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Madoff-Skandal erreicht deutsche Vermögensverwalter
Donnerstag, 18. Dezember 2008

FRANKFURT – Die deutsche Fondsbranche ist in den Strudel des US-Anlagebetrügers Bernard Madoff geraten. In diesen Tagen müssen zahlreiche Dach- und Mischfonds – Branchen-Insider sprechen von bis zu 100 Sondervermögen – zwei Zielfonds, die Madoffs Anlagesystem repliziert haben, komplett abschreiben.

Wie portfolio international erfuhr, handelt es sich bei den beiden Publikumsfonds um den „Thema US Equity Fund“ aus Irland und den „Herald (LUX) US Absolute Return Fund“ aus Luxemburg. Für beide Fonds, die in Deutschland zum öffentllichen Vertrieb zugelassen sind und insgesamt ein Volumen von deutlich über eine Milliarde Euro ausweisen, können seit Mittwoch keine Preise mehr gestellt werden. Die US-Aufsichtsbehörde SEC hat offenbar das Vermögen der Fonds im Rahmen des Vorgehens gegen Madoff eingefroren. Beide Fonds werden von der international wenig bekannten Wiener Bank Medici, einer Unicredit-Tochter, verwaltet. Depotbank ist HSBC Securities in Irland und Luxemburg.

„Es gibt die Empfehlung der Luxemburger Aufsichtsbehörde, alle Bestände, die wir in den beiden Fonds halten, auf null zu setzen und somit abzuschreiben“, sagte ein Vertreter einer betroffenen Kapitalanlagegesellschaft, der nicht namentlich genannt werden wollte. Der Beschluss, die beiden Fonds in den Dachfonds abzuschreiben, basiert nach Informationen von portfolio international auf einer Absprache zwischen sechs oder sieben Asset Managern, darunter Ampega-Gerling, Frankfurt-Trust, Metzler und Universal-Investment.

Zuvor hatten sich die betroffenen Fondsanbieter mit Vertretern der Bafin und des Investmentverbands BVI beraten. Dabei hatte sich der BVI Branchenkreisen zufolge mit Verweis auf die Verantwortung der Depotbank für die Führung der Bestände gegen die Abwertung der Fonds ausgesprochen. Schlussendlich folgten die Fondsanbieter allerdings den Empfehlungen der Bafin und der Luxemburger Behörden. Ein BVI-Sprecher verneinte, dass es ein entsprechendes Rundschreiben oder eine mündliche Empfehlung gegeben habe. Eine Bafin-Sprecherin sagte, man sei über das Vorgehen informiert worden und habe keine Einwände gehabt. „Wir haben den Gesellschaften auch geraten, diese Abschreibungen dem Anleger offen zu legen“, so die Sprecherin weiter.

Wie groß der Schaden für deutsche Privatanleger tatsächlich ist, ist unklar. Nach Angaben von Walter Schmidt, CIO und Geschäftsführer von Ampega-Gerling, haben fünf Dachfonds der Gesellschaft insgesamt 20 Millionen Euro abgeschrieben. Bei Frankfurt-Trust waren es nach eigenen Angaben acht Millionen Euro in sechs Fonds. Auch Alceda und Universal-Investment haben erklärt, Abschreibungen vorgenommen zu haben, die genaue Summe jedoch nicht beziffert. Insgesamt halten Branchenbeobachter einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag für denkbar.

Von dem Gau betroffen sind offenbar vor allem Dach- und Mischfonds von unabhängigen Vermögensverwaltern. Allein sieben Fonds des Vermögensverwalter-Pools Carat Fonds Service AG sind von den zwei Zielfonds Herold und Thema US Equity betroffen.

Ebenso unklar wie die Höhe des Gesamtschadens ist die Frage, wie es zu dem Fonds-Gau kommen konnte. „Wir haben nur die Information der Investmentgesellschaften bekommen, dass für die Zielfonds keine Preise ermittelt werden können und dass die SEC das Vermögen eingefroren hat“, sagte Schmidt von Ampega-Gerling. „Wir prüfen unsere juristischen Möglichkeiten“, ergänzte er.

Dies wirft die Frage nach der Rolle der HSBC als Depotbank in Irland und Luxemburg auf. Grundsätzlich ist die Depotbank für die ordentliche Führung der Bestände in Investmentfonds verantwortlich. Sollte also der Fehler bei der Depotbank liegen, wäre sie laut Experten aus der Investmentbranche für den Schaden für die Anleger haftbar zu machen. Ein Sprecher der HSBC in London reagierte auf Anfragen jedoch nicht.

Den übereinstimmenden Äußerungen von mit der Materie vertrauten Personen zufolge hatte HSBC einer Madoff-Firma ein Sub-Custodian-Mandat für die beiden Fonds eingeräumt und ihr somit Zugang zu den Sondervermögen eingeräumt.  „Die Depotbank muss sich über die Güte des Sub-Custodians vergewissern“, zeigt einer der betroffenen Asset Manager die Verantwortung in Richtung HSBC.

Doch selbst wenn der Schaden in den zahlreichen Fonds auf Fehler der Depotbank zurückginge, gilt Beobachtern zufolge der Flurschaden für die Fondsbranche als immens. Denn bisher galt die europaweit praktizierte Trennung von Kapitalanlagegesellschaft, Depotbank und Anlageberater als wasserdichter Garant des Anlegerschutzes. „Wir tappen völlig im Nebel, wie das passieren konnte“, heißt es beim Investmentverband BVI. Auch unter den betroffenen Kapitalanlagegesellschaften herrscht am Tag nach Bekanntwerden der Probleme großes Rätselraten und große Verunsicherung. Klar sein dürften zwei Sachverhalte: Die juristische Aufarbeitung wird Jahre dauern. Und der Schaden liegt im Zweifel beim Anleger.

portfolio international update 18.12.2008/maa-kmo/gor/jan

Von: Ali Masarwah und Klaus Morgenstern

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