen für eine Differenzierung gibt es bereits. „Wir sehen derzeit im Markt einige Run-offs.“ Explizit verwies er auf Victoria und Delta Lloyd. Daneben gebe es eine Reihe von de facto Run-offs, bei denen Lebensversicherer, die Teil einer Gruppe sind, das Neugeschäft seit einiger Zeit nicht mehr forcieren. Statt dessen würden die Anstrengungen auf den Kranken- oder Sachversicherer der Gruppe fokussiert. Namen wollte er aber nicht nennen. Nun sei es interessant, ob daraus ein offizieller Rückzug aus dem Neugeschäft erfolge. Das werde die Zeit zeigen.

portfolio international update 10.03.2010/kmo/gcu 

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